Sechs Jahre ist es her, dass die Amerikaner Kitzingen den Rücken kehrten. Von einer Jahrhundertaufgabe war damals die Rede, von der größten Herausforderung der Neuzeit. Jetzt sieht es so aus, als könnte die Aufgabe innerhalb eines Jahrzehnts gelöst werden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Besitzer ist in viel versprechenden Verhandlungen mit mehreren Interessenten.
198 Hektar groß ist die Fläche zwischen Kitzingen und Großlangheim. Sie beherbergt nicht nur einen Sonderlandeplatz, sondern auch einen Gleisanschluss und eine sehr unterschiedliche Gebäudestruktur. Einige Häuser wurden noch kurz vor dem Abzug der Amerikaner saniert, andere sind seit ihrer Errichtung in den 60er Jahren unverändert. Eine Schadstoffuntersuchung wurde laut Bima nicht durchgeführt, auch die Frage der Altlasten auf dem Gelände ist nicht abschließend geklärt. Dennoch: Elf Interessenten haben sich bei der Bima gemeldet, etwa die Hälfte aus der Solarbranche. In den nächsten Wochen will die Bundesanstalt ihre Entscheidung treffen und dabei auch die Stadt mit einbinden. Die Favoriten sollen der Stadtverwaltung und OB Müller präsentiert und dann im politischen Gremium, sprich im Stadtrat, vorgestellt werden. "Für uns hat die Frage der Arbeitsplätze natürlich oberste Priorität", sagt Müller. Am liebsten wäre es ihm, möglichst viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze auf dem ehemaligen Kasernengelände anzusiedeln, um so auch den Zuzug nach Kitzingen anzukurbeln. "Es wäre schön, wenn die Nachfrage nach Bauplätzen dadurch steigen könnte", sagt er.
Auch wenn die Stadt letztendlich nur ein Mitspracherecht hat, sind Müller zwei weitere Kriterien sehr wichtig: Der neue Eigentümer sollte den Sonderlandeplatz, auf dem der Luftsportclub Kitzingen Segelflug betreibt, zumindest tolerieren. Und die Kitzinger Industrie- beziehungsweise Gewerbeunternehmen sollten bei den Planungen nicht übersehen werden. "Es muss unser Ziel sein, dass die örtlichen Unternehmen, die sich weiter entwickeln wollen, diese Chance bekommen."
Der OB ist nach den bisherigen Gesprächen vorsichtig optimistisch, dass sich die größte Konversionsfläche im Sinne der Stadt entwickeln wird. "Noch ist es zu früh, eine Prognose abzugeben", schränkt er ein. "Aber es waren auch schon bei uns einige sehr seriöse Anbieter." Mit der Bima als Grundstückseigentümer hat er erst kürzlich vereinbart, dass die Stadt die Konzepte der Interessenten erhält, bevor die Kaufverträge unterschrieben sind. Die Bima verfolgt dabei durchaus ehrgeizige Ziele. Schon kurz nach der Somerpause soll der Verkauf der Harvey-Kaserne abgeschlossen sein.

Ankauf der Marshall-Heights?


Nach dem Verkauf der ehemaligen Larson-Kaserne und der Umstrukturierung in den Innopark Kitzingen, wäre damit die zweite große Hürde der Konversion genommen. Die drittgrößte Fläche, die rund 32 Hektar großen Marshall-Heights am Stadtrand in Richtung Würzburg, sollen ebenfalls zeitnah verkauft werden - sobald der Verkauf von Harvey unter Dach und Fach ist. Nachdem sich die Pläne eines Klinikneubaus auf einer Teilfläche des Geländes erübrigt haben, will die Bima die Marshall-Heights nun ebenfalls in einem Stück auf den Markt bringen. Die Stadt hätte damit die Chance, das Gelände zu erwerben. Neuerdings haben Kommunen ein Erstzugriffsrecht auf Militärgelände, wie der Bundestagsabgeordnete Michael Glos in einem Schreiben mitteilte. Müller ist dennoch skeptisch. Noch weiß er nicht, welchen Wert die Bima für die Wohnsiedlung ermittelt hat. Dass die Stadt den Kauf finanzieren kann, ist für ihn derzeit schwer vorstellbar. Das entsprechende Gutachten will er aber auf jeden Fall anfordern.