Krabbeln, essen, spielen und schlafen – das tun die Krippenkinder im evangelischen Kindergarten Sankt Michael in Kitzingen am liebsten. Während die Eltern arbeiten, vergnügen sich die Kleinen mit ihren Betreuern und grinsen zwischen ihren Kuscheltieren um die Wette.

Seit August haben alle Ein- bis Dreijährigen das Recht auf einen Betreuungsplatz, doch nicht überall gibt es genug Kapazitäten. Der Landkreis Kitzingen will seine 547 Krippenplätze weiter ausbauen.

„Wir sind immer gut belegt“, sagt die Leiterin des Kindergartens Sankt Michael, Carina Klötsch. Insgesamt 14 Kinder unter zweieinhalb Jahren werden hier betreut, freie Plätze sind rar. Bei der Platzvergabe plant sie bereits für September 2015. „Das Angebot einer Rundumversorgung von Sieben bis halb Drei kommt gut an“, informiert Klötsch. Die Nachfrage sei seit dem Neubau der Kinderkrippe vor drei Jahren vor allem auch wegen der zentralen Lage ungebrochen hoch und die vier Erzieherinnen hätten allerhand zu tun.

Etwas anders sieht die Situation im ländlichen Raum aus. Da die Anzahl der Betreuer nach einem Anstellungsschlüssel berechnet wird, bei dem die Betreuungszeiten aller Kinder mit den Arbeitszeiten des Personals verrechnet werden, soll Hellmitzheim ab September auf eine Erzieherstelle verzichten. Denn ab dann sind nur noch 24 Kinder im Kindergarten Pusteblume. Momentan kümmern sich vier Erwachsene um insgesamt 28 Kinder, zehn davon sind in der neu umgebauten Krippe.

Dass die Anzahl der Kinder hier in den letzten Jahren um die Hälfte gesunken ist, habe mit der geringen Geburtenquote zu tun, erklärt die Kindergartenleiterin Heike Koch. Platzprobleme für die Ein- bis Dreijährigen sieht sie im ländlichen Raum daher nicht. Durchweg positiv beschreibt das Landratsamt die Lage. „Im vergangenen Kindergartenjahr waren 42 Prozent der unter Dreijährigen betreut“, sagt Pressesprecherin Corinna Petzold. Die meisten gehen ab zweieinhalb Jahren in den regulären Kindergarten, für die Jüngeren wurde im Landkreis eine Versorgungsquote von rund 28 Prozent geschaffen.

„Es gab bisher keine Beschwerden, dass Plätze fehlen würden oder die Betreuung nicht gewährleistet werden kann“, betont Petzold. Aktuell entstehen in der Stadt Kitzingen Krippengruppen im katholischen Kindergarten St. Elisabeth und in der Siedlung im St. Vinzenz Kindergarten. Dort und anderswo seien dank der lobenswerten Arbeit der Städte und Gemeinden vereinzelt sogar noch Plätze frei.

Diese Meinung kann Irmgard Will aus eigener Erfahrung nicht teilen. Die 53-Jährige arbeitet als Tagesmutter in Kitzingen und nimmt viele Kinder auf, die keinen Krippenplatz bekommen haben. „Meine Türen stehen von morgens um halb Acht bis spät abends offen“, sagt Will. Vormittags betreut sie vor allem Ein- bis Dreijährige, später Schulkinder. Für viele Eltern seien neben den mangelnden Plätzen auch die Öffnungszeiten das Problem. „Die meisten arbeiten länger als halb Fünf“, erklärt die Tagesmutter.

Sie selbst musste eine Qualifikationsprüfung ablegen, um als Tagesmutter zu arbeiten. Wer an dieser Variante der Betreuung interessiert ist, kann sich an das Jugendamt wenden. Dieses vermittelt die Kinder dann an eine der insgesamt 30 Tagesmütter im Landkreis, die momentan nach Angaben des Landratamtes insgesamt 42 Kinder betreuen, 19 davon sind unter drei Jahren.

„Die Eltern sind mir dankbar, weil ich sie stark entlaste“, erklärt Irmgard Will ihre Motivation. Zeitgleich darf sie bis zu fünf Kinder bei sich aufnehmen. Die versicherungstechnischen Aspekte werden über das Jugendamt geklärt, das einen Betreuungsvertrag mit den Eltern abschließt. „Wenn ich wollte, könnte ich rund um die Uhr arbeiten“, sagt die 53-Jährige. Denn die Nachfrage sei steigend.

Bis 2014 soll die Zahl der Betreuungsplätze für Ein- bis Dreijährige im Landkreis auf 36 Prozent erhöht werden. Die zusätzlichen 167 Betreuungsplätze sollen vor allem in Kitzingen, Geiselwind, Albertshofen, Seinsheim, Marktsteft, Kleinlangheim und Großlangheim entstehen. Damit sei eine „gleichmäßige Verteilung über den Landkreis“ gewährleistet, teilt das Landratsamt mit. Ziel sei es, dass ab kommenden Jahr nahezu alle Gemeinden im Landkreis Krippenplätze anbieten können.