Wie sieht die Zukunft des Waldes aus? Was können Förster, Waldbesitzer und die Jäger im Landkreis Kitzingen gemeinsam unternehmen, damit künftig mehr Bäume nachwachsen? Zu einer Besprechung hatte das Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen Jäger und Waldbesitzer des Landkreises in den Prichsenstädter Stadtwald bei Ilmbach eingeladen.

Dabei stellten die Forstleute die Vorgehensweise vor, wie das Gutachten zur „Inventur“ der Wälder gefertigt wird. Es zeigte sich aber auch, dass Förster und Jäger nicht immer einer Meinung sind.

Transparenz und Akzeptanz will der Staat für das Werk. Denn die Erhebung der Daten für den Ist-Zustand des Waldes hat Folgen: Anhand der Auswertung werden die Abschusspläne für die Jahre 2013 bis 2015 festgelegt. Bereits bei der zurückliegenden Erhebung seien höhere Abschusszahlen gefordert worden, darauf dürfte es diesmal wieder hinaus laufen. Mehr Wild schießen, statt noch mehr Geld für die Zäunung junger Pflanzen ausgeben, lautet die Devise der Waldbesitzer.

Genau da sah der Vorsitzende der Jäger im Kreisverband Kitzingen, Klaus Damme, den wunden Punkt. Für die Weidmänner, die im Landkreis auf zehn Hegegemeinschaften mit je acht bis zehn Revieren aufgeteilt sind, sei der Druck bereits jetzt groß, ja kaum erfüllbar. „Wir werden unsere Abschussquote in diesem Jahr um bis zu 50 Prozent nicht erfüllen. Wir können nicht die geforderte Anzahl an Wild schießen, da müssten wir ja einen Total-Abschuss machen“, so Damme zur Situation der 380 Jäger in der Kreisgruppe Kitzingen des Bayerischen Jagdverbandes.

Der Bereichsleiter Forsten im Landkreis Kitzingen, Klaus Behr, hatte zu Beginn der Veranstaltung ein Fernziel formuliert: Die Wälder müssten umgebaut werden, um für den Klimawandel besser gerüstet zu sein. Man müsse „genau hinschauen, dass unsere Wälder zukunftsfähig sind“, erläuterte Behr die Absicht des vom Gesetz her geforderten Gutachtens. Es gehe darum, „unsere Wälder zu sichern, damit wir auch in 100 Jahren noch welche haben“, so Behr. 150 der 15 000 Hektar Wald im Landkreis Kitzingen will das Amt für Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen pro Jahr umbauen. Bei der Waldbewirtschaftung müsse eben in derart langen Zeiträumen gedacht werden, was Damme für „sehr mutig“ hielt.

Vom Forstamt werden die Gutachten über den Waldzustand zum zehnten Mal erstellt. Los gehen soll die Zählung in den einzelnen Abteilungen bereits in diesen Tagen. Nicht zuletzt der dabei fest gestellte Verbiss an den jungen Bäumen regelt die für die Jäger wichtigen Zahlen, wie viel Wild geschossen werden soll.

Wie das Zählverfahren funktioniert, zeigten Max Bartholl und Wolfgang Steinmann vom Bereich Forsten in Kitzingen in einem Waldstück bei Ilmbach. Auf einer Linie von 40 bis 100 Meter Länge werden Aufnahmepunkte gesetzt. Von diesen aus markieren die Förster die nächstgelegenen 15 Waldpflanzen, um diese dann auf Schäden durch Verbiss zu kategorisieren. Vier Stufen gebe es beim Verbiss, von „günstig“ bis „deutlich zu hoch“ reicht die Skala. Besonders problematisch ist der Verbiss bei jungen Eichen, das zeigte sich auch in Ilmbach. Nicht einmal drei Prozent der natürlich nachwachsenden Eichenbäume erreichen eine Höhe von 1,30 Meter, von der aus sie sicher vor den hungrigen Mäulern der Rehe weiterwachsen.

Bei der Bestandsaufnahme und dem daraus resultierenden Ergebnis gelte es, eine für Förster, Jäger und Waldbesitzer zufriedenstellende Lösung zu schaffen, betonte Forstbereichsleiter Behr. Ein Grundsatz laute zwar, dass Wald vor Wild gehe. „Das heißt aber nicht, dass Wald ohne Wild geht“, so Behr.

Bei dem Treffen machte mit Herbert Pfriem der für die Jagd zuständige Vertreter des Bauernverbandes im Landkreis auf Gemeinsamkeiten aufmerksam, um die zum Teil aufgebrachten Gemüter nach der teils verbissenen Diskussion um den Verbiss zu beruhigen. Grundstückseigentümer und Jagdpächter seien aufeinander angewiesen, bei allen stehe der Erhalt des Waldes im Vordergrund. „Wenn überall Bereitschaft da ist, werden wir es schaffen“, versuchte Pfriem Öl auf die Wogen zu gießen.