Nach dem Universum vor einigen Jahren erkundeten Iphofens Narren diesmal das große weite Meer: Das Trio von Let's Dance spielte zum Entree „Keine Panik auf der Titanic“, und zur Begrüßung trat Simon Roth am Samstagabend als Capitano Antonio Catastropho vor das maritim gekleidete Publikum in der Karl-Knauf-Halle. Dann durften die 250 närrisch gestimmten Passagiere auch schon in See stechen.

Sie erwartete ein Programm voller Kontraste: Hoch schlugen die Wellen bei den schwungvollen Showtänzen, sachte hörte man das Meer rauschen bei den lokal bis global gefärbten Reden der Stüchtler, die sich im 16. Jahr ihren ganz eigenen Reim auf das Treiben im Ort und in der Welt machten. Da waren etwa Agnes Roth und Gabi Klein, die als dralles Blondinen-Duo Betti und Jennifer nicht einfach bloß im Trüben fischten, sondern in Form klarer Gedanken und Visionen manchen dicken Fisch an Land zogen. Sie warfen die Angel aus und hakten sich an heiklen Themen fest wie den zur Mittagszeit geschlossenen Wirtshäusern der Stadt.

„Lasst mich heim“, sangen die beiden im wundervoll zweisprachig vorgetragenen Duett, „in Iphofen möcht ich kein Tourist mehr sein . . . Meine Wünsche waren zu groß, in Iphofen ist nix los.“ Da sprachen sich einigen aus der Seele, die unter Mittag durch den wie ausgestorben wirkenden Altort streifen – und hungrig wieder von dannen ziehen, vermutlich auf Nimmerwiedersehen. Vielleicht ist ja die Idee, den Herrengraben zu fluten, der Renner, um die Leute zurückzuholen. „Da könnten wir als Gondoliere wie in Venedig schippern“, schlugen die beiden vor.

Fast nahtlos knüpfte Barbara Weigand an diese Art der Nabelschau an. Genüsslich rührte Stefan Dörr an der Quetsche jenen Kakao an, durch den Weigand dann manchen lokalen Prominenten zog – wie den umtriebigen Stadtförster Fell, der beim Waldgang des Stadtrates seinen Hund am Parkplatz vergessen hatte. Oder die ausgesiedelte Winzerfamilie, deren riesiges Anwesen zu Füßen des Schwanbergs notfalls als Kurklinik tauge – oder als Alterssitz für Promis wie Boris Becker. „Für gewisses Glücksempfinden wird sich sicher auch a Besenkammer finden.“

Ein Reim auf Billigwein

Und natürlich durfte in der Revue des vergangenen Jahres das so leidenschaftlich diskutierte Wengertshäusla nicht fehlen. Dort verkauften Iphöfer Bürger in privater Initiative Wein am Marktplatz – sehr zum Verdruss mancher Wirte und CSU-Stadträte, die im Rathaus Propaganda gegen den Stand machten, weil er Billigwein verkaufe und Schwarzarbeit unterstütze. Jetzt, so die Narren, denke man über zwei Eingänge am Häusla nach: einen wie bisher für alle und „einen für die bessern Leut“.

Spät am Abend hielten die Jungen Comedians noch ein paar „schockierende Enthüllungen“ bereit – aus der Iphöfer NSA-Zentrale, die sie auf der Bühne eingerichtet hatten. Von dort aus konnten sie nicht nur Telefonate belauschen und Wohnungen ausspähen, sondern auch Twitter-Meldungen herausfischen, etwa die eines lächelnden Bürgermeisters Josef Mend. „Meine größten Stärken sind meine Bescheidenheit und mein verdammt gutes Aussehen.“ Was von den Politikersprüchen zu halten ist, berichtete Jürgen Popp alias Poppey vom Stadtgrabn: „Nicht das Erreichte zählt, das Erzählte reicht.“

Fernab des verminten Politikfeldes umschifften Willi Lutz als frühreifes Fritzla und Klaus Brehm als Männerversteher manch heikle Klippe. Und zwischen den Wellen erschienen immer wieder Attraktionen wie die kleinen Kröpferli: 14 blau-silbrig schimmernde Fischchen, die sich später zu Piraten wandelten und über die Bühne wirbelten. Später waren die etwas älteren tanzenden Vampire oder die unter Neonlicht so surreal wirkenden Blacklights voll in ihrem Element. Sie zeigten wieder mal, dass es der Stücht auch im 16. Jahr nicht an Aktivisten mangelt.