Seit etwa 20 Jahren steht Ludwig Eisen an der Spitze des Nenzenheimer Weinfestausschusses. Der Sportverein und der Weinbauverein veranstalten zusammen das erste Fest der Saison, auf das sich die Freunde des Weines und der Geselligkeit in jedem Jahr stürzen.

Ludwig Eisen kennt das zur Genüge. Heute Abend, wenn im Beisein zahlreicher Ehrengäste Eröffnung ist, geht es meist noch recht ruhig zu. Morgen Abend ist dann die Hölle los. Dann werden die Gäste in Bussen nach Nenzenheim gefahren und bis zu 3000 Menschen müssen bewirtet - und zuvor kontrolliert werden.

Denn Schlägereien waren vor wenigen Jahren in Nenzenheim an der Tagesordnung. Der Ruf der Veranstaltung verschlechterte sich zusehends. Das Jahr 2008 markiert den Wendepunkt: Im Landkreis Kitzingen erarbeiteten Jugendamt, Kreisjugendring, Polizei und Gemeinden ein Konzept, das sich Sicherheitspartnerschaft nennt. 2009 setzten die Veranstalter zum ersten Mal die vereinbarten Sicherheitsrichtlinien um.


Mehr Security als früher



Für das Nenzenheimer Weinfest bedeutete dies, dass das Sicherheitspersonal enorm aufgestockt wurde. Am Freitag kümmern sich zirka 15 Mitarbeiter des beauftragten Security Services aus Rothenburg o. d. Tauber um die Gäste. Am Samstag sind es bis zu 25 Personen. Mit der Rothenburger Firma arbeitet der Festausschuss schon seit einigen Jahren zusammen, die kennen also ihre Pappenheimer.

"Ja, auf die Sicherheit legen wir großen Wert", sagt er. "Seit wir das machen, ist es auf unserem Weinfest viel besser geworden." Zirka fünf bis sechs Wochen vor der Veranstaltung setzen sich Eisen und die Ausschussmitglieder mit der Polizei zusammen und besprechen das weitere Vorgehen.


Arbeitstreffen mit 60 Veranstaltern



Joachim Strittmatter ist der Beauftragte der Sicherheitspartnerschaft bei der Polizei Kitzingen. Er kümmert sich nicht nur um das Nenzenheimer Weinfest, sondern um alle derartigen Veranstaltungen. Inzwischen seien alle Gemeinden beigetreten, in denen es solche Feste gibt, sagt er. Die Saison wird entsprechend vorbereitet. An einem Arbeitstreffen beim Kreisjugendring nehmen etwa 60 Veranstalter teil.

Im Vorfeld der Weinfeste bekommt die Polizei die Genehmigungen durch die Gemeinden gezeigt. "Durch unsere Erfahrung wissen wir, welche Feste problematisch sind, welche es in der Vergangenheit waren und wo es noch nie Probleme gab", sagt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion.


Problem ist der Saisonstart



Ludwig Eisen und sein Team bewertet Strittmatter gut: "Nenzenheim läuft seit mehreren Jahren durch die Bemühungen der Veranstalter sehr gut." Die Problematik bei Nenzenheim sei, dass es das erste Fest der Saison ist und dass auswärtige Gäste "mit Bussen herangekarrt werden", wie er sich ausdrückt. Die Schlägereien oder Alkoholexzesse hätten in der Regel nichts mit Landkreisbürgern zu tun gehabt.

"Aus dem Ruder läuft eigentlich keine Veranstaltung mehr", zieht Strittmatter eine Bilanz nach vier Jahren Sicherheitspartnerschaft. Alle Veranstalter seien sehr kooperativ. Einziger Diskussionspunkt sei die Anzahl der teuren Security-Kräfte.


Groß und klein



Die Weinfeste im Landkreis sind unterschiedlich. Manche sind klein und beschaulich wie in Hüttenheim. Strittmatter: "Die hören im Vorfeld jahrelang nichts von uns." Volkach hingegen braucht jedes Jahr die besondere Aufmerksamkeit der Polizei, weil es mit rund 15.000 Besuchern so groß ist.

Langjähriger Partner von Eisens Team ist der Sanitätsdienst der Malteser aus Würzburg. Sie bauten gestern drei Zelte für 20 Helfer und einen Notarzt auf. Pressesprecherin Christina Gold bestätigt, dass in Nenzenheim kaum noch schwer betrunkene Minderjährige versorgt werden müssen wie in den vergangenen Jahren, und führt dies auf die Sicherheitspartnerschaft im Landkreis Kitzingen zurück. "Darüber sind wir sehr froh. Minderjährige von zwölf, 13 Jahren haben auf dem Weinfest nichts zu suchen", betont sie.