Der Dettelbacher  Alfons Glöggler ist schon seit über 30  Jahren als Bestatter tätig. In seiner Sparte gilt er als sehr erfahren. Was hinzukommt ist, dass er ehrenamtlich als Rettungsassistent aktiv im Sanitätsdienst des Roten Kreuz tätig ist.

Plötzliche gesundheitliche Ereignisse bei Anwesenden während Trauerfeiern hat er miterleben müssen und konnte dann im Rahmen der Ersten Hilfe eingreifen und Schlimmeres verhindern. Eigentlich bringt ihn nichts mehr aus der Ruhe. Als aber vor wenigen Wochen in Bayern der Katastrophenfall wegen einer unheimlichen Infektionswelle ausgerufen wurde, ist ihm bewusst geworden, dass auch er an die Grenzen seines Betriebablaufes kommen könnte. Zumindest dann, wenn man Verhältnisse wie in Italien bekommen würde.  

Bestatter als systemrelevanter Beruf

Geärgert hat ihn, dass bei Ausbruch der Corona-Welle niemand an die Bestatter gedacht beziehungsweise darüber gesprochen hat. Ein für die Gesellschaft wichtiger Berufszweig, findet Glöggler. "Unser Vorrat an hygienischer Schutzausrüstung wäre in kurzer Zeit aufgebraucht", fürchtete Alfons Glöggler anfangs. "Handschuhe, Masken und Kittel wären nicht mehr lieferbar. Und das nur, weil Bestatter nicht als systemrelevant galten, wie zum Beispiel das medizinische Personal."

Somit wurden die Beerdigungsinstitute nicht bevorrechtigt beliefert. "Aber ohne hygiessiche Schutzausrüstung dürften wir keinen infizierten Toten abtransportieren. Für manche Unternehmen eine Existenzbedrohung", erklärt Glöggler.

Mittlerweile hat sich das geändert. Seit gut einer Woche sind die Bestatter bei den systemrelevanten Berufen aufgeführt. "Schutzausrüstung gibt es vereinzelt wieder, aber zum Teil zum zehnfachen Preis des normalen. Engpässe gibt ist es dagegen jetzt bei den Särgen. Derzeit liegt die Lieferzeit bei vier Wochen.

Beerdigung in Rekordzeit

Hat ein Arzt bei seiner Leichenschau den Verdacht auf eine infektiöse Erkrankung, erfolgt die Einsargung nach ganz besonders strengen Regeln: Der Leiche wird ein mit Desinfektionsmittel getränkter Mund- und Nasenschutz aufgesetzt und der Körper mit einem desinfizierten Leinentuch eingewickelt. Anschließend kommt der Leichnam in einen luftdichten Body-Bag, eine Art Plastikfolie, die biologisch abbaubar ist. Erst dann wird der Verstorbene vorsichtig in den Sarg gelegt. Ein Wiederöffnen, zum Beispiel für eine Aufbahrung, ist verboten.

Gleichfalls strenge Regeln gibt es bei der Bestattung. "Maximal zehn bis 15 Trauergäste, nur Familienangehörige, sind erlaubt, aber keine Kirche vorher", erklärt der Bestatter. "Ich habe schon Pfarrer erlebt, die weitere Gäste aufforderten, den Friedhof zu verlassen." Die Trauerfeier dauert dann gut zehn Minuten - ein Rekordtempo. Für Ralf Michal, dem Vorsitzenden des Bayerischen Bestatterverbandes, ist das eine harte Entscheidung. Er sagt mit Blick auf die Hinterbliebenen: "Gehen wir davon aus, dass ein verstorbenes Familienmitglied schon Wochen vorher vielleicht im Krankenhaus war und nicht besucht werden durfte und jetzt so schnell und nur im kleinsten Kreis verabschiedet werden muss, ist das schon eine große Belastung."

Auf die katastophalen Zustände in Italien und Spanien angesprochen, als die Leichen mit Militärlastwagen abtransportiert wurden, erklärt Michal, dass er sich das für Deutschland nicht vorstellen könne. "Wir sind hier gut aufgestellt. Derzeit werden alle Beerdigungsinstitute zu ihren Kapazitäten wie Personal, Fahrzeuge und Sarglager abgefragt. Und ich kann zumindest dazu Entwarnung geben."