Auf ihren Namen konnte die Frau schon lange nichts mehr bestellen – im Laufe der Zeit hatten sich bei der Schufa einige unschöne Einträge angesammelt, ihr Name war verbrannt. Die 33-Jährige hinderte das allerdings nicht, im Internet weiter wie wild drauflos zu kaufen, ohne jemals eine Rechnung zu bezahlen. Ihr Trick: Sie gab fiktive Namen und Daten an.

Bestellt wurde quer Beet bei diversen Anbietern so ziemlich alles: Klamotten, Handy, Schuhe, Bücher, Haushaltswaren, Medikamente – die Liste der ergaunerten Dinge ist lang. Was vor allem für die Staatsanwältin eine Herausforderung ist, alleine das Verlesen der Anklageschrift bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Schöffengericht dauert 20 Minuten.

Unterm Strich ließ sich die Frau im Sommer und Herbst 2010 Waren im Wert von über 5500 Euro kommen. Bezahlung: völlige Fehlanzeige. Der Schaden hätte sogar noch um einiges höher sein können: Bei Bestellungen im Wert von gut 2600 Euro scheiterte die Auslieferung.

„Ich habe komplett die Kontrolle verloren.“

Die Angeklagte über den Zeitpunkt der Taten

Insgesamt kamen im Laufe der Zeit 50 Betrugsfälle sowie 25 Mal versuchter Betrug zusammen. Der absolute Bestellwahnsinn. Dazu gesellten sich Diebstahl und Urkundenfälschung. Was mit einer bösen Geschichte zusammenhängt, die die Frau ihrer Nachbarin antat.

Es war Anfang 2011, als die 33-Jährige im Briefkasten nebenan die neue und soeben per Post geschickte EC-Karte entdeckte, an sich nahm, um damit in diversen Geschäften zu bezahlen. Neun Mal setzte die Frau die Karte ein, der Schaden lag bei 470 Euro.

Damals herrschte im Leben der Frau Chaos. Sie selbst gibt an, „komplett die Kontrolle verloren“ zu haben. Die zweifache Mutter hatte Gewalt in der Ehe erleben müssen. Ein weiterer Tiefschlag: der Tod ihrer Schwester. Nach dem Ende der Ehe stand die Hartz-IV-Empfängerin mit 15 000 Euro Schulden da, eine Privatinsolvenz drohte.

In ihren schlimmen Phasen neigt die Frau zu Selbstverletzungen. Einigermaßen gut geht es ihr nur mit Medikamenten. Ein vom Gericht bestellter Gutachter bescheinigt der Frau eine Persönlichkeitsstörung. Ob eine Kaufsucht vorliegt oder die Bestellungen aus einem Leidensdruck heraus geschah, kann auch der Fachmann nicht abschließend sagen.

Klar ist nur: es liegt eine verminderte Schuldfähigkeit vor. Die Staatsanwältin würde die vorbestrafe Frau gerne im Gefängnis sehen: Zwei Jahre und drei Monate Haft lautet die Forderung. Der Verteidiger hofft auf eine Bewährungsstrafe in Verbindung mit mehreren Therapien.

Genau so kommt es dann auch: Das Gericht verhängt eine zweijährige Haftstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung. Um die Freiheit zu behalten, muss sie auch einiges leisten: Der Schaden muss so gut es geht wieder wieder gutgemacht werden. Zudem sollen eine sechsmonatige Therapie mit anschließender ambulanter Weiterbehandlung dazu beitragen, dass die 33-Jährige wieder ins normale Leben zurückfindet.