Vor Christi Himmelfahrt hat Hugo Löb seine 1,5 Hektar große Wiese am Rande des Wiesentheider Gewerbegebietes in der Korbacher Straße gemäht. Siliert steht das Gras den 90 Kühen des Reupelsdorfer Milchviehhalters als Futter zur Verfügung. Soweit - so gut.
Der Landwirt sagt aber, er habe stets ein ungutes Gefühl auf diesem Grundstück. Der Grund: Immer wieder wird Löbs Wiese als Hundeklo missbraucht. Mit Hundekot verunreinigtes Gras kann so genannte Neospora-Parasiten enthalten, die lange an den Gräsern haften bleiben. Werden die verunreinigten Halme von trächtigen Kühen mitgefressen, kann dies bei den Tieren zu Aborten und Totgeburten führen.
Hugo Löb fühlt sich machtlos. Viele Leute aus der Siedlung in der Alten Abtswinder Straße gleich hinter dem Wäldchen führten genau hier ihre Hunde Gassi, erzählt er. Sie verließen den Weg am Waldrand und überquerten die Wiese. "Die Leute machen sich aber keine Gedanken darüber, dass es sich bei dem Gras hier um Tierfutter handelt", sagt Löb. Er habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass er komisch angeschaut wird, wenn er das einem Hundehalter sagt. Deswegen lasse er es lieber bleiben.
Weil es vielen Bauern so geht, bietet der Bauernverband Hinweisschilder mit plakativen Texten und Motiven an. Wer möchte, kann für ein paar Euro darauf hinweisen, dass eine Wiese kein Hundeklo ist.
Der Geiselwinder Landwirt Hans Haubenreich hat dies getestet - und das Aufstellen von Schildern wieder sein lassen. "Auf Verständnis kann man nicht hoffen", sagt er frustriert. Haubenreich, der auch Gemeinderatsmitglied ist, hat immer wieder Appelle in das Mitteilungsblatt setzen lassen. Oftmals seien die uneinsichtigen Hundehalter gar nicht aus Geiselwind, sondern Urlauber, die kurz mal Station machten.
Auch Kreisobmann Alois Kraus setzt jedes Jahr zu Beginn der Vegetationsperiode einen Vermerk ins Gemeindeblatt. Das Problem sei, dass ein Bauer seine Flächen ständig kontrollieren müsste. "Die Verursacher sind eben nicht festzustellen", bedauert Kraus. "Ich kann mich nicht an jeden Acker und jede Wiese stellen." Der Schaden, der durch die Neospora-Parasiten entsteht, ist immens. Bringt eine Kuh kein Kalb mehr zur Welt, kann ihre Milchleistung gegen Null gehen. Bei vielen infizierten Kühen klappt das Befruchten nicht mehr. Kraus: "Was mache ich mit so einem Tier? Das kann ich doch nur noch zum Schlachter geben."
Auch die Kitzinger Gärtner ärgern sich über die ekelhaften Würste in ihren Kulturen. In den Feldern zwischen Storchwiesenstraße und Tannenbergstraße oder in der Nähe der Südbrücke sind beliebte Wege zum Gassigehen.

Buhmann Gärtner


Ein Gärtnermeister, der nicht genannt werden will, damit er sich nicht den Zorn der Hundehalter zuzieht, spricht von schlimmen Verhältnissen. "So etwas sollte nicht vorkommen. Wir haben für den Anbau ganz strenge Vorschriften zu beachten. Aber wenn wir was sagen, sind wir Gärtner der Buhmann", sagt der Gärtnermeister. Die Polizei müsste öfter kontrollieren, schließlich gebe es einen Leinenzwang für Hunde.
Das bestätigt Georg Schwarz, der Leiter des Kitzinger Ordnungsamtes: Wer sein Tier über die Gemüsekulturen rennen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, für die die Stadt ein Bußgeld verhängen kann. Aber so lange sich niemand etwas zu sagen traut, könne das Ordnungsamt nichts unternehmen. "Wir sind darauf angewiesen, dass Leute uns das melden", sagt Schwarz.
Für die Gärtner sei dies sicher schwierig, zumal sie auch auf einige Hundehalter als Kunden angewiesen seien, denkt Iris von Crailsheim vom Vorstand des Kitzinger Tierschutzvereins. Auf eine Anfrage hin nimmt sie folgendermaßen Stellung zu dem Thema: "Wir glauben, dass die Mehrzahl der Hundehalter sich vorstellen kann, dass es für die Gärtner widerlich und ärgerlich ist, immer wieder Hundekot in Gemüsefeldern vorzufinden." Von Crailsheim appelliert an die Vernunft aller Hundehalter, die bisher zu Ärger Anlass gegeben haben, doch bitte Kotbeutel mitzunehmen und ihre Hunde nicht in die Gemüseanlagen zu lassen.

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