Der Auslöser eines Streits auf dem Parkplatz eines Kitzinger Schnellrestaurants saß auf der Rücksitz eines Autos: Mitte Juli vergangenen Jahres fiel einer Frau der zurückgelassene Hund in dem Wagen auf. Es war ein warmer Nachmittag, weshalb sich die Frau Sorgen machte um das Tier. Deshalb marschierte sie schnurstracks in das Restaurant und ging mit der Frage von Tisch zu Tisch, wem das Auto mit dem Hund gehört.

Meinungen gehen auseinander

Was dann passierte – hier gehen die Meinungen auseinander. Der Hundebesitzer gibt sich ahnungslos und fragt sich, warum er auf der Anklagebank sitzt und warum er überhaupt einen Strafbefehl über 1250 Euro (50 Tagessätze zu je 25 Euro) bekommen hat: „Da will mir jemand was anhängen!“, so seine Vermutung.

Aus Sicht des 42-jährigen Leiharbeiters ist nichts passiert: Der Wagen habe im Schatten gestanden, das Fenster sei zur Hälfte offen gewesen und er habe mit einem Bekannten „nur kurz was gegessen“. Dann sei eine Frau auf ihn zugestürmt, habe ihn angezischt. Kurz darauf sei der Streit noch kurz auf dem Parkplatz weitergegangen – zwar inklusive Flucherei, sonst aber sei schlichtweg nichts gewesen.

Schreierei und Tumulte

Die Anklageschrift und die Aussage der Frau lesen sich indes ganz anders: Schon im Restaurant sei es zu Schreierei und Tumulten gekommen, der Hundebesitzer habe sich nicht im Griff gehabt. Als die Frau dann wieder auf den Parkplatz ging, um den eingesperrten Hund im Auto mit ihrem Tablet zu fotografieren, stürmte der 42-Jährige hinterher.

Wenig später war die Frau von oben bis unten – wahrscheinlich mit einem Softgetränk – übergossen, in ihrem Gesicht klebte Spuke, das Tablet war in Mitleidenschaft gezogen worden und sie hatte deftige Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen, wobei „Dumme Sau“ noch zu den netteren Vokabeln gehört haben sollen.

„Geschmarrie“ und „Humbug“ sei das, ereifert sich der Angeklagte und handelt sich die Ankündigung des Gerichts ein, dass beim nächsten Ausraster 150 Euro Strafe wegen ungebührlichen Verhaltens fällig werden. Wieder in verbal ruhigeren Fahrwassern nimmt der 42-Jährige für sich in Anspruch, „noch nie einen Menschen beleidigt“ zu haben. Um dann hinterherzuschieben: „Noch nicht mal meine Ex-Frau!“ Selbst in den 13 Ehejahren sei „kein böses Wort“ gefallen.

„Bellhund“ wieder abgegeben

Was das Tablet anbelangt: Das habe die Frau schlicht „fallen lassen“, damit habe er nichts zu tun. Einmal in Fahrt, wird auch gleich noch das Schicksal des Hundes geklärt: Den habe er längst wieder abgegeben, weil es sich um einen „Bellhund“ gehandelt habe.

Dass die Verhandlung an diesem Tag kein Ende findet, hängt mit dem Fehlen der Klägerin zusammen: Nachdem sie nicht auftaucht und der Angeklagte alles abstreitet, muss es einen Fortsetzungstermin geben. Bei der Gelegenheit soll auch eine Bedienung als Zeugin geladen werden, die laut dem Angeklagten alles mitbekommen habe und ihn entlasten könne. Auf seinen Kumpel, der ihn damals begleitete, will er jedoch verzichten und ist nicht bereit, dessen Identität bekannt zu geben.

Durchnässt

Eindeutig sind die Aussagen der beiden anwesenden Zeugen: Der damals zu Hilfe gerufene Polizist erinnert sich an eine Frau, die „am ganzen Körper durchnässt“ war.

Eine Besucherin des Restaurants beschreibt die Szene, die sich ihr damals bot, so: Die Frau sei von Tisch zu Tisch und habe „höflich gefragt“, wem des Auto mit dem Hund gehöre. Auch als die Männer unvermittelt eine „Schreierei angefangen“ hätten, sei die Frau „komplett ruhig geblieben“. „Dafür“, so die Zeugin, „habe ich sie bewundert“. Die Geschehnisse auf dem Parkplatz habe sie nicht mitbekommen, wohl aber habe sie die Frau nach dem Vorfall gesehen: „Von oben bis unten nass und kreidebleich“.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.