Kläranlagen sind nie das Lieblingsthema von Kommunalpolitikern. Denn der Bereich ist technisch äußerst komplex und meist folgen einer Diskussion darüber hohe Investitionen. So auch im Dettelbacher Stadtrat am Montagabend, wo zweiter Bürgermeister Herbert Holzapfel die städtische Kläranlage als „nicht funktionsfähig“ bezeichnete.

Bei einem Routinetermin in der Anlage stellte Holzapfel fest: die Situation dort sei „unzureichend“, es bestehe „sofortiger Handlungsbedarf“. Denn seiner Einschätzung nach ist einerseits der Trockensubstanzwert des Klärschlamms mit nur 18 Prozent viel zu niedrig, der Aufwand, den Klärschlamm zu trocknen zu hoch und es werden zu viele Hilfsmittel in der Anlage benötigt.

Bei der jüngst erfolgten Sanierung wurden seiner Meinung nach nicht alle Tatsachen auf den Tisch gelegt, eine Vorklärung des Abwassers ist dringend nötig und auch über die Schlammbehandlung müsse geredet werden.

In der anschließenden Diskussion im Rat wurde schnell klar: Die bisherige Situation der Kläranlage muss neu überdacht werden. Dazu ist ein qualifizierter Gutachter nötig, nach dem, so Bürgermeisterin Christine Konrad, bereits gesucht wird.

Reinigung mit der Hand entfällt

Gehandelt werden müsse laut Konrad alleine schon, weil die versprochene Schlammtrocknung nicht eingehalten werde. 35 Prozent Trockensubstanz war versprochen, gerade einmal 18 Prozent werden erreicht – und auch das nur mit hohem Aufwand.

Deshalb der erste Beschluss des Ratsgremiums: Die Anlage wird mit einer Filtertuchreinigung nachgerüstet. Die Kosten betragen 90 000 Euro. Damit entfällt die Reinigung per Hand, eine Arbeit, die, wie Holzapfel sagte, „nicht einmal Strafgefangenen“ zugemutet werden könne.

Nachgerüstet werden muss auch ein säureresistenter Platz zur Befüllung eines Tanks, wie ein TÜV-Gutachten ergab. Die Investitionen dafür liegen bei 35 000 Euro. Schon im Jahr 2014 beschlossen die Räte, das Prozessleitsystem der Anlage zu modernisieren. Jetzt lagen die Angebote mit Kosten von 30 000 Euro vor.

Größe der Anlage problematisch

Probleme sahen die Räte auch bei der Größe der Anlage: Sollten die bereits ausgewiesenen Gewerbegebiete sich schneller füllen als bislang angenommen, steht eine Erweiterung der Anlage ins Haus. Auch hier soll ein Gutachter Aussagen treffen.

Insgesamt zeigten sich die Ratsmitglieder mit den den Zuständen in der Kläranlage wenig zufrieden. Ob dies auch auf personelle Probleme im Rathaus zurückzuführen ist, wird in einer der nächsten Sitzungen – dann nichtöffentlich – beraten.