469 Tage später als ursprünglich geplant verabschiedeten der frühere Seinsheimer Bürgermeister Heinz Dorsch und seine Nachfolgerin Ruth Albrecht die nach der vergangenen Wahlperiode ausgeschiedenen Ratsmitglieder. Dorsch ließ zudem seine letzte Amtsperiode kurz Revue passieren.

Für ihren Amtsvorgänger Heinz Dorsch werde es eine eigene Veranstaltung geben, kündigte Ruth Albrecht bei der Verabschiedungsfeier in der Winzerstube Schilling an. Schließlich sei dieser 30 Jahre Bürgermeister gewesen. Sie sei nun über ein Jahr im Amt und bekannte: "Ich bewundere ihn von Tag zu Tag mehr."

Mit der Tochter am Ratstisch

Mit fünf Frauen am Ratstisch, darunter seine Tochter, war Heinz Dorsch in seine letzte Amtszeit gegangen. "Manchmal war es zwar, naja…", beschrieb er diesen Umstand in seiner ihm ureigenen humorvollen Art und Weise, um dann aber ehrlich zu bekräftigen: "Das war für uns eine Bereicherung." Zudem hatte der Seinsheimer Marktgemeinderat mit einer Frauenquote von 42 Prozent schon ein Alleinstellungsmerkmal. Beeindruckt zeigte er sich auch noch über ein Jahr später davon, dass hier so viele Frauen bereit seien, sich in ein solches Amt wählen zu lassen.

Sparen sei immer angesagt gewesen. Dennoch habe man mit wenig Aufwand viel erreicht. Dorsch erinnerte an die Kinderkrippe. "Brauchen wir das?" habe es geheißen. Als die Krippe dann gebaut worden sei, habe man fast schon ein schlechtes Gewissen haben müssen. Mit Blick auf den heutigen großen Bedarf stellte Dorsch fest: "Es war die richtige Entscheidung."

Viele weitere Projekte zählte Dorsch auf. Darunter war das Amtshaus, die Weingartenstraße, das Backhäuschen in Wässerndorf, der Friedhof und der Kirchturm in Tiefenstockheim, die Sanierung der Weinparadiesscheune, das heutige "Schmuckstück" Marktgade oder der Bau der Gemeinschaftshalle. Zu letzteren merkte er an, dass es immer schwieriger werde, wegen der Vielzahl der Vorschriften etwas zu verwirklichen. "Ich bin froh, damit nichts mehr zu tun zu haben", bekannte er ganz offen.

"Wir haben gut miteinander geschafft", bilanzierte Dorsch. Und er wiederholte, was er immer wieder betont hatte: Man dürfe sich richtig streiten, aber beim Hinausgehen müsse man sich wieder in die Augen schauen können.

Verantwortung für die Kläranlage

Offiziell verabschiedet wurde auch Klaus Hörlin, der 27 Jahre und zwei Monate für die Gemeinde gearbeitet hatte und dies auch jetzt noch tut, aber als Marktgemeinderat. Hörlin habe die Verantwortung für die Kläranlage übernommen. Keiner kenne die Anlage besser als er, meinte Dorsch. Auch sei Hörlin immer da gewesen, wenn er gebraucht worden sei.

Nach zwölfjähriger Zugehörigkeit zum Marktgemeinderat Seinsheim wurden Ingrid Sußner (Iffigheim, Ortseilbeauftragte, Mitglied im Rechnungsprüfungsausschusses), Ottmar Neuser (Seinsheim, Waldreferent) und Thomas Kistner (Tiefenstockheim) verabschiedet.

Im Juli 2017 war Ferdinand Scheller (Tiefenstockheim, Waldreferent) für Wolfgang Heilmann nachgerückt. Scheller war bereits von 1984 bis 1990 Ratsmitglied. Ob er 1990 wegen ihm "abgehauen" sei, wollte Dorsch, dessen Amtsantritt 1990 war, von Scheller wissen, doch der entgegnete nur verschmitzt: "Ich sag nix." Engelbert Uhl (Seinsheim) saß von 1990 bis 2002 schon einmal am Ratstisch. Als Manuela Dorsch ausschied, rückte er 2018 nach.

Uhl hatte damals einen gravierten Teller erhalten, die weiteren Jahre sollten auch eingraviert werden. Doch mit dem Amtswechsel war der Teller plötzlich verschwunden und Heinz Dorsch und Ruth Albrecht starteten eine fieberhafte Suche. Mit glücklichem Ende: Die Ehefrau von Heinz Dorsch fand ihn und ihr Mann konnte den Teller überreichen.