Martin Hoffritz war als Unternehmer in Kitzingen erfolgreich. Als der heute 85-Jährige vor 20 Jahren in den Ruhestand ging, verlegte er seine Tätigkeit auf Börsengeschäfte. Auch erfolgreich. Mit einem Teil seiner "Börsenergebnisse", wie er es bescheiden formuliert, legte er 2014 den Grundstock für die Martin Hoffritz Stiftung. Die soll jetzt nicht nur auf den Bereich des Evangelischen Dekanats Kitzingen beschränkt bleiben, sondern bald den ganzen Landkreis abdecken.

"Die Jugend muss gefördert werden."
Stifter und Unternehmer Martin Hoffritz

Martin Hoffritz, früher selbstständiger Haustechnik- und Elektrohandelsunternehmer, der seinen Betrieb in Kitzingen 1960 gegründet hatte, hatte schon immer ein Herz für die Jugendarbeit und Familien mit vielen Kindern. "Ich sehe die Freude, die Familien mit ihren Kindern haben, ich sehe aber auch die Aufgaben, die dahinterstehen", erläutert Martin Hoffritz im Gespräch mit dieser Redaktion.

Der 85-Jährige war früher beim Verband Christlicher Pfadfinder. "Die Jugendarbeit hat mir sehr geholfen nach dem Krieg", erzählt er. Darauf gründet sein christliches Engagement und das für die Jugendarbeit. "Die Jugend muss gefördert werden", betont er.  

Wertpapierpaket als Grundstock

Da kam ihm die Idee einer Stiftung. Denn eine solche ist eine ideale Möglichkeit, privates Vermögen auf Dauer, nachhaltig und den persönlichen Vorstellungen entsprechend für einen guten Zweck einzusetzen. "Mein Vorbild war dabei der Würzburger Hermann Kupsch", verrät Hoffritz. Dieser war nicht nur an der Spitze einer Filialkette gestanden, sondern hatte sich stark für den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) engagiert und war Hauptinitiator einer Förderstiftung gewesen.

So einfach ist das aber gar nicht mit Stiftungen. Hoffritz hat sich für eine kirchliche Stiftung entschieden. Die Stiftungsaufsicht wird in diesem Fall vom Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern über die Landeskirchenstelle in Ansbach ausgeübt. Dort hat man Hoffritz weitergeholfen. "Alleine hätte ich das nicht geschafft; bei so einem Projekt braucht man jemanden, der hilft."

Geld als Grundstock, das wollte Hoffritz nicht. Er setzte vor sechs Jahren durch, dass das Grundstockvermögen ein Wertpapierpaket war. Wert damals: 373 000 Euro. Dieser ist mittlerweile deutlich gestiegen.

Hoffritz hofft auf Nachahmer

Aus den Zinsen und Dividenden werden Kinder und Jugendliche unterstützt, die bedürftig, unschuldig in Not geraten oder deren Eltern alleinerziehend sind, und die aus kinderreichen Familien stammen. Aber auch kirchengemeindliche und diakonische Einrichtungen können gefördert werden, die ihrerseits bedürftige Personen betreuen. Unterstützung gibt es für die kirchliche Jugendarbeit im Sinne einer nachhaltigen missionarischen Jugendarbeit. Das Konfispiel, das in Mainbernheim stattfindet, werde so gefördert, nennt die Stiftungsvorsitzende, Kitzingens Dekanin Kerstin Baderschneider, ein Beispiel.

Kirchengemeindliche und diakonische Einrichtungen können Anträge auf Zuwendung beim Dekanat stellen. Einzelpersonen können sich an ihre Kirchengemeinde oder Einrichtung (zum Beispiel Kindergarten oder Beratungsstelle) wenden, die dann, wenn sie die Bitte um Unterstützung befürwortet, sich ihrerseits an die Martin Hoffritz Stiftung wendet. Der Stiftungsvorstand entscheidet über die Vergabe. Diesem gehören an die Vorsitzende Kerstin Baderschneider, der stellvertretende Vorsitzende Martin Hoffritz, Pfarrer Helmut Oppelt (vom Kirchenkapitel), Hartmut Stiller (vom Kirchenvorstand) sowie Anton Baum und Petra Hösch (Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit KASA).

"Es dürfen sich ruhig mehr Familien melden."
Stifter Martin Hoffritz hat ein Herz für Kinder 

Die Stiftung tue bereits viel Gutes, doch sie könne noch mehr tun, meint Kerstin Baderschneider. "Geld ist ja da", ergänzt Martin Hoffritz. "Es dürfen sich ruhig mehr Familien melden." Da dies alles sehr niederschwellig ablaufe, brauche niemand Angst haben, seine Bedürftigkeit zu offenbaren. Um mehr Menschen zu erreichen, will man den Bereich der Stiftung auf den Landkreis ausdehnen. Im Herbst soll dazu die Satzung geändert werden.

Dekanin Kerstin Baderschneider ist Martin Hoffritz dankbar für seinen Einsatz für Bedürftige. Der denkt mittlerweile über eine Namensänderung der Stiftung nach, denn: "Ich habe das nicht gemacht, damit mein Name im Vordergrund steht." Bekannter werden soll die Stiftung. Wobei Hoffritz auch hofft, dass es Nachahmer gibt, die auch diese Form einer Stiftung wählen, um anderen helfen zu können.

Bayerns Stiftungen

Eine Stiftung wird als eine Einrichtung definiert, die mit Hilfe eines Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt. In Bayern beträgt die Zahl der rechtsfähigen Stiftungen um die 4000 – ohne die kirchlichen Stiftungen. Vom Innenministerium in Bayern gibt es einen 27-seitigen Leitfaden für die Errichtung von Stiftungen, denn die haben in Bayern lange Tradition. Die älteste noch heute bestehende Stiftung in Bayern entstand demnach bereits im 10. Jahrhundert.
Die Regierung von Unterfranken hat im Jahr 2019 insgesamt 28 neue Stiftungen als rechtsfähig anerkannt, nach 20 neuen Stiftungen im Jahre 2018. Damit gab es Ende des Jahres 2019 492 Stiftungen in Unterfranken, ohne kirchliche Stiftungen. Die Zwecke der neuen Stiftungen waren bunt gemischt. Sie reichten von der Förderung von Musikern und Stipendien für Künstler über den Tier-, Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz bis hin zur Förderung des Denkmalschutzes.
Ein Verzeichnis aller rechtsfähigen Stiftungen mit Sitz in Bayern kann jeder im Internet unter www.stiftungen.bayern.de einsehen. Dieses führt für den Landkreis Kitzingen 37 Stiftungen auf – von der Armin-Knab-Stiftung Kitzingen über die Bürgerspitalstiftungen, Hospitalstiftungen und Genossenschaftsstiftungen in verschiedenen Orten bis hin zur Stiftung Kulturzentrum Fasching-Fastnacht-Karneval. Ein Register von Stiftungen, darunter auch die kirchlichen, führt der Bundesverband deutscher Stiftungen, das im Internet unter www.stiftungen.org einsehbar ist. Bei den evangelischen Kirchenstiftungen findet sich auch die Martin Hoffritz Stiftung.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Regierung von Unterfranken, Wikipedia