1486 – Botticelli malt in Florenz seine „Geburt der Venus“, in Tirol wird der erste Guldengroschen geprägt – und in Mainbernheim ein Haus gebaut, das heute noch steht: In der Herrnstraße 23 befindet sich eines der ältesten Anwesen der Stadt, das heute noch bewohnt ist und aufgrund seines maroden Zustands nun ein Schnäppchen ist. Am Dienstag, 13. Januar, wird das Mehrfamilienhaus zwangsversteigert. Verkehrswert: ein Euro.

Der Verkehrswert des Anwesens, dessen Gläubiger die VR-Bank Kitzingen ist, ist ein symbolischer Preis, zu dem sich noch eine hohe vierstellige Summe an bislang angefallenen Verwaltungskosten gesellt (siehe weiteren Bericht). Es ist bereits der zweite Termin, da das „Schnäppchen“ wohl einen ganzen Rattenschwanz an Kosten nach sich ziehen wird: Das Haus ist zwar bewohnt, befindet sich aber in einem schlechten Zustand. Und es handelt sich um ein bedeutendes Einzeldenkmal, was eine bauliche Sanierung entsprechend teuer machen würde.

Die 62-jährige Eigentümerin hatte vor wenigen Jahren bereits die Reißleine gezogen. Sie ist alleinstehend, die Kinder hätten an dem Gebäude kein Interesse und alleine könne sie die Sanierungsmaßnahmen nicht stemmen. Zwar könne sie mit stetigem „Löcher stopfen“ wahrscheinlich bis ans Ende ihrer Tage das Haus bewohnen. Jedoch will sie das Anwesen, das bereits ihr Großvater zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem Sanierungsnachholbedarf von rund 150 Jahren übernommen habe, nicht noch weiter verkommen lassen.

Das Haus mit seinem Nebengebäude aus dem 17. Jahrhundert wurde im Laufe der Jahre vielfältig genutzt. Die bekannteste: 1863 kam Johann Friedrich Schmidt, Lebküchner aus Nürnberg, nach Mainbernheim. Er fing an, in der Herrnstraße 23 Brot und Brötchen zu backen. Als Spezialitäten hatte er seine Lebkuchen. Den Bär, das Wappentier von Mainbernheim, nahm die spätere Firma Bären-Schmidt dann in ihr Wappen, woher auch der Name des Unternehmens stammt.

Bis Ende 2009 gab es Bären-Schmidt, dann übernahm die Haribo-Gruppe endgültig die Produktion und seither kommen keine Lebkuchen mehr aus Mainbernheim.

„Hätten wir sämtliche Auflagen, die uns dort gemacht wurden, erfüllt, wären die Kosten bei weit über einer Million gelegen.“
Wolfgang Poser, einstiger Interessent für das Haus

Das Unternehmen wurde 1900 auf das heutige Gelände in der Gebrüder-Schmidt-Straße direkt am Bahnhof verlegt. Wolfgang Poser, bis Ende 2009 Geschäftsführer von Bären-Schmidt, hatte Ende der 1990er-Jahre die Idee, in das Haus ein Museum mit kleinem Laden zu integrieren und konnte sogar mit dem einstigen Haribo-Chef Hans Riegel einen potenziellen Investor für die Idee begeistern. Mit einem Architekten wurde eine Bestandsaufnahme der Schäden am und um das Gebäude gemacht und es wurde mit der Denkmalschutzbehörde in Bamberg über zu erwartende Maßnahmen gesprochen. „Hätten wir sämtliche Auflagen, die uns dort gemacht wurden, erfüllt, wären die Kosten bei weit über einer Million gelegen“, so Poser. Zu viel Geld für ein mittelständisches Unternehmen, das sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren muss. Damit war das Thema vom Tisch – und eine Chance vertan.

Doch nicht nur Lebkuchen wurden in der Herrnstraße 23 gebacken. Nach dem Wegzug von Bären-Schmidt war dort eine Fahrradhandlung, die Wäscherei Meyer, die Schreinerei Orf und ein Kino. „Das war in den 1930er-Jahren. Der Besitzer hatte ein kleines grünes Auto und war in Mainbernheim nur als der Laubfrosch bekannt“, weiß Stadtarchivar Kurt Kraus zu berichten.

Was sagt die Stadt Mainbernheim? Nicht zuletzt hat sie neben dem Wunsch nach Erhalt historischer Bausubstanz auch eine Verkehrssicherheitspflicht für die Liegenschaften in der Altstadt, teilt Bürgermeister Peter Kraus auf Anfrage mit. Da man sich gerade der Neugestaltung der ebenfalls denkmalgeschützten Anwesen Schulgasse 5 und 7 annehme, könne man ein weiteres Großprojekt dieser Art finanziell einfach nicht stemmen. Daher teile man mit der Eigentümerin die Hoffnung, dass sich ein Käufer findet, der das Haus nicht nur einigermaßen in Schuss bringen, sondern vielleicht sogar komplett neu aufwerten möchte.

Und wie von beiden Seiten zu erfahren war, gibt es sogar zwei Interessenten für das Haus beim Vierröhrenbrunnen, das mit seinem markanten Fachwerk und dem großen hölzernen Tor eines der Wahrzeichen Mainbernheims ist. Ob einer der beiden am Dienstag den Zuschlag erhält, ob sich noch weitere Liebhaber finden oder ob es wieder zu keiner Einigung kommt? Wir werden sehen.