Am Sonntag, 3. Juli, lädt Mönchsondheim von 10 bis 18 Uhr wieder zum Kirchenburgfest. Dabei führen Handwerker ihre Kunstfertigkeit vor und vermitteln anschaulich ihr Wissen um alte Handwerksberufe wie Schmied, Strohnapfflechter oder Steinmetz. Es wird geklöppelt, gestrickt und gesponnen, wie es in der Ankündigung heißt.

Eine der Hauptattraktionen für Kinder ist der Kükenschlupf im Stall des historischen Gasthauses. Akteure einer Mittelaltergruppe präsentieren das Leben um 1350 und zeigen, wie und was gegessen wurde oder welche Kleidung man damals trug.

„Gschichtli“ und „Märli“

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist die „Spinnstube“, die zum ersten Mal dabei ist. Bis zum Zweiten Weltkrieg war eine solche Stube in vielen Dörfern üblich. An langen Winterabenden kamen befreundete Familien zusammen, die Frauen hatten ihr Spinnrad dabei oder strickten.

Soweit Männer daran teilnahmen, waren diese für die Unterhaltung und für „Gschichtli“ und „Märli“ (Märchen) zuständig. Zu einer Zeit, als es noch weder Radio noch Fernseher gab, waren diese Abende sehr beliebt, zumal man Brennmaterial und Stromkosten sparen konnte. Wenn am Kirchenburgfest eine solche Spinnstube mit zwei Spinnrädern und einer Geschichtenerzählerin im Kleinbauernanwesen Hahn besucht werden kann, dann gehe es besonders authentisch zu, wie es im Presseschreiben heißt. Denn der 1907 geborene und dort aufgewachsene Hermann Hahn hat vor 50 Jahren seine Erinnerungen an einen solchen Abend sehr anschaulich niedergeschrieben.

Geschichte vom alten Spinnrad

Hier Auszüge aus seiner Geschichte „Das alte Spinnrad“: „Es sind die Jahre noch vor dem ersten Weltkrieg. Die Winter waren damals noch hart, kalt und schneereich. Ich kam vom Schlittenfahren heim. Weil der Schnee hoch lag und ich oft vom Schlitten in den Schnee gefallen bin, waren meine Strümpfe nass. In der alten guten Bauernstube war es warm, alles saß um den alten eisernen Ofen herum und genoss die Wärme. Die Fenster waren bis oben hin mit Eisblumen bedeckt.

Am Ofen saß meine Großmutter am Spinnrad und spann. Ich zog meine nassen Strümpfe aus und hängte sie auf die Trockenstange, die rings um den Ofen befestigt war. Großmutter sang dabei ein altes Gesangbuchlied und ich setzte mich zu ihren Füßen und die Katze zu mir. Da war eine Wärme und eine Geborgenheit, mein unbewusster Wunsch war, dass es immer so bliebe. Ganz besonders lustig und für mich interessant waren die „Dorfabende“, wenn sie bei uns stattfanden.

Das war nämlich so, dass sich an den Winterabenden die Frauen und Mädchen aus vielen Bauernhäusern woanders trafen und spannen, sangen und wunderliche Geschichten erzählten. An diesem Abend durfte ich dann auch aufbleiben, worauf ich mich besonders freute. Die Stube war voll von Frauen, die alle ihre Spinnräder mitgebracht hatten. Da wurde manches „Garn“ gesponnen, das nicht aus den Spinnrädern kam.

Das allerschönste aber war: Um 10 Uhr gab's Kaffee, Gugelhupf mit Gelee drauf. So eine Verschwendung gab's nur an den Dorfabenden. Damals wurde ja noch fast alles selbst erzeugt, was aus Wolle war. Abgesehen von den Strümpfen, alle Handschuhe, Staucher, Westen, Pullover, Halstücher, Schals und ich kann mir nicht denken, dass ich im Winter je etwas anders auf dem Kopfe hatte, als eine gestrickte Pudelmütze. Die konnte man über die Ohren ziehen, wenn der Schneewind blies.

Apfelduft und Behaglichkeit

Ja so ein altes Spinnrad war wie eine Werkstatt in der Stube, aus der alles kam, was die Menschen damals brauchten. Über dem Tisch hing die Petroleumlampe und spendete ein warmes Licht. Es roch zwar immer etwas nach Petroleum, aber wem machte das schon etwas aus. Das Spinnrad summte und eine warme Behaglichkeit zog durch die alte Stube. In der Ofenröhre brieten die Äpfel und es roch so gut davon. Frühzeitig ging man schlafen, Großmutter las noch den Abendsegen, stellte das Spinnrad in die Ecke und blies die Lampe aus.“