Die SPD und die Jugend, in Schweinfurt ist das völlig normal. In Schonungen regiert seit 2012 mit Stefan Rottmann Deutschlands damals jüngster hauptamtlicher Bürgermeister, im Februar 2013 trat SPD-Landrat Florian Töpper mit Anfang 30 sein Amt an. Dass man nun mit Markus Hümpfer einen 25-Jährigen zum Direktkandidat der SPD für den Bundestagswahlkreis Schweinfurt/Kitzingen nominierte, ist aus Sicht der Sozialdemokraten also wenig verwunderlich.

Respekt vor Martin Schulz

Jung zu sein, ist kein Wert an sich. Jung, kompetent und zugänglich schon. Markus Hümpfer macht diesen Eindruck. Er ist kein Dampfplauderer, kein Lautsprecher. Er wägt seine Worte, große Gesten, um sich in den Vordergrund zu drängen, liegen ihm fern. Im Mai kam SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum bayerischen Landesparteitag nach Schweinfurt, ein Pflichttermin, natürlich. Es war eine Woche nach der für die SPD bitteren Niederlage von Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen, die rote Seele wollte Aufmunterung, Schulz lieferte sie. Markus Hümpfer sog diese auf, doch die teils exaltierte Begeisterung um ihn herum war ihm fremd. Bis Schulz das Thema soziale Gerechtigkeit ansprach. „Soziale Wohltaten stehen dem Bürger zu“, sagte er, nicht der Staat entscheide „gottgleich“, sondern die Bürger als Steuerzahler hätten ein Recht darauf, dass man ihnen hilft, wenn es nötig sei.

Markus Hümpfer im Interview

Kostenfreie Bildung für alle

Da war es, das Herzensthema Gerechtigkeit, das auch Hümpfers Herz erwärmt. Wenn man seine Reden bei Veranstaltungen oft gehört hat oder ihn im Gespräch mit Bürgern beobachtet, kristallisieren sich drei Themen heraus, die ihm besonders wichtig sind: Bildungsgerechtigkeit – nach seiner Ausbildung bei ZF Sachs machte er auf dem zweiten Bildungsweg Abitur und studiert jetzt an der FH Wirtschaftsingenieurwesen. Sichere Renten und faire Arbeitsverhältnisse.

Die CSU war schnell aus dem Spiel

Warum er sich gerade dafür mit Verve einsetzt, erklärt seine Biografie. Die hat der Schonunger seit er zwölf ist und der Feuerwehr in Forst beitrat, mit gesellschaftlichem Engagement gefüllt. Und mit Leidenschaft für die IG Metall. Während seiner Ausbildung ließ er sich für Gewerkschaftsarbeit begeistern, wurde Jugendvertreter, kam so auch zur Politik. „Wir kämpften um die unbefristete Übernahme der Azubis“, erinnert sich Hümpfer, „und natürlich ist die Gewerkschaft gesellschaftlich wichtig, aber wenn man wirklich was verändern will, muss man sich politisch engagieren.

“ Also tat er, was er immer tut: Er informierte sich ausführlich, welche Partei für ihn in Frage kommt. Als 18-Jähriger, wohlgemerkt. „Die CSU ist sofort raus gefallen“, erzählt er mit einem Schmunzeln, „dann war mir die SPD näher als die Linken.“

Mit 23 im Gemeinderat

Und so war der Weg vorgezeichnet, auch wegen einer anderen Eigenschaft, die Hümpfer auszeichnet: Engagement. Mit 20 wurde er Vorsitzender der Schonunger SPD, mit 23 Gemeinderat. Als Schonunger Jugendbeauftragter machte er als Mit-Organisator der Demonstrationen gegen die später zurück genommenen Schließungs-Pläne der Rathenau-Schulen in Schweinfurt und der Schonunger Realschule zum ersten Mal so richtig auf sich aufmerksam.

Feuertaufe bestanden

Der Schweinfurter SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Hofmann, selbst Direktkandidat bei der letzten Bundestagswahl, hält Hümpfer für fleißig und ehrgeizig, „ein großes politisches Talent.“ Diese Meinung teilt man im Bezirk, der Listenplatz 31 auf der Bayern-Liste der SPD würde zwar nur bei einer wieder auflebenden Schulz-Euphorie für ein Bundestagsmandat reichen, für einen Neuling in dem Geschäft ist er aber gut. Vertrauen hat auch die regionale Parteibasis.

Dienstagabend in Geldersheim, SPD-Stammtisch, ein Klassiker unter den 200 Wahlveranstaltungen, die Hümpfer absolviert. Und eine Nagelprobe, die Mitglieder halten mit Kritik nicht hinter dem Berg, Sorgen wegen der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin werden ohne Manschetten angesprochen. Hümpfer ist gefordert, muss argumentieren. Nach zwei intensiven Stunden verdient er sich das Lob des Vorsitzenden: „Du hast deine Feuertaufe bestanden.“

Einführung einer Reichensteuer

Das freut und bestärkt Hümpfer, der die Kandidatur erst nach vielen Gesprächen mit Eltern, Freundin und seinem Umfeld angenommen hatte. Sie alle stehen hinter ihm, gerade in der intensiven Endphase des Wahlkampfs, wo es vor Terminen nur so wimmelt. Die SPD hat für jeden Direktkandidaten ein DIN-A4-Blatt zur Vorstellung gestaltet, darunter die wichtigsten Thesen. Was er täte, wenn er König von Deutschland wäre, wird Hümpfer da gefragt: „Einführung einer Reichensteuer!“ Populismus? Nein, ehrliche Überzeugung.

Zur Person

Markus Hümpfer

Jahrgang 1992, Wohnort: Schonungen, liiert, Beruf: Student Wirtschaftsingenieurswesen (FH Würzburg/Schweinfurt)

Nach der Mittleren Reife Ausbildung ab 2008 zum Industriemechaniker bei ZF Sachs, Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg 2014 an der BOS Schweinfurt.

Seit 2012 Vorsitzender der SPD Schonungen, seit 2014 Gemeinderat.