Kräuter, die in Gin zu finden sind, Füße für Flugzeugsitze oder Sitzpolster für den Audi A8: Im Alltag begegnen uns oft Dinge, die aus dem Landkreis Kitzingen stammen – ohne, dass wir es wissen. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt.

Im Automobil

Wer in sein Auto einsteigt, wird möglicherweise unbewusst schon einige Komponenten von Fehrer Automotive aus Kitzingen im Fahrzeuginneren wahrgenommen haben. Denn was viele nicht wissen: Sitzpolster, Armlehnen, Seiten- und Verkleidungsteile in über 60 Prozent der Fahrzeugmodelle deutscher Automobilkonzerne stammen laut dem Zulieferer aus Kitzingen. So liefert Fehrer von dort aus zum Beispiel Sitzpolster für das BMW 2er Cabrio, den Audi A8 oder für die Luxusmarken Lamborghini, Bentley oder Rolls Royce; aus dem Werk in Großlangheim kommen zum Beispiel ein Leichtbaudach für den Smart Fortwo oder ein Ladeboden für den Audi A3.

Als Verpackung

Tritt eine Ware ihre Reise in die Welt an, muss sie gut geschützt sein. Ein gängiges Mittel der Wahl: Kartons aus Wellpappe. Die Reka Wellpappenwerke stellen in Kitzingen Wellpappe in unterschiedlichen Ausführungen her – vom einfachen "Pappkarton" bis zu aufwändig gestanzten und gefalteten Verpackungslösungen. Damit werden Produkte aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, chemische Produkte, Metallteile, solche aus Gummi und Kunststoff genauso wie Elektroprodukte verpackt und transportiert. Auch wissenswert: Mit einer Jahresproduktion Wellpappe kann Reka locker eine Fläche von gut elftausend Fußballfeldern auslegen.

In der Fahrzeugelektronik

Beleuchtung, Audioanlage und Fensterheber gehören zu den offensichtlich elektrischen Funktionen im Auto. Funktionen wie Bremsassistenten oder Massagefunktionen im Sitz sind für den Fahrer jedoch unsichtbar. Einen sicheren Energie- und Datenfluss für all das stellt das sogenannte Bordnetz-System sicher, das sich über das ganze Auto erstreckt. Ein Hersteller solcher Systeme, die bis zu 4000 Meter Kabel umfassen, ist der Automobilzulieferer Leoni, dessen Bordnetz-Zentrale in Kitzingen ansässig ist. Leoni versorgt zahlreiche Auto- und Nutzfahrzeughersteller weltweit. 

Auf der Skihütte

Nicht nur in örtliche Bäckereien liefert das Markt Einersheimer Unternehmen Fritsch seine Bäcker-Maschinen aus, sondern weltweit. Eine von ihnen hat den Weg bis ins Zillertal geschafft: Die Teigausrollmaschine Rollfix 300 wurde in die 2015 neu erbaute Lärchwald-Hütte in Mayrhofen verfrachtet. Der Transport erwies sich als schwierig: Das Installations-Team von Fritsch brachte die Maschine zuerst in einem Transporter zum Fuße des Berges. Schwieriges Gelände und Schnee auf der Piste sorgten dafür, dass es auf den letzten Metern nur mit einer Pistenraupe nach oben ging. Das Team überlegte nicht lange und lud die Maschine kurzerhand auf einen Holzverschlag, womit sie sicher nach oben gebracht werden konnte.

In Gebäuden

Der Baustoff Gips fällt nicht unbedingt gleich jedem auf, findet aber fast in jedem Gebäude Verwendung: Als Gipsputz, in Form von Gipsplatten an Wänden und Decken oder in Böden als Fließestrich oder Fertigteilestrich. Der Gips der Firma Knauf aus Iphofen sorgt im Kulturspeicher Würzburg – darin ist ein Wandtemperiersystem eingebettet – seit 2002 für ein konstantes und behagliches Innenraumklima. Alle massiven Wände sind damit verputzt. Was auch die Wenigsten wissen: Die "weiße Haut" der Elbphilharmonie in Hamburg stammt ebenfalls von Knauf – allerdings nicht aus Iphofen. 

In der Landwirtschaft

Saatzüchter auf der ganzen Welt setzen die Körnerzählgeräte der Firma Pfeuffer aus Kitzingen für Getreide, Gemüse, Gräser und Blumen ein. Eine besondere Verbindung besteht nach Norwegen: Nach Angaben des Unternehmens arbeiten viele der Länder, die sich am weltweiten Saatgut-Tresor "Global Seed Vault" beteiligen, mit dem Körnerzählgerät Contador aus Kitzingen. Der Tresor in Norwegen ist der größte von weltweit 1400 Aufbewahrungsanlagen für Saatgut, in dem Saaten wie Reis, Weizen, Gersten, Sojabohnen, Mais und vieles mehr gelagert werden. Mithilfe dreier Aufsatzbehälter können unterschiedliche Saaten gezählt werden.

Auf Parkplätzen

Elektromobilität klingt für viele noch wie ein Zukunftsthema. Dennoch findet man des Öfteren schon Ladestationen für Elektroautos. In Unterfranken stammen viele davon von der in Kitzingen ansässigen Firma chargeIT mobilty. An den Ladestationen kann jeder E-Auto-Fahrer Strom tanken, wenn es die jeweilige Konfiguration der Ladestation zulässt, bevorzugt aus regenerativen Energien. Zu einer Ladestation gehören neben der Hardware auch die Software, etwa für die Abrechnung der Ladevorgänge, und die Dienstleistungen, wie zum Beispiel die Unterstützung von Nutzern, die Fragen zum oder Schwierigkeiten beim Laden vor Ort haben.

In Spirituosen

Die Firma Kräuter Mix aus Abtswind beliefert Spirituosenhersteller mit ihren getrockneten Kräutern. So kommt beispielsweise die für den Geschmack von Gin typische Zutat, Wacholderbeere, je nach Hersteller aus dem Landkreis Kitzingen. Neben Wacholderbeeren kommen mitunter über 40 weitere natürliche Inhaltsstoffe mit in das Getränk – je nach Rezeptur und Vorliebe des Herstellers. Aus 650 unterschiedlichen Rohstoffen – von Anis bis Zwiebel – produziert das in Abtswind ansässige Unternehmen insgesamt 3500 Produkte, rund 25 000 Tonnen jedes Jahr. Auf der Verpackung taucht der Name Kräuter Mix nicht auf.

In elektronischen Geräten

Auf der Leiterplatte eines elektronischen Gerätes stecken oftmals hunderte oder tausende kleine Komponenten, die mit Hilfe von Bestückungsautomaten auf eine Platine aufgebracht werden. Damit der Automat die Bauteile immer in der exakt gleichen Lage zu einer genau definierten Position erhält, bedarf es eines Blistergurtes. Die Firma Erich Rothe aus Kitzingen stellt solche Blistergurte her und verkauft diese an Hersteller elektronischer Komponenten. Diese Komponenten werden durch den Blistergurt während des Transportes geschützt und lassen sich vollautomatisch weiterverarbeiten, bis sie am Ende beispielsweise in einem Fernseher oder Smartphone landen.

Im Flugzeug

Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt, ist unbewusst womöglich schon einem Produkt aus Kitzingen begegnet, ohne es zu wissen – nämlich im Flugzeuginnenraum. Für Flugzeugsitze in der Economy-Klasse namhafter Airlines weltweit liefert die Kitzinger Firma Franken Guss Sitzfüße aus Aluminiumdruckguss. Die Bauteile müssen nicht nur den hohen Anforderungen der Luftfahrt entsprechen, die enorme Variantenvielfalt stellt die Gießerei zudem vor eine große Herausforderung. Franken Guss zeichnet nicht nur für das Rohteil verantwortlich, sondern auch für die Zerspanung, Veredelung und die Gussnachbehandlung.

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