Seit nahezu einer Woche herrscht Kälte in Unterfranken: Frostnächte hintereinander haben mancherorts schere Schäden in den Weinbergen verursacht. In der Nacht zum Freitag hat sich erneut der Frost an die Weinberge herangeschlichen.  Damit die jungen Triebe nicht den Tod durch Erfrieren sterben, wird ein Hubschrauber in Sommerach eingesetzt.

Freitagmorgen, kurz nach Mitternacht sind die Mitarbeiter und Ingenieure der Landesanstalt für Weinbau (LWG) Veitshöchheim in der Lage Sommeracher Katzenkopf unterwegs. Mit hochtechnischen Geräten messen sie die Temperaturentwicklung an verschiedenen Orten der Weinberge. Ein Quadrocopter misst die Daten in größerer Höhe.

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Gegen 4 Uhr ist man sich sicher: Kurz vor Sonnenaufgang wird es wieder erhebliche Minusgrade in den Weinbergzeilen geben, obwohl in den höheren Luftschichten Plusgrade festgestellt werden.

Ideale Bedigungen für Forschungen

Eine Konstellation, die für Markus Müller von der LWG Veitshöchheim geradezu ideal ist. Müller leitet ein Forschungsprojekt zur Vermeidung von Spätfrösten.

In kurzen Sätzen erläutert er, was da in den Weinbergen vor sich geht: Der Strahlungsfrost kühlt den Boden aus, Kaltluft sammelt sich am Boden. Kommt nun  eine Inversionslage, also eine Luftschicht in höherer Lage dazu, verhindert diese, dass sich die wärmere Luft aus der Höhe  mit der kalten Luft am Boden vermengt. „Und genau so eine Inversionslage haben wir heute. „Geradezu optimal für unsere Forschungsprojekte“, sagt Müller.

Über Handy gibt er das Startsignal für den Hubschrauber, der an einem Flugplatz in der Nähe wartet. Bei Sonnenaufgang soll der sich über den Weinbergen  befinden. Ziel ist es, dass der Hubschrauber in geringer Höhe die Weinzeilen abfliegt und die Luftschichten mit seinen Rotorblättern verwirbelt. Hierbei vermischen sich die kalten mit den warmen Luftschichten. Der Frost wird quasi aus den Weinbergen herausgedrängt.

Um 5.30 Uhr ist der Hubschrauber da. In einer Höhe von rund 30 Metern und mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 30 Stundenkilometern fliegt die Maschine in vorgegebenen Räumen die Weinberge ab. Bis 7.15 Uhr, da ist die Arbeit getan, der Frost verdrängt. Pilot Fred Burggraf von der Firma Helix aus Neuenstein ist zufrieden.“ Eine wunderbare Wettersituation war es heute morgen“, strahlt er. „Es gab keinerlei Probleme bei den Flügen in so geringer Höhe !“
 
Auch Markus Müller freut sich, dass alles so geklappt hat. 15 Hektar Weinberge hat der Hubschrauber „bearbeitet“ und die Messeräte zeigen, dass der Boden wieder Plusgrade hat.
„Jetzt gehe ich erst mal ins Bett“ sagt er. Er war die ganze Nacht in den Weinbergen um Sommerach.