Auch wenn der Schwarzacher David Möslein in seiner Freizeit am örtlichen Sportplatz Volleyball spielt, hat er oft ein BRK-Auto dabei. Seine Sportkameraden wissen, dass er auch während eines Wettkampfes manchmal alles liegen und stehen lässt und mit dem Fahrzeug losfährt. Das liegt einem Hobby, das der Berufsfeuerwehrmann passioniert verfolgt: Er ist Mitglied in der Helfer-vor-Ort-Gruppe (HvO) der Rot-Kreuz-Bereitschaft Schwarzach, einer von acht Gruppen im Landkreis Kitzingen.

Der Berufshelfer hat sich also auch in seiner Freizeit der Rettung von Menschenleben verschrieben. Wenn sein Piepser, den er immer am Mann trägt, losgeht, weiß er, dass irgendwo in der Umgebung seines Ortes ein Mensch um sein Leben ringt. "Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Hauptgründe für unsere Einsätze" erzählt er. Dadurch, dass die jeweils diensthabenden Kollegen das HvO-Auto quasi immer bei sich haben, also auch zu Hause direkt vor der Türe, kann der HvO direkt nach dem Alarm losstarten.

Navi wird automatisch programmiert

Die HvO-Fahrzeuge sind mit  Blaulicht und Martinshorn ausgestattet. Über das Digitalfunkgerät liest der Helfer sofort, um welchen Einsatz es geht. Gleichzeitig weist ihm das Navi des Fahrzeug ohne weiteres Zutun den direkten Weg zum Einsatzort. "Das ist besonders hilfreich bei Einsätzen im freien Gelände, wenn der Patient zum Beispiel irgendwo auf einem Feldweg liegt", erklärt BRK-Kreisbereitschaftsleiter Karsten Droll.

"Hier übermittelt die Leitstelle per Funk die Koordinaten, die vom Navi übernommen werden." Am Einsatzort angekommen verfügt der Fahrer über ein ausreichendes Spektrum an medizinischen Hilfsgeräten für die professionelle Erste Hilfe, angefangen von Verbandsmaterial über Blutdruck- und Blutzucker-Messgeräten bis hin zu einem Sauerstoffgerät und eine Beatmungsmaske. Im wahrsten Sinne das Herzstück des Fahrzeuges ist das tragbare EKG, welches zugleich einen Defibrillator integriert hat und womit man eine zielgerechte Wiederbelebung durchführen kann. Jedes Auto hat zudem einen Kindernotfallkoffer an Bord, der das nötige Equipment für Akuterkrankungen bis hin zur Geburt enthält.

Ein ganz besonderer HvO-Einsatz

Daniel Lux von der HvO-Gruppe Iphofen war mit solch einer plötzlichen Geburtssituation schon konfrontiert. Als er am Einsatzort ankam, war die Geburt schon voll angelaufen. "Angehörige hatten aus der Nachbarschaft noch eine Hebamme geholt und zu zweit haben wir dann das Kind geholt", berichtet er. "Ein wahnsinnig schönes Gefühl. Alles hat geklappt!" Erst zehn Minuten später kam dann der Rettungsdienst mit dem Notarzt und versorgte Mutter und Kind weiter.

"Der HvO kann den Rettungsdienst nicht ersetzen", meint dazu Karsten Droll. "Er kann ihn lediglich sinnvoll ergänzen. Er überbrückt mit qualifizierten medizinischen Maßnahmen die Zeit, bis Notarzt und Rettungswagen eintreffen."

Gefährlicher Einsatz auf der Autobahn

Dass HvO-Einsätze sich mitunter auch sehr gefährlich entwickeln können, weiß Wieland Iglhaut von der Gruppe Obernbreit. Er wurde zu einem Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten auf die Autobahn bei Marktbreit alarmiert. Als einer der ersten Helfer an der noch unübersichtlichen Unfallstelle sicherte er diese mit Blaulicht und gelbem Warnlicht nach hinten ab. Wenig später, als er sich gerade um eine eingeklemmte Person kümmerte, krachten weitere Fahrzeuge ins Stauende. "Ein Fahrzeugwrack schlitterte direkt neben mir vorbei. Das war knapp!", lautet sein Kommentar.

Als er später zurück zu seinem BRK-Fahrzeug kam, musste er feststellen, dass auch dieses komplett zerstört war. Ein Auto hatte es voll gerammt. Zwischenzeitlich hat die Guppe wieder ein neues Fahrzeug, und Wieland Iglhaut macht selbstverständlich weiter.

Der Autor des Artikels ist selbst als ehrenamtlicher Helfer beim BRK im Landkreis aktiv.