Auf eine neue Grundlage sollen die Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Windkraft im Regionalplan gestellt werden. Der Planungsausschuss der Regionalen Planungsverbands, dem auch der Landkreis Kitzingen angehört, stimmte in Karlstadt für die Neufassung der Planungsmethodik.

Es sieht unter anderem größere Schutzabstände von 1000 Metern zu Wohngebieten und gemischten Bauflächen vor. Nun muss die Verbandsversammlung am 12. Oktober noch einen Beschluss dazu fassen. Die neue Regionsbeauftragte Brigitte Ziegra-Schwärzer gab Erklärungen zur neuen Methodik – dem Ausschuss lagen 21 eng bedruckte Seiten vor. Ziel sei ein schlüssiges Planungskonzept von hoher Rechtssicherheit und geringer gerichtlicher Anfechtbarkeit.

Generell wird hierbei zwischen „harten“ und „weichen“ Tabuzonen entschieden. Harte Tabuzonen sind zum Beispiel militärische Sperrgebiete, weiche etwa Schutzgebiete für Fledermäuse. Am Ende des dreistufigen Verfahrens wird die Verbandsversammlung einen Fortschreibungsentwurf des Regionalplanes für den Bereich Windenergieanlagen mit Vorrang- und Vorbehaltsgebieten, aber auch Ausschussgebieten und unbeplanten „weißen Flächen“ haben. Besonders umstritten sind die Schutzabstände von Windkraftanlagen zu Wohngebieten und gemischten Bauflächen. Während der Windkraft-Erlass und die Technische Anleitung Lärm hier 800 Meter vorgeben, sollen es im Regionalplan künftig 1000 Meter sein. Das begründete Brigitte Ziegra-Schwärzer damit, dass der Windkrafterlass von nicht vorbelasteten Gebieten ausgeht und dass sich bei Windparks der Lärm mehrerer Anlagen überlagert. Dazu komme die Verringerung der „bedrückenden Wirkung“.

Weitere vorgesehen Schutzabstände sind 500 Meter zu Weilern und Einzelhöfen, 300 Meter zu gewerblichen Bauflächen, Grünflächen und Erholungsgebieten sowie 1200 Meter zu Sondergebieten mit besonderem Ruhebedürfnis. Auch die „visuelle Belastung“ soll in Grenzen gehalten werden, wobei ein Gesichtsfeld von mindestens 120 Grad als freier Blick in die Landschaft ermöglicht wird und Ortsteile nur zu höchstens 180 Grad von Gebieten für die Windkraftnutzung umfasst werden.

Gefragt wurde nach dem von Ministerpräsident Horst Seehofer eingebrachten Schutzabstand der zehnfachen Anlagenhöhe, was mindestens zwei Kilometer ergibt. „Das haben wir mal durchgespielt“, erklärte die Regionsbeauftragte und dass dann nur wenige Flächen im Gramschatzer Wald und im Gau übrig blieben, die aber oft naturschutzrechtlich bedeutsam seien oder schon mit Windkraft bestückt seien.

Insgesamt gibt es 13 harte Tabukriterien (u. a. Gewässer, Vogelschutzgebiete, Trinkwasserschutzzonen, Flughäfen und Tiefflugstrecken der Bundeswehr) und 16 weiche Tabukriterien (wie Landschaftsschutzgebiete oder landschaftsprägende Höhenrücken). Auch sie können zum Ausschluss der Windkraftnutzung führen. Ein Beispiel ist das Funkdrehfeuer VOR Würzburg (Flugsicherung), dessen zulässige Störungen in einem Umkreis von 15 Kilometern bereits ausgeschöpft sind.