Die Augen auf das Handy in der Hand gerichtet. Die Finger fleißig am Tippen. Die Gedanken überall außer bei der Straße. So läuft Luca an seinen Mitschülern vorbei und nimmt von diesen nichts wahr: Weder, dass sich ein Mitschüler immer wieder eine Pylone auf den Kopf aufsetzte, noch dass sich ein anderer ständig umdrehte.

An der besprochenen Markierung, die eine Abgrenzung zu einer viel befahrenen Straße darstellen soll, kommt er immerhin zum Stehen. "Das habe ich auch schon anders erlebt. Manche Kinder bekommen auch das nicht mit und laufen einfach weiter, sozusagen auf die Straße", sagte Elisabeth Bunzel, Moderatorin des Verkehrserziehungsprogramms "Hallo Auto" vom ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club). Am Dienstag und am Mittwoch nahmen die Kinder der fünften Klassen der Staatlichen Realschule in Kitzingen am Programm teil.

Nicht nur in der Schule wichtig: Bremsweg + Reaktionsweg = Anhalteweg

Auf die Plätze fertig los: Schon stürmten die Kinder davon, nur um kurze Zeit später wieder abrupt zum Stehen zu kommen. Durch sogenannte Start- und Stoppspiele lernten sie ihren eigenen Reaktions- und Bremsweg kennen. Bremsweg + Reaktionsweg = Anhalteweg, doch der Anhalteweg ist nicht immer gleich. Auf nasser Fahrbahn braucht man länger zum Anhalten als auf trockener. Wenn man dann noch plötzlich abbremsen muss, dann braucht man aufgrund der Reaktionszeit nochmal um einiges länger bis man zum Stehen kommt. Der schlimmste Fall ist, wenn man nicht aufmerksam ist – weil man beispielsweise wie Luca auf das Handy schaut. "Wir machen das jedes Jahr mit dem ADAC für die fünften Klassen", sagte Lehrerin Lena-Mareen Leppich. "Verkehrserziehung ist wichtig, denn der Bremsweg wird häufig falsch eingeschätzt."

Deswegen demonstriert Bunzel den Kindern, wie lange der Bremsweg eines Autos mit der Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern ist: Die Buben und Mädchen stellten Hüttchen an der Stelle auf, wo sie glaubten, das Auto würde bei einer Vollbremsung genau vor ihnen zum Stehen kommen. Die meisten Schülerinnen und Schüler schätzen einen Anhalteweg von drei bis fünf Metern ab. Wie falsch sie lagen, zeigte eine Gefahrenbremsung eindrucksvoll: 13 Meter war der Anhalteweg des Wagens.

Die Folgen einer Bremsung, wenn man nicht angeschnallt ist, wurde mithilfe des Praktikanten Paul vorgeführt. Sehr zur Freude der Schülerinnen und Schüler, denn Paul war ein großer Teddybär. Dieser wurde schon bei zehn Kilometern pro Stunde und einer Vollbremsung gegen das Armaturenbrett geschleudert.

ADAC-Verkehrserziehung für Kinder und Jugendliche

Das Programm "Hall0 Auto" speziell für Fünft- und Sechstklässlerinnen und Klässlern im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren, wurde von der ADAC-Stiftung ins Leben gerufen. Es ist Teil der kostenlosen Verkehrserziehung an Kindergärten und Schulen. Ziel dieser ist es, Kinder für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren. Dabei werden die Inhalte spielerisch und interaktiv vermittelt.
Für verschiedene Altersgruppen werden verschiedene Themengebiete angeboten. So wird in der dritten und vierten Jahrgangstufe beispielsweise der tote Winkel den Kindern näher gebracht und ab der siebten Klasse über Drogen im Straßenverkehr aufgeklärt. Seit Beginn des kostenlosen Verkehrserziehungsprogrammes haben schon über 250.000 Schülerinnen und Schüler bei "Hallo Auto" mitgemacht.
Quelle: joge