„Sensen und Dengeln“ stand vergangene Woche auf dem Programm der Iphöfer Bergwinzer. Wie zu Uropas Zeiten standen die jungen Winzer, die sich um den neuen Iphöfer Geschichtsweinberg kümmern in den steilen Terrassen und mähten das Gras und Unkraut um die jungen Weinreben ab.

Eine schweißtreibende Angelegenheit, wie der Winzernachwuchs feststellte, heißt es in einer Pressemitteilung. Die meisten von ihnen hatten vor der Aktion noch nie eine Sense in der Hand gehabt. Zum Glück hatte aber jeder noch ein altes Mähwerkzeug vom Opa auf dem Dachboden oder im hintersten Scheuneneck gefunden.

Bevor es los ging, gab es eine Senseneinführung von Josef Engelhart von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim. Der Fachmann erklärte, wie man durch gezielte Schläge entlang der Schneidkante des Sensenblattes das Metall auszieht, verdünnt und somit schärft. Engelhardt erklärte das Schleifen mit dem Wetzstein und demonstrierte das richtige Schwingen samt Atemtechnik.

Dann durften die Winzer in den Hang. Sie arbeiteten sich von Terrasse zu Terrasse. Oben angekommen hatten sie hochrote Köpfe und dicke Schweißperlen auf der Stirn. Kein Vergleich mit heutiger Unkrautbekämpfung mit Spritze oder Schlepper. Da passt das Motto des historischen Weinbergs: „Jahrhunderte der Weinbaugeschichte live erleben.“

Drei Epochen

Im Iphöfer Geschichtsweinberg, der mit seinen großen Trockenmauern aus Muschelkalk vor drei Jahren angelegt woreden ist, sind die wichtigsten Epochen des fränkischen Weinbaus zu sehen. Auf der untersten Terrasse steht ein Weinberg, wie er im Mittelalter ausgesehen hat. Das heißt, die Rebstöcke sitzen eng aneinander. Hier wächst ein einfacher Landwein – der so genannte Huntsch. Das ist ein alter gemischter Satz aus den heutzutage eher unbekannten Reben Heunisch, Elbing und Räuschling. In die mittlere Etage pflanzten die Winzer den qualitativ hochwertigeren Frentsch, ebenfalls ein gemischter Satz aus den Sorten grüner, roter und blauer Silvaner sowie Traminer, zweierlei Muskateller-Sorten, Vogelfränkisch, Adelfränkisch und Metling. Hier wird die fränkische Kopferziehung gezeigt, also wie im 18. Jahrhundert die Weinberge bewirtschaftet wurden. Der Stock- und Zeilenabstand beträgt genau einen Meter. In der oberste Ebene, dem größten Stück, wächst ein gelber Silvaner. Diese Terrasse zeigt den Weinbau um das Jahr 1960.

Heuer wollen die Iphöfer Bergwinzer die ersten Trauben des Geschichtsweinbergs ernten. Bis es im Herbst allerdings so weit ist, werden sie wohl noch ein paar Mal mit der Sense den Berg erklimmen.

Mit dem angrenzenden Waldrand und einer Streuobstwiese mit alten Obstsorten ist der Iphöfer Geschichtsweinberg ein einzigartiges Ensemble in der Toplage Iphofens, dem Julius-Echter Berg. Der Geschichtsweinberg ist nicht nur weinbaulich interessant und ein Anziehungspunkt für Weintouristen, sondern auch Lebensraum für unzählige, teils selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Der Geschichtsweinberg ist ein Bestandteil des Life+ -Naturschutzprojektes „Wälder.Wiesen.Wundervoll“.