Eine Schlägerei am Kitzinger Stadtbalkon auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände mit 13 jungen Männern und jeder Menge Alkohol beschäftigte die Kitzinger Polizei im Oktober 2019. Dabei wurden zwei Beteiligte in den Main geworfen. Drei kamen ins Krankenhaus, drei weitere in die Ausnüchterungszelle. Die juristische Aufarbeitung der Schlägerei  läuft, zuletzt beim  Jugendgericht in Kitzingen.

Dort saßen zwei Brüder, 20 und 24 Jahre alt, auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung. Die Beweislage war schwierig. "Das Problem ist der Alkohol", sagte Jugendrichter Wolfgang Hülle. Und von dem hatten die Beteiligten einiges intus. Zwischen 0,2 und zwei Promille stand im Polizeibericht. So blieb das Ergebnis der Ermittlungen "undurchsichtig", wie es eine Polizeibeamtin sagte.

Auch wenn der Grund für die nächtliche Auseinandersetzung im Dunkeln blieb; ein ungefähres Bild gab es dann doch. Danach trafen am 11. Oktober kurz vor Mitternacht am Stadtbalkon drei Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten aufeinander. Ein 20-jähriger Afghane soll "alkoholisiert und aggressiv" zunächst auf einen 20-Jährigen aus einer Gruppe von Deutschen losgegangen sein. Erst wurde provoziert, dann geschubst und geschlagen.

"Total verrückte" Auseinandersetzung

Wenig später "wurde es total verrückt", wie einer der Angeklagten sagte. "Jeder ging auf jeden los", sagte ein Zeuge. Zwei Afghanen landeten im Main. Danach ging es mit Schlägen und Tritten weiter. Warum sich dann auch noch mehrere  Polen einmischten, wurde nicht so richtig klar. Vielleicht wollten sie schlichten, war eine der Vermutungen. Eine andere, dass sie mit Schlägen und Tritten mitmischten.

Nach fünf Zeugenvernehmungen war alles immer noch ein bisschen "undurchsichtig", es gab aber ein Resultat. Der jüngere Bruder kam als Heranwachsender in den Genuss des Jugendrechts und mit der Einstellung des Verfahrens gegen 80 Stunden Hilfsdienste davon. Er hatte von Anfang an eingeräumt: "Ich habe geschubst und ich habe geschlagen. Aber ich habe mich nur gewehrt." Das war nicht zu widerlegen.

Für seinen Bruder kam es dicker. Der 24-Jährige wurde von einer Zeugin eindeutig als der identifiziert, der ihren afghanischen Freund mehrfach getreten hatte, als der schon am Boden lag. Die Folgen waren zwei abgebrochene  Zähne und ein Rippenbruch. Auch wenn der Mann von Tritten nichts wissen wollte und die Polen dahinter vermutete: Für das Gericht  war er der Mann, der für die gefährliche Körperverletzung verantwortlich war. Gefährlich deshalb, weil mit dem "beschuhten Fuß" eine Waffe zum Einsatz kam.

Dafür gab es eine achtmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldauflage von 2000 Euro. Die Staatsanwältin hatte elf Monate und 2800 Euro beantragt, der Verteidiger wegen der "extrem dürftigen Beweis- und Zeugenlage" Freispruch gefordert. Der war  wegen der schweren Folgen nicht drin. Der Angeklagte sah das wohl auch so. "Passt", sagte er zu dem Urteil, das rechtskräftig ist.