Auch wenn die finanzielle Lage in Prichsenstadt nicht zum Besten steht und der Stadtrat gerade eben seine Pflichtaufgaben erfüllen kann, so will er doch zumindest eine freiwillige Leistung weiterhin erbringen: einen Grüngutlagerplatz. Neben Grüngut können dort auch ein Kubikmeter Bauschutt (kostenpflichtig) sowie Papier, Kartonagen und Elektrokleingeräte (außer Fernseher und Computerbildschirme) entsorgt werden, und es muss alles sauber getrennt werden. Was die Anlieferung nicht gerade leicht macht, ist die Bodenbeschaffenheit, und die gehört im Stadtrat zum Dauerthema.

So auch in der vergangenen Ratssitzung. Bürgermeister René Schlehr unterbreitete dem Gremium einen Vorschlag der Verwaltung: das gut 1000 Quadratmeter große Areal im nordöstlichen Teil Prichsenstadts, von Laub aus kommend am Ortseingang links, könnte versiegelt werden. Das Ziel wäre, dass ein Befahren mit allen Fahrzeugen bei jedem Wetter möglich sein soll. Der Untergrund ist nicht geschottert, sondern wirkt wie ein festgefahrener Boden. Befahren wird er mit normalen Autos, aber auch mit Traktoren und Gespannen und auch Kleinlastern, die alle ihre Spuren hinterlassen. Regelmäßig wird das Grüngut mit einer großen Anlage geschreddert, für den Rasenschnitt ist ein eigener Container aufgestellt.

"Den Platz zu schottern," so Schlehr, "würde ständige Reparaturen zur Folge haben, das können wir uns finanziell und personell nicht leisten". Und um den Platz zu versiegeln, müsste die Stadt einen regelrechten Bauantrag beim Landratsamt stellen. Eine Markterkundung bei zwei Fachfirmen hatte ergeben, dass die Stadt allein für die Vorbereitung des Untergrundes zur Versiegelung 45.000 Euro zahlen müsste, plus nicht bezifferten Kosten für eine Asphaltdecke und der Entsorgung des Aushubes. Zu beachten seien auch wasser- und naturschutzrechtliche Aspekte.

"Den Platz zu schottern würde ständige Reparaturen zur Folge haben, das können wir uns finanziell und personell nicht leisten."
René Schlehr, Bürgermeister

Anstelle eines Beschlussvorschlages bat Schlehr seine Räte und Rätinnen um Vorschläge. Man könne doch, so Alfons Saugel, Flächen von Landwirten, die ihre Höfe aufgegeben hätten, als Grüngutlagerfläche nutzen. "Die sind geteert und auch vom Untergrund her gut geeignet", so Saugel. Ein Aspekt, den Schlehr nach eigenen Angaben noch nicht in Betracht gezogen hatte. "Wir müssen aber bedenken, dass diese Höfe oft genug frei zugänglich sind, und dann wird dort einfach alles hingeschmissen", entgegnete Schlehr.

Auch seien die Stellen oft nur über Feldwege erreichbar, und die seien in der Regel nicht geschottert. Gleichwohl nahm er Saugels Vorschlag mit in seine To-Do-Liste. Weniger begeistert schien Schlehr vom zweiten Vorschlag Saugels einer "Wiesentheider Lösung": nicht eine Zu- und Ausfahrt, sondern eine Zufahrt und auf der anderen Seite eine Ausfahrt. Denn auf der gegenüberliegenden Seite der Einfahrt grenzt die Bahnstrecke an, und links heraus ist ein Feldweg.

Der Vorschlag des zweiten Bürgermeisters Peter Eschenbacher stieß im Rat auf offene Ohren: der Einbau einer Drainage, "dann wäre zumindest der Schlamm weg". Sein Ratskollege Michael Eckhoff schlug in dieselbe Kerbe.

Um eine Versiegelung, so Schlehr, käme die Stadt auch dann nicht herum. Die könnte, schlug Alexander Schöpfel vor, auch in Form einer Teilversiegelung des eigentlichen Grüngutplatzes (ungefähr die Hälfte des Areals) bestehen, "der nördliche Teil könnte geschottert werden". Da kein Beschluss zu fassen war, nimmt der Bürgermeister die Ideen des Brainstormings mit in die weiteren Pläne zum Grüngutlagerplatz.