Die Grünen-Landtagsabgeordneten Simone Tolle und Sepp Dürr fordern vom Eventzentrum Geiselwind die Absage der für den 20. und 21. April geplanten Konzerte der umstrittenen Band "Frei.Wild". In einem offenen Brief schreiben die Politiker an das Inhaber-Ehepaar des Autohofes, sie wollten über die "unseres Erachtens höchst problematische Ausrichtung" der Südtiroler Band informieren und dazu auffordern, den Auftritt noch einmal zu überdenken. Mindestens erhoffe man sich aber, dass sich die Familie Strohofer mit dem politischen Hintergrund der Band beschäftige.

"Die Konzerte sind ausverkauft, sie finden auf jeden Fall statt", lässt Alfred Strohofer wissen. "Wir lassen uns die Show nicht nehmen, wir freuen uns alle schon", sagt der 72-jährige Strohofer. Nicht eine Sekunde habe er oder seine Familie darüber nachgedacht, die Konzerte abzusagen. "Wir mögen die Band, sie hat schon drei- oder viermal bei uns gespielt."

Tolle und Dürr zitieren in ihrem Brief Textpassagen aus Liedern der Band sowie den Extremismusforscher Andreas Speit, der in "Textzeilen wie diesen" eine klare "harte Absage an eine offene, heterogene, moderne Gesellschaft" erkenne. Die Distanzierung von "Frei.Wild"-Sänger Philipp Burger von seiner Neonazi-Vergangenheit in der rechtsextremen Band "Kaiserjäger" wirkten vor diesem Hintergrund wenig glaubhaft, monieren die Grünen-Landtagsabgeordneten. Auch die NPD bekunde offen ihre Sympathie für die Band. Wer "Frei-Wild" eine Bühne biete, trage dazu bei, "die Akzeptanz für rechtsextremes Gedankengut zu fördern".

"Das ist denen ihre Meinung. Menschen können ihre Einstellung zum Guten wenden, aber dazu brauchen sie eine Chance", findet Strohofer. Die Grünen wären ihm zufolge nicht dazu bereit, der Band diese Chance zu geben und seien stattdessen ausschließlich auf ihre Wahlpropaganda aus. "Sämtliche Titel werden auf Rechtsradikalismus geprüft. Die Texte von Frei.Wild. wurden nicht verboten", sagt er. "Tolle und Dürr können mich gerne beide anrufen oder vorbeikommen, auch an den Konzertabenden. Ich bin gerne bereit, mich darüber zu unterhalten", sagt Strohofer.


Polizei und Gemeinde haben keine Bedenken
Strohofer sagte weiter, bei Konzerten in seinem Eventzentrum gehe es immer friedlich zu, "dafür bürge ich persönlich". Dass die Band "Frei.Wild" nicht unumstritten sei, möge ja sein. "Mir sind die Menschen am liebsten, die ein bisschen neben der Kapp laufen", sagte Strohofer. Dass der Sänger der Band früher ein Neonazi gewesen sei, könne heute kein Grund dafür sein, Konzerte seiner Band abzusagen. Burger habe sich mehrmals von seiner rechten Vergangenheit distanziert. Bei Gesprächen mit Polizei und Gemeinde habe es auch keine Bedenken gegen die Konzerte gegeben.

Das Polizeipräsidium Unterfranken bestätigte, dass es bereits Gespräche mit dem Veranstalter gegeben habe. Nach derzeitigen Erkenntnissen sei nicht mit Störungen zu rechnen, die über das normale Maß hinausgehen. Die Polizei rechnet mit etwa 4.500 Besuchern. Weil aber die Band auch aus dem rechten Spektrum "gewissen Zuspruch" erfahre, sei auch "das für Staatsschutzangelegenheiten zuständige Kommissariat" der Kripo in Würzburg eingebunden. Zudem gebe es bereits jetzt eine Ankündigung, dass es an beiden Tagen Proteste gegen die Konzerte geben soll.


Mediale Hetzjagd?
Die Band "Frei.Wild" hatte erst vor kurzem unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt. Die umstrittenen Rocker wurden nach Protesten anderer Bands und Musiker wieder von der Nominierungsliste für den Musikpreis Echo 2013 gestrichen.

Die Bands "Kraftklub" und "Mia" hatten wegen der Nominierung von "Frei.Wild" einen Boykott des Musikpreises angekündigt. Die Südtiroler betonten hingegen, dass sie sich mehrfach schon von rechtsextremem Gedankengut distanziert hätten. Die Band sieht sich als Opfer einer medialen Hetzjagd. epd