Zwei Drittel seines langen Lebens verbrachte der Holzschneider und Bildhauer Richard Rother (1890–1980) in der Stadt Kitzingen. Dieser Umstand und seine bis heute hohe Popularität in Franken sind allemal Grund genug, dem Künstler zu seinem 125. Geburtstag eine breit angelegte Ausstellung zu widmen. Dieser Aufgabe hat sich der Kulturverein PAM in Zusammenarbeit mit der Stadt Kitzingen angenommen. Seit dem Wochenende ist nun Teil I der Ausstellung in der Kitzinger Rathaushalle zu sehen. Er widmet sich den Exlibris, die Rother für Zeitgenossen geschaffen hat. Im Juli folgt dann Teil II: „Druckgrafik 1920–1950“. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dann noch eine Ausstellung zum bildhauerischen Werk folgen.

Wie groß das Interesse an Rother bis heute ist, zeigte sich bei der Vernissage am Freitagabend. Knapp 100 Besucher waren in die Kitzinger Rathaushalle gekommen, um die von Rother geschaffenen Exlibris – also grafische Bucheignerzeichen – zu sehen. Den Weg ins Rathaus dürfte wohl niemand bereut haben, ist den PAM-Ausstellungsmachern um Klaus Christof und Renate Haass doch das Kunststück gelungen, nahezu alle der rund 300 Rother-Exlibris zusammenzutragen. Die allermeisten Exponate sind im Original zu sehen, nur ganz wenige konnten nicht aus ihren Passepartouts gelöst werden und werden daher als Reproduktionen gezeigt.

Den Kontrast zu den naturgemäß kleinen Exlibris bilden großformatige Landschaftsmotive nach Holzschnitten Rothers. Ergänzt wird die Ausstellung mit Texttafeln zum Leben und Werk des Künstlers, aber auch zur Technik des Holzschnitts und zu den Besonderheiten von Exlibris.

Dass Rother ein großer Meister des Holzschnitts war, wird in seinen Exlibris besonders deutlich. Mit sicherem Schnitt und einem offenbar unerschöpflichen Fundus an Ideen brachte er auf kleinstem Raum die (tatsächlichen oder gewünschten) Charakteristika seiner Auftraggeber auf den Punkt. Wo Künstler der klassischen Moderne zur Verfremdung gegriffen hätten, nutzte der beinharte Traditionalist Rother einen (oft hintergründigen) Witz.

Zumindest bei einigen Exponaten dürfte den Besuchern allerdings das Lachen im Halse stecken bleiben, etwa beim Exlibris für Joseph Goebbels, der den deutschen Michel aus der Tinte zieht, oder wenn auf einem anderen Bild die Saat eines Bauern in Form von Hakenkreuzen aufgeht.

Rothers Rolle als eilfertiger Unterstützer und Nutznießer des NS-Regimes zeigt sich in den Exlibris allerdings nur ansatzweise, die meisten der kleinen Grafiken entstanden außerdem erst nach 1945. Wohl auch wegen der Vorberichterstattung in dieser Zeitung war dieses Kapitel in Rothers Biografie bei der Eröffnung am Freitag dennoch kurz ein Thema. „Wir weichen nicht der Vergangenheit aus“, sagte Ausstellungsmacher Klaus Christof gleich zu Beginn und verwies auf den zweiten Ausstellungsteil im Juli, wo man viele Arbeiten zeigen werde, „die bisher unbeachtet waren“. Zugleich forderte er, man solle „keine voreilige Demontage“ Rothers betreiben. Die Presseartikel nannte er den „Versuch, die Rivalität der Anschauungen anzufeuern“ und „schon vor dem Eklat vom Tatort zu berichten“. Auch Oberbürgermeister Siegfried Müller betonte in einer „persönlichen Anmerkung“, die Stadt schweige nicht zur Verflechtung Rothers mit dem NS-Regime, das werde sich im zweiten Ausstellungsteil zeigen.

Bessere Einordnung

In jedem Fall empfehlenswert sind die beiden Kataloge. Die großformatigen Bände bieten zahlreiche unveröffentlichte Abbildungen von Werken Rothers, auf deren Reproduktion in der zwischen 1987 und 1991 erschienenen siebenbändigen Werkausgabe des Würzburger Echter-Verlages verzichtet worden war. Klaus Christof und Renate Haass haben zudem kenntnisreiche Texte und Fotos zu Leben und Werk Rothers beigesteuert, die dem Leser und Betrachter eine Einordnung des Künstlers mit dem Wissen der Gegenwart ermöglichen.

Die Ausstellung Teil I „Das Exlibris-OEvre“ läuft noch bis zum 19. Juli. Teil II „Druckgrafik 1920–1950“ wird vom 24. Juli bis 30. August gezeigt.

Ausstellungsort ist jeweils die Rathaushalle Kitzingen. Öffnungszeiten täglich 10–18 Uhr, Eintritt frei. Der Katalog zur Ausstellung umfasst zwei Bände. Einzelpreis beim Kauf in der Ausstellung 19 Euro, beide Bände zusammen 35 Euro. Buchhandelspreis je Band 25 Euro.