In Scheinfeld (Lkr. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) ist kein Platz für Nazis – das haben etliche Hundert Menschen am Samstag den Teilnehmern des Bayerntags der NPD deutlich gemacht. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 1500 Menschen an der vom Nordbayerischen Bündnis gegen Rechts organisierten Demonstration „Kein Platz für Nazis in Scheinfeld und anderswo“, die Veranstalter selbst sprachen von rund 2000 Teilnehmern. Die Menschen zogen mit Trillerpfeifen und Plakaten durch den Ortskern. Zeitgleich besuchten mehrere hundert Menschen das große Familienfest „Scheinfeld ist bunt“.

Der Bayerntag der NPD startete indes nach Polizeiangaben am Samstagmittag mit rund 200 Teilnehmern. Später seien noch mal 200 Personen hinzugekommen. Ein ursprünglich für den Abend geplantes Rechtsrockkonzert wurde von den Veranstaltern selbst abgesagt. Auch zwei von den Neonazis angemeldete Mahnwachen fanden nicht statt.

Vorsorglich hatte die Stadt Scheinfeld am Samstagmorgen um 8.30 Uhr einen Verbotsbescheid gegen das Konzert erlassen, der von der Polizei vor Ort übergeben wurde. Die NPD legte beim Verwaltungsgericht Ansbach Widerspruch ein, der um kurz nach 15 Uhr im Eilverfahren abgelehnt wurde. Günter Pierdzig, Sprecher des Nordbayerischen Bündnis gegen Rechts, gab dies kurz vor dem Start des Demonstrationszugs bekannt, was unter den Teilnehmern begeisterten Jubel auslöste. Unter ihnen waren Menschen aus Scheinfeld, dem gesamten Landkreis und seinen Nachbarlandkreisen sowie aus ganz Bayern.

Scheinfelds Bürgermeister Claus Seifert freute sich über die hohe Beteiligung an der Anti-Nazi-Demo. Er sprach von einer „überwältigenden Allianz der Menschen“, aber auch von einer Allianz der Sicherheitsbehörden und der Polizei. Mehrer Hundert Beamte waren im Einsatz. Auch sei es berauschend, so Seifert, was die Bürger in der Kürze der Zeit auf die Beine gestellt hätten. „Scheinfeld bleibt bunt“, war er sich deshalb sicher.

Auf dem Marktplatz mahnte Landrat Helmut Weiß bei einer Zwischenkundgebung, der auch Regionalbischöfin Gisela Bornowski beiwohnte, die Menschen zur Wachsamkeit. Rechtsextremismus sei im Landkreis leider kein Randthema mehr, so der Landrat. „Diesem müssen wir geschlossen entgegentreten“, rief er den Demonstranten zu. Er wünsche sich, so Helmut Weiß, dass es in Scheinfeld nie wieder Rechte Kundgebungen und Hasskonzerte gebe.

Die Gegendemonstration sei weitgehend friedlich verlaufen sei, sagte Scheinfelds Bürgermeister Claus Seifert. Kurz vor Beginn des Demonstrationszugs war ein Bus mit Demoteilnehmer von einem Unterstützungskommando der Polizei festgehalten worden, da es zu Problemen – die Polizei sprach später von mangelnder Kooperationsbereitschaft seitens der Demonstranten – bei der Kontrolle einiger Insassen gekommen sei. Eine große Schar von Zugteilnehmern war daraufhin zu dem Bus marschiert, wurde aber vom Unterstützungskommando aufgehalten.

Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Uwe Kekeritz (Uffenheim), und die Landtagsabgeordnete Verena Osgyan (Nürnberg) schalteten sich ein, um die Lage zu entspannen. Kurz darauf konnte sich der Zug, wenn auch mit ein wenig Verspätung, in Richtung Freibad in Bewegung setzen, wo die Abschlusskundgebung der Demo in unmittelbarer Nähe zum NPD-Bayerntag stattfand. Hier kam es zu vereinzelten Eier-, Flaschen- und Farbbeutelwürfen von beiden Seiten. Verletzt wurde niemand.

Als die Besucher der NPD-Veranstaltung diese später wieder verließen, kam es erneut zu Provokationen in Richtung der Gegendemonstranten sowie der Einsatzkräfte. Laut Polizeiangaben wurde dabei ein Beamter am Kopf und an der Hand, ein weiterer durch einen Fußtritt verletzt. Gegen die Täter werden Verfahren wegen Körperverletzung eingeleitet.

Alle Veranstaltungen waren gegen 20.30 Uhr beendet. Das Gerücht, dass die NPD versuchen würde, das Konzert auf einem anderen Grundstück im Landkreis, hier sickerte der Name Uehlfeld durch, bewahrheitete sich nicht. Mit Material von dpa/epd