Das Adelshaus Schönborn, das seinen  Sitz in Wiesentheid hat, beendete dieser Tage mit dem Weingut in Hattenheim im Rheingau einen traditionsreichen Betrieb im Familienbesitz. Paul Graf von Schönborn zufolge hätten wirtschaftliche Gründe den Ausschlag gegeben, dass der Keller, wie auch der 30 Hektar Weinberge umfassende Außenbetrieb geschlossen werden. Die 17 Mitarbeiter, die im Weingut im Rheingau beschäftigt waren, erhielten ihre Kündigung.

Das Weingut am Rhein ist der älteste Teil des Schönbornschen Gesamtbetriebes. Seit 1349 betreibt die Familie dort auf dem Domänenweingut in Hattenheim/Eltville, das zwischen Wiesbaden und Rüdesheim am Rhein liegt, bereits Weinbau. Es ist eines der größten privaten Familien-Weingüter des Rheingaus.

Auf der Internetseite des Weinguts werden die Lagen so beschrieben: „Das Domänenweingut Schloss Schönborn verfügt über einen einmaligen Schatz an ausgezeichneten Lagen im Rheingau. Von Rüdesheim bis Hochheim sind wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht die besten Lagen, an denen das Weingut circa 30 Hektar Rebfläche bewirtschaftet.“ Doch damit ist nun Schluss.

Trump-Regierung machte Schönborn das Leben schwer

„Dieser Entschluss ist mir nicht leicht gefallen“, teilt Paul von Schönborn auf Anfrage mit. Neben der Corona-Krise hätten weitere Faktoren zu diesem Schritt geführt, wie etwa die massiven Steuererhöhungen auf deutsche Weine durch die ehemalige amerikanische Trump-Regierung. Das habe erhebliche negative Auswirkungen auf das Weingut gehabt. Zudem sei der Weinabsatz in Hotels und Gastronomie durch die Corona-Pandemie weggebrochen.

Wie der "Wiesbadener Kurier" berichtet, sei die Aufgabe des Betriebs keine Folge der Vorfälle aus dem Jahr 2012, als das gräfliche Weingut wegen Verstößen gegen das Weinrecht in der Kritik stand. Der "Kurier" zitiert Schönborn so, dass das Adelshaus derzeit die eingehenden Pachtanfragen für die Weinberge und die Gebäude sammele. An einen Verkauf ist nicht gedacht.

Allerdings soll es ein „reges Interesse an der Verpachtung der Weinberge“ geben. Sie umfassen 33 Einzellagen. Wie Schönborn dem Blatt sagte, könnte der Betrieb mit einer Anbaufläche von 30 Hektar sogar noch deutlich vergrößert werden. Was mit der erst 2015 dort eröffneten Vinothek geschehe, sei noch offen. In die Vinothek in Hattenheim, wie auch in den Keller wurde erst vor wenigen Jahren umfangreich investiert. Damals habe das Weingut eine Neuorientierung angekündigt; die Weinberge wurden wieder mit eigenem Personal bewirtschaftet. Der Betrieb sei allerdings laut "Wiesbadener Kurier" nicht wirtschaftlich gewesen und habe jährlich Verluste eingefahren.

Weinbau rund um die Hallburg

Den aktuellen Zeitpunkt der Schließung nennt Schönborn daher ungünstig. Er sehe in dem Standort eine große Zukunft. Doch, so fragt er, was nützten die guten Reben, wenn sich der Wein nicht absetzen lasse?

Die Familie Schönborn werde also künftig den Weinausbau im fränkischen Weingut auf der Hallburg bei Volkach konzentrieren. Das bestätigte Paul von Schönborn auf Anfrage. „Die vorhandenen Weine werden durch das fränkische Weingut Schloss Hallburg vermarktet“, teilt er mit. Zum Besitz des an der Volkacher Mainschleife gelegenen Weinguts gehören rund 30 Hektar Rebfläche, eine ähnliche Größe also wie im Rheingau.  

Am Rhein werde man nach wie vor präsent bleiben, prophezeit Schönborn. Um auch künftig „in kleinen Mengen“ Spitzenweine aus dem Rheingau anbieten und die Tradition fortführen zu können, will er beim Weinanbau in Hattenheim mit Dritten kooperieren.

Außerdem legt der Gutsbesitzer Wert darauf, dass man die Flächen nicht verkaufen, sondern nur verpachten will. Damit wolle sich die Familie mit der jahrhundertealten Tradition die Option offen halten, dass sich in Zukunft vielleicht die Nachkommen wieder stärker im Rheingau engagieren.