Dass sie Weihnachten und Silvester in Wiesentheid verbringen würden, hätte die Familie Renz nie gedacht. Anfang März waren sie mit ihrem kleinen Zirkus "Solero" in den Ort gezogen, direkt nach der Winterpause, um in der Gemeinde mit drei, vier Vorstellungen in die Saison zu starten und dann weiter zu ziehen, wie sonst immer. Neun Monate später stehen ihre Kamele Ponys und Hunde sowie die Fahrzeuge und Zelte immer noch auf dem Platz vor der Steigerwaldhalle, weil die Corona-Pandemie sie nach wie vor am Weiterziehen hindert. "Es ist schon sehr ungewohnt, fast beängstigend, so lange an einem Ort zu sein", gibt Corina Renz zu.

Mit ihrer Schwiegermutter Gabriela empfängt sie den Besuch in einem der Wohnwagen, in denen die sechsköpfige Familie lebt. Eine willkommene Abwechslung im sonst recht tristen Alltag, wie beide sagen. In der Ecke steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, auch, um den Kindern etwas Freunde und Normalität zu vermitteln. Natürlich habe man Weihnachtslieder gesungen, wenngleich die Bescherung und das Essen diesmal nicht so üppig wie sonst ausfielen, wie beide Frauen meinen. Sonst hätten sie sogar an Weihnachten Auftritte gehabt – diesmal Fehlanzeige, wie seit langem.

Die Zeit ohne Auftritte setzt allen zu

Auf die Frage, wie es ihr gehe, sagt Corina Renz offen: "Gar nicht gut. Heute habe ich mich extra für Sie ein bisschen schön gemacht." Sie hat für das Foto ihre blaue Uniform angezogen hat. Diese trägt sie sonst in der Manege. Die Zeit ohne Auftritte, dazu noch die ungewisse Situation, nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht, das nagt an ihr und den anderen. "Das ist für uns wie ein Alptraum."

So gehe es der gesamten Zirkus-Branche. "Die Kleinen trifft es immer härter", meint Gabriela Renz. Finanzielle Hilfe vom Staat, wie in anderen Branchen, bekämen sie nicht, so die Schwiegertochter. Die Familie besitze zwar eine postalische Adresse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg, mehr aber nicht. "Unser Zuhause ist, wo der Wagen ist."

Ein Winterquartier, oder gar einen festen Wohnsitz mit Haus, könne man sich finanziell nicht leisten. Außerdem sei man vor Corona ja eh immer unterwegs gewesen, wozu also? Derzeit lebe die Familie von Hartz IV. Sich übergangsweise Arbeit zu suchen, sei schwierig, weil die meisten Arbeitgeber abwinkten, wenn sie hören, dass man zu einer Zirkus-Familie gehöre. Das sei denen zu unsicher, meint Corina Renz.

Zirkusfamilie gibt sich weiter kämpferisch

Den Zirkus aufgeben, das komme nicht in Frage, sind sich beide Frauen einig. Ein Darlehen aufnehmen könne man auch nicht so einfach. "Von was sollen wir das zurück zahlen", fragt Corina Renz. Da kämpfe man lieber so. Diese Zeiten müsse man einfach irgendwie durchstehen, pflichtet ihre Schwiegermutter bei.

Mit ihrem derzeitigen Standort Wiesentheid sind sie zufrieden. Die Kommune dulde sie bis zum Frühjahr, legte Wasser und Strom von der Steigerwaldhalle aus zu ihnen. Mit den Anwohnern gebe es keine Probleme, die seien verständnisvoll und hilfsbereit, sagt Corina Renz. So konnte die Familie Renz in der Nähe ihre Ponys auf einer Koppel einstellen. Vom örtlichen Bäcker bekomme man altes Brot als Futter für die Tiere, manchmal hätten andere auch Gemüse und Äpfel gebracht.

Das Futter für die Tiere wird knapp

Ohne die Unterstützung vieler Menschen aus der Gegend hätten sie wohl nicht überleben können, gesteht Gabriela Renz. Doch jetzt werde das Futter langsam knapp. "Wir bräuchten Unterstützung. Wir können ja nicht nur Brot füttern. Auch altes Heu oder Gemüsereste gehen nicht, da bekommen die Tiere Koliken", erklären sie.

Trotz der schwierigen Lage schaffen sie auf dem Platz in Wiesentheid ein wenig Normalität. So haben sie draußen vor den Wagen eine kleine Manege aufgebaut, wie sonst auch, zum Trainieren. Das lenke ab, zudem bräuchten die Tiere Bewegung, sagt die Zirkusartistin.

Was sich Corina Renz und ihre Familie für das Jahr 2021 wünschen? Da muss sie nicht lange überlegen. "Dass es endlich wieder losgeht und wir wieder Vorstellungen geben können. Wir möchten wieder Freude bringen." Damit muss sie und ihre Familie wohl mindestens bis zum Frühjahr warten.

Wer Futter für die Zirkustiere hat oder helfen möchte, erreicht Familie Renz unter Tel.: (0157) 73393265.