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Kitzingen

Warum Bocksbeutel an der Alten Mainbrücke in Kitzingen hängen

Wer derzeit über die Alte Mainbrücke in Kitzingen läuft, dem fallen sieben überdimensionale Bocksbeutel und eine übergroße Bierflasche auf.
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Die Brückenkunst-Aktion des Stadtmarketingvereins erzählt auf der Alten Mainbrücke mit Bocksbeuteln und einer Bierflasche von der Stadtgeschichte Kitzingens. Foto: Christine Pfanzer

Wer derzeit über die Alte Mainbrücke in Kitzingen läuft, dem fallen sieben überdimensionale Bocksbeutel und eine übergroße Bierflasche auf, die am Brückengeländer montiert sind.

Der Stadtmarketingverein hat laut einer Pressemitteilung die Brückenkunst-Aktion in Kooperation mit der Tourist-Information initiiert. Sie soll die Blicke der Passanten auf sich ziehen. Auf den Etiketten der Flaschen sind vier stadtgeschichtliche Hintergründe und vier historische Aspekte der Weinhandelsgeschichte von Kitzingen dargestellt.

Collagen und Etiketten erzählen Kitzingens Stadtgeschichte

Auf den Bocksbeuteln und der Bierflasche sind Collagen der einzelnen geschichtlichen Punkte mit einigen Schlagworten zu sehen, die damit in Verbindung gebracht werden. Ein QR-Code am Flaschenhals übermittelt weitere Informationen zu den Aspekten der Weinhandelsgeschichte und der historischen Ereignisse Kitzingens an das Smartphone.

So verrät ein Etikett eines Bocksbeutels beispielsweise über die Sage Hadelogas und die Gründung der Stadt Kitzingen im Jahr 745. Auf einer anderen Flasche ist einer der ältesten Weinkeller Deutschlands abgebildet, der sich im ehemaligen Benediktinerkloster in Kitzingen befindet. Ein weiteres Bauwerk darf nicht fehlen: die Kreuzkapelle in Etwashausen, die wegen ihres bekannten Baumeisters Balthasar Neumann sogar auf dem 50-Mark-Schein abgebildet war.

Neben den historischen Bauten findet auch das älteste deutsche Weingesetz, das 1482 in Kitzingen verabschiedet wurde und Weinpanschern hohe Strafen einbrachte, auf einem Bocksbeuteletikett Beachtung. Ebenso wird verraten, welches Kitzinger Weingut Anfang des 20. Jahrhunderts zum königlich-bayerischen Hoflieferanten berufen wurde.

Warum eine Flasche auf der Alten Mainbrücke eine Bierflasche ist

Ein weiteres Etikett verrät, dass der wohl größte Weinhändler Bayerns in den 1920er-Jahren, Max Fromm – wie die meisten Weinhändler in der Region – jüdischen Glaubens war. Er besaß den ersten Betrieb in Franken, der eine vollautomatische Abfüllanlage für Bocksbeutel hatte. Eine weitere Geschichte dreht sich um Kitzingens Wahrzeichen, den Falterturm.

Eine der Brückenkunst-Flaschen fällt deshalb besonders ins Auge, weil sie kein Bocksbeutel, sondern eine Bierflasche ist. Was der Deusterkeller und Thomas Ehemann damit zu tun haben, können Besucher der Alten Mainbrücke mit dem QR-Code herausfinden.

Doris Badel vom Stadtarchiv und Margret Löther, Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge, haben die vielen historischen Informationen zur Verfügung gestellt. Entworfen und gefertigt wurden Bocksbeutel, Bierflasche und Etiketten von der Pop-up-Künstlerin Melinda Hillion.