Wenn der Stadtrat Gerhard Fröhlich etwas zu sagen hatte – und das hatte er oft –, leitete er seinen Vortrag oft so ein: „Zwischenfrage.“ Meist verbarg sich hinter dieser Chiffre der höfliche Beginn für einen kritischen Einwand. Ja, Fröhlich konnte austeilen am Ratstisch, er war fähig zu Fundamentalopposition – selbst dann noch, als er längst aus dem Rat ausgeschieden war. Doch ihm Opposition zum Selbstzweck oder rein zur Profilierung seiner Partei, der CSU, zu unterstellen, wäre ihm und seinem Verständnis von diesem Amt nicht gerecht geworden. Hinter den oft bohrenden Nachfragen steckte echte Neugier und der Anspruch, das Geld der Stadt, das ja immer auch das Geld der Bürger ist, nicht zu vergeuden. Man greift nicht zu hoch, wenn man Fröhlich das ökonomische Gewissen des Stadtrats nannte.

Mit offenem Visier gekämpft

24 Jahre – von 1978 bis 2002 – saß Fröhlich als kritischer Geist im Stadtrat, erst zwölf Jahre unter Bürgermeister Michael Bausewein, dann noch einmal so lange unter dessen Nachfolger Josef Mend. Verbiegen ließ er sich nie. Auch wenn er bisweilen alleine stand mit seiner Meinung: Fröhlich kämpfte und argumentierte immer mit offenem Visier und schonte auch die eigene Partei nicht, etwa wenn es um die Kandidatenkür für die Kommunalwahl ging. Das Iphöfer Jugendhaus bezeichnete er einst als „Villa, in der nichts los ist“. Da war er schon draußen aus dem Rat, aber immer noch mittendrin in der Ortspolitik. Manchmal konnte er nicht anders, als seinem Ärger auf diese Weise Luft zu machen, auch wenn es politisch nicht immer klug war und er sich im Nachhinein schon mal korrigieren (lassen) musste.

Dass ihn die Leute nach seinem Einzug in den Stadtrat 1978 dreimal in Folge im Amt bestätigten, hatte er seinem Engagement im Rat, aber auch im gesellschaftlichen Leben der Stadt zu verdanken. Fröhlich war nicht nur lange Jahre Mitglied der CSU, sondern auch der Feuerwehr, der Schützen, des Weinbauvereins oder des (mittlerweile aufgelösten) Heimat- und Fremdenverkehrsvereins. Geselligkeit war ihm wichtig, und bei aller Strenge konnte er auch herzlich lachen.

Ein Kind der Altstadt

Die Altstadt mit ihren Bewohnern lag Fröhlich immer besonders am Herzen. Das war auch der Tatsache geschuldet, dass er selbst ein Kind der Altstadt war, aufgewachsen am Herrengraben, und dort mit seiner Frau Hildegard in fünfter Generation das traditionsreiche Familienweingut lmbacher Hof führte. Nach mehr als 40 Jahren Erfahrung als Winzer hatte er es vor einiger Zeit an Thomas, einen seiner drei Söhne, übergeben. Fröhlich hinterlässt ein gut bestelltes Haus. Am vergangenen Mittwoch ist er kurz vor seinem 72. Geburtstag unerwartet gestorben. Seine Stimme wird fehlen.