Seit fast genau zwei Jahren ist die Ortsdurchfahrt in Segnitz, also im Wesentlichen die Rathaus- und Kirchstraße, ein Schmuckstück der Gärtnergemeinde. Während der Dorferneuerung wurde sie generalüberholt, helles Pflaster, abgesenkte Bordsteinkanten und sorgfältiger Pflanzenschmuck laden zum Spazieren regelrecht ein. Um den Bereich auch für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer attraktiv zu machen, entschied sich der Gemeinderat im Oktober 2019 dafür, hier eine verkehrsberuhigte Zone zu errichten.

So richtig ruhig ist es seitdem allerdings nicht geworden. Immer wieder war die sogenannte Spielstraße Thema in den Gemeinderatssitzungen: es gab Beschwerden über Fahrer, die sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit halten und Beschwerden über Anwohner, die mit vehementen Mittel versuchen würden, diese durchzusetzen. Zuletzt gingen bei der Bürgerversammlung die Emotionen hoch.

Nun lag ein Antrag auf dem Tisch der Gemeinderäte, die Widmung als verkehrsberuhigte Straße wieder zurückzunehmen. Gestellt von Herbert Müller, selbst Gemeinderat und Anlieger der Rathausstraße mit landwirtschaftlichem Betrieb und Weingut. Und genau das ist sein Punkt: Kunden und Lieferanten würden auf dem Weg zu ihm aufgehalten, von anderen Anwohner gemaßregelt. Kinder spielten auf der Straße in scheinbarer Sicherheit und nicht zuletzt habe sein Betrieb Einbußen, weil die Zu- und Abfahrt deutlich länger dauere als bisher. Ausdrücklich schlägt er dennoch eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor, deren Höhe noch festgelegt werden müsse.

Die meisten Räte wollen verkehrsberuhigte Zone beibehalten

Mit dieser Ansicht stand Müller allerdings recht allein da im Gemeinderat. Seine Kolleginnen und Kollegen legten einer nach dem anderen dar, warum sie die verkehrsberuhigte Zone für gut halten und unbedingt beibehalten wollen. "Die Entscheidung unserer Vorgänger war gut und steigert die Lebensqualität im Ort", meinte zum Beispiel Christian Lauck. Eva-Maria Stark und Achim Volkamer, die mit dem Vorgängergremium die Entscheidung getroffen hatten, verteidigten diese. Man habe sich viele Gedanken gemacht und den Ort für Anwohner und Touristen attraktiv gestalten wollen. Für die anliegende Geschäfte habe es extra Hinweisschilder gegeben. Es dürfe aber natürlich nicht sein, dass Autofahrer von Anwohnern angegangen werden.

Bürgermeister Peter Matterne unterstützte als einziger den Antrag. Ihn ärgere vor allem, dass es seit Einführung der verkehrsberuhigten Zone Unmut und Streit im Dorf gebe. "Egal, wie wir jetzt entscheiden, es ist falsch", meinte er. In der anschließenden Abstimmung wurde der Antrag mit sieben zu zwei Stimmen abgelehnt. Ob damit das letzte Wort in der Angelegenheit gesprochen ist, bleibt allerdings fraglich. Christine Kaemmer, die als Zuschauerin anwesend war, zitierte deshalb am Ende der Sitzung sinngemäß aus der Sonntagspredigt: Streit sei hin und wieder richtig und wichtig, aber Versöhnung sei die Königsdisziplin.

Anonymes Schreiben in der Wahlurne

Bürgermeister Matterne berichtete von der vergangenen Bundestagswahl, dass ein anonymes Schreiben in der Wahlurne gelegen habe, dass sich gegen ihn richte. Er bat: "Wenn jemand ein Problem mit mir hat, kann er jederzeit zu mir kommen, aber bitte nicht solche anonymen Zettel schreiben!"

Vom Elternbeirat der Grundschule Marktsteft war Klaus Siebert anwesend. Er bat Bürgermeister Matterne darum, sich im Marktbreiter Schulverband für die Anschaffung von Luftfiltern einzusetzen. Dieser war allerdings der Ansicht, dass der Segnitzer Gemeinderat der falsche Ort für das Anliegen sei. Aus diesem Grund habe er auch nicht den Brief an die Räte weitergeleitet. Er nehme die Bitte aber mit in die nächste Sitzung des Schulverbandes.