Mit einem "blauen Auge" davon gekommen ist ein 51 Jahre alter Pfleger aus dem Bezirkskrankenhaus Lohr, der einem Patienten aus der gefängnisähnlich gesicherten Forensik eigenmächtig für knapp eine Stunde Ausgang ohne Bewachung genehmigt hatte. Der Strafprozess wegen "Gefangenenbefreiung" ist vor dem Amtsgericht Gemünden am zweiten Verhandlungstag eingestellt worden unter der Voraussetzung, dass der Pfleger eine Geldbuße von 400 Euro an einen Krankenpflegeverein überweist.
Der 54-Jährige Patient war vom Schwurgericht in Aschaffenburg wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt und wegen seiner Alkoholabhängigkeit in Lohr untergebracht worden. Von dem Spaziergang war er freiwillig und nüchtern in die Rupert-Mayer-Klinik für Forensische Psychiatrie zurückgekehrt. Er begleitete seine Ehefrau und die Tochter, die ihn in Lohr besucht hatten, anschließend zum Parkplatz und hat dann noch ein bisschen frische Luft geschnappt.
Das hätten ihm vorher, sagte der Ex-Patient gestern vor Gericht, auch andere Pfleger immer wieder mal erlaubt. "Wie lange du draußen bleibst, ist mir wurscht" soll einer mal gesagt haben, "Hauptsache, du haust nicht ab".
Weitere Prozesse gegen sechs Beschäftigte aus der Lohrer Forensik folgen nach der Sommerpause: Aus dem Sicherheitstrakt soll ein Pfleger einen Patienten zu seiner Ehefrau nach Hause gebracht und ihn dort erst Stunden später wieder abgeholt haben, bei einem weiteren illegalen "Ausflug" kaufte der Pfleger von seinem Patienten preisgünstig Werkzeug, das der in einer Garage am Wohnhaus seiner Eltern deponiert hatte. In einem anderen Fall soll Brennholz, das ein Patient zuhause gestapelt hatte, der Hintergrund für Lockerungen an den Therapeuten vorbei gewesen sein.
Ein Patient sei, so der Zeuge am Donnerstag, von einem Pfleger immer wieder nur deswegen nach Lohr gefahren worden sein, damit er dort - unbeaufsichtigt - seinen Lotto-Schein abgeben und ein bisschen bummeln kann. Übrigens ist eine Pflegerin bei ihrem Dienst in der Forensik einem Patienten so nahe gekommen, dass sie schwanger wurde, aber das hat die Staatsanwaltschaft nicht angeklagt.
In der Rupert-Mayer-Klinik für forensische Psychiatrie werden von Gerichten eingewiesene psychisch kranke und suchtkranke Straftäter im Maßregelvollzug behandelt. Die Patienten haben sehr unterschiedliche Straftaten begangen, von Trunkenheitsfahrten und Beschaffungskriminalität Drogenabhängiger über Sexual-Straftaten bis hin zu Tötungsdelikten.