Obwohl die Stadt Kitzingen mit Blick auf die Corona-Vorschriften auf eine Einladung verzichtet hatte, fanden rund 20 Bürgerinnen und Bürger den Weg auf den Neuen Friedhof an der Buchbrunner Straße, um ab 11 Uhr gemeinsam mit Oberbürgermeister Stefan Güntner, Dekanin Kerstin Baderschneider und Dekan Gerhard Spöckl der Ereignisse vom 23. Februar 1945 zu gedenken und an die zahllosen Opfer zu erinnern.

Güntner bezeichnete den Tag, der ähnlich begonnen hatte, wie viele der Gedenktage, nämlich als Frühlingstag mit blauem Himmel, als den schrecklichsten Tag der Kitzinger Geschichte.

Bereits Anfang 1945 habe die Zivilbevölkerung mit Versorgungsengpässen und rationierten Nahrungsmitteln, knappem Wohnraum und eintreffenden Flüchtlingen die Situation gespürt. Die Stadt sei wohl wegen der geringen Zahl stationierter Soldaten ein eher unbedeutendes Ziel gewesen, habe aber wegen der Verkehrsanbindung, der Rüstungsindustrie sowie Flugplatz der Luftwaffe und Flakkaserne mit Luftkriegsschule strategische Bedeutung gehabt. "Was heute ein Segen für die Stadtentwicklung ist, wurde damals zum Fluch", bilanzierte Güntner.

Ganze Häuserzeilen verschwanden aus dem Stadtbild

Mit dem Ziel, Kitzingen zu zerstören suchten 174 Flugzeuge der 8. US-Luftflotte die Stadt ab 11.34 Uhr mit rund 2100 Bomben heim. Fünf Angriffswellen später sei nichts mehr so gewesen wie es vorher war. In den schicksalsschweren Minuten verloren über 700 Menschen ihr Leben, darunter 59 Soldaten. 19 von ihnen konnten nicht mehr identifiziert werden.

Rund 40 Prozent der Gebäude waren teilweise bis schwer, 351 Häuser mit 809 Wohnungen komplett zerstört. Ganze Häuserzeilen verschwanden aus dem Stadtbild. Am 5. April 1945 war Kitzingen besetzt, der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin.

Die Geistlichkeit sprach ein Gebet am Kranz, den OB Güntner namens der Stadt niedergelegt hatte.

Dem 23. April 1945 folgten 77 nicht immer einfache und konfliktfreie, aber friedliche Jahre, unterstrich OB Güntner und bezeichnete den derzeitigen Frieden mit Blick auf die Ukraine als stärker und akuter bedroht, als es sich heute Lebende vorstellen können.

Keine 24 Stunden später hat sich die friedlich gewohnte Welt dramatisch verändert.