Eingeschlagene Fenster, zerstörte Häuser und Geschäfte, Menschen die entführt, geschlagen und getötet wurden: In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 ereignete sich in Deutschland ein Verbrechen, von dem sich die Welt nicht so schnell erholen sollte. In der Reichspogromnacht wurden Juden entführt und nach Dachau verschleppt, die Kitzinger Synagoge ebenso wie das Tahara-Haus auf dem jüdischen Friedhof in Rödelsee wurden in Brand gesteckt. Es war das Ende der jüdischen Gemeinde in Kitzingen.

Auch im 83. Jahr nach diesen Gräueltaten gedachte Kitzingen der Opfer des deutschen Naziregimes. Am Dienstagabend versammelten sich rund 40 Bürgerinnen und Bürger an dem Koffer-Deportationsdenkmal am Rosengarten und hielten eine Schweigeminute. Sie entzündeten Friedenskerzen und trugen sie in einem Gedenkzug durch die Stadt bis hinunter zur Alten Synagoge.

Dort hielt Oberbürgermeister Stefan Güntner eine Ansprache zur Erinnerung an die Reichspogromnacht. Dabei betonte er, wie gut es uns Deutschen in einem demokratischen Staat heute gehe. Schnell vergesse man die schlimmen Geschehnisse der Vergangenheit und verfalle in den Glauben, dass uns dergleichen so schnell nicht mehr passieren werde. "Aber dem ist nicht so", betonte Güntner. In seinen Augen sei das ein Irrglaube, wie auch die Geschehnisse in Halle zeigten.

Damit erinnerte Güntner an den antisemitischen Anschlag 2019 in Halle an der Saale, bei dem Stephan B. vergeblich versucht hatte, schwer bewaffnet in eine Synagoge einzudringen. Später tötete der Rechtsextremist zwei Menschen und verletzte bei seiner Flucht zwei weitere schwer. Über solche Taten machte sich auch eine Teilnehmerin der Veranstaltung Gedanken: "Wir sprechen jeden Tag davon, dass wir gegen den Antisemitismus sind. Aber wir leben es nicht. Für uns hat es keine Konsequenz."

Polizei passte auf

Auch in Kitzingen war am Dienstagabend eine Polizeibegleitung vor der Synagoge nötig. Der Oberbürgermeister bedauerte das, denn vor katholischen oder evangelischen Kirchen müsse keine Polizei Wache stehen und aufpassen.

Im Anschluss an die Rede sprach Dekanin Kerstin Baderschneider ein Gebet, in dem vor allem die Worte "Wir würden gerne mutiger sein als jene, die die Synagoge brennen sahen, und nicht protestierten" schwer wiegten.  Ähnliche Gedanken äußerte Georg Feser, der an dem Gedenken teilnahm: "Wichtig ist, dass an dieses Ereignis erinnert wird. Es darf sich nicht wiederholen. Als Kitzinger ist das unsere besondere Verpflichtung."