Das Gartenjahr ist abwechslungsreich und für Gartenliebhaber, gibt es immer was zu tun. Aufräumen, anpflanzen, gießen, schneiden, ernten, umgraben. Mit etwas Mut zur Unordnung können Gartenfreunde in ihrem Garten heimischen Pflanzen eine Chance geben, die vielerorts selten geworden sind oder auch noch in trockenen Sommern gut dastehen, berichtet Jessica Schwittek, Fachberaterin für Technik im Gartenbau in ihren Tipps für den Monat August.

Auf dem Außengelände des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen (AELF KT-WÜ), zählen ökologische Entwicklungen mehr als vermeintliche Schönheit. Auf unterschiedlich gestalteten Flächen mit Blühmischungen, Gehölzen und Bodendeckern wird hier ein reiches Frühlings- und Sommerbuffet angeboten. Strukturen wie ein verrottender Birnbaum, ein kleines Wasserbecken und eine Bruchsteinmauer bieten Platz zum Unterschlupf und dienen als Baumaterial. Der Vorteil: Extensive Flächen benötigen weniger Pflege und fördern Lebensräume für Flora und Fauna.

"Veitshöchheimer Blaulicht" im Garten

Die Blühmischung „Veitshöchheimer Blaulicht“ wurde im Februar 2019 auf einem der drei Sandbeetstreifen ausgesät. Sie benötigt vor allem wenig Wasser und kommt auf der mageren Fläche ohne Düngung am besten aus. Wollschweber, verschiedenfarbige Käfer und unterschiedliche Wildbienen- und Schmetterlingsarten, wie die Mauerbiene und der Bläuling, bedienen sich fleißig. Auf der Fläche nebenan wächst wilde Wiese, die mit dem Farbspektrum vom Nachbarbeet nicht mithalten kann, ökologisch aber noch wertvoller ist.     

Im letzten Jahr wurde zum ersten Jahresschnitt im Juli eine kleinere Grasfläche stehen gelassen, ein sogenannter Altgrasstreifen. „Der Grasstreifen wird vielen Insekten als Winterquartier dienen,“ sagt Nicolas Galgan, Fachberater für Marketing im Gartenbau und Kümmerer für Außenflächen. Galgan hat sich Gedanken über die Standortmöglichkeiten gemacht. „Für die Folgejahre ist ein kleines Konzept sinnvoll, da der Altgrasstreifen von Jahr zu Jahr über die Fläche wandert.“

Traubenhyazinthen, Spitzwegerich, Acker-Vergissmeinnicht, Frauenmantel und Schafgarbe strecken im Frühjahr ihre Blätter und Blüten als erstes durch den Altgrasstreifen. Ihnen folgen im Sommer Gräser, Klee, der kleine Wiesenknopf und Storchschnabel. Hier entwickeln sich Arten die zur Familie der Heilpflanzen gehören oder als Küchen- und Teekräuter verwendet werden könnten.

Puppenstube für Schmetterlinge im Garten

Vor allem Schmetterlinge nutzen dies als Puppenstube. Der Zitronenfalter zum Beispiel, hält im hohen Gras Sommerruhe und Winterstarre. Insekten legen an den getrockneten Pflanzenstängeln ihre Eier ab oder überwintern in den Hohlräumen. Damit diese sicher im neuen Jahr schlüpfen können, sollte hier erst Ende Mai, Anfang Juni mit dem ersten oder zweiten Schnitt gemäht werden.

Wichtig ist, dass bereits ein Streifen für das neue Winterquartier festgelegt und stehen gelassen wird. Wenn Sie bei weniger Platz zwei Flächen jährlich oder spätestens alle zwei Jahre miteinander wechseln, verhindern Sie eine einseitige Vegetation und Verbuschung. Können Sie mehr Platz hergeben, sollte der Grasstreifen jährlich um eine Breite verschoben werden.

Bei Standorten, vor allem im ländlichen Raum, an denen Arten wie beispielsweise das Jakobs-Greiskraut zu stark gefördert würden, ist Rücksicht auf die Nachbarn geboten. Für einige Tiere, besonders Pferde, ist diese Pflanzenart bei Verzehr, auch im Heu, giftig, weshalb die Ausbreitung hier begrenzt werden sollte.

Anregungen für den Garten finden Interessierte auf dem Gelände des AELF KT-WÜ in der Mainbernheimer Straße 103 in Kitzingen und bei der Gartenakademie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim.

Weitere Infos: https://www.lwg.bayern.de/gartenakademie, E-Mail: bay.gartenakademie@lwg.bayern.de. Die örtlichen Gartenbaubetriebe und Gartenbauvereine sind ebenfalls Ansprechpartner für Pflanzenauswahl und Pflegemaßnahmen.