Im Grünen sitzen und die Seele baumeln lassen: Geht das in einem Umfeld, das mancher als "Garten des Grauens" empfindet? Die Diskussion um die sogenannten Steinwüsten, vorwiegend in Neubaugebieten, hat in jüngster Zeit deutlich an Fahrt und an Leidenschaft gewonnen. In Volkach, wo der Stadtrat Ende Juli die Festsetzungen für das neue Baugebiet „Am Escherndorfer Weg II“ in Astheim getroffen und Schottergärten ausgeschlossen hat, ging der Beschluss noch eher im Sommerloch unter. Anfang Oktober zog Dettelbach nach, sprach sich mit großer Mehrheit gegen die Kiesgärten bei Neubauvorhaben aus und löste damit eine zum Teil hitzige Diskussion aus. „Eine mutige Entscheidung“, wie die Iphöfer Stadträtin Peggy Knauer findet. Sie griff das Thema in der jüngsten Bauausschusssitzung auf und bat die Verwaltung, die Sache zu prüfen.

In Iphofen gibt es bislang nur wenige Nachfragen

Knauer sieht akuten Handlungsbedarf und sagt: „In Baugebieten werden wir mit solchen Kiesaufschüttungen überrannt.“ Das kann Petra Krist als Leiterin des Sachgebiets Bauverwaltung im Iphöfer Rathaus zwar nicht bestätigen. Bislang kämen nur wenige Nachfragen zu dem Thema, und es gebe nur vereinzelte Fälle. Aber auch sie sagt über die neue Generation der Häuslebauer: „Der Trend geht zu pflegeleicht.“ In weiser Voraussicht hat der Stadtrat deshalb für das neueste Baugebiet Geiersberg II einen Passus in den Bebauungsplan aufgenommen, der sich um den Begriff Kies- oder Schottergärten drückt, aber im Grunde dasselbe meint, wenn er sagt: „Flächige Steinschüttungen sind nicht zulässig.“

Darauf hat auch Bürgermeister Dieter Lenzer verwiesen, als das Thema Anfang der Woche im Bauausschuss kurz zur Sprache kam. Das Verbot der Steingärten im Geiersberg ist wohl auch der Topografie des Baugebiets geschuldet – es liegt auf einem weithin sichtbaren Plateau im Nordwesten der Stadt. Petra Krist vom Bauamt sagt: „Durch die Schräglage der Grundstücke gibt es dort eine gewisse Fernwirkung.“ Von Weitem betrachtet, hätten die „flächigen Schüttungen“ wohl tatsächlich einen äußerst nachteiligen Effekt in einer Gegend, die laut Krist mit Natur und Naherholung wirbt.

Neben den Steingärten gibt es noch einen anderen Trend 

Kommunen haben mit Hilfe von Bebauungsplänen ein gängiges und bewährtes Instrument, auf die Bauleitplanung einzuwirken und damit auch den Rahmen für die Gestaltung von Grundstücken und Gärten zu setzen. Theoretisch können sie auch bestehende Bebauungspläne ändern und dabei Steingärten ausschließen. Was sie laut Krist nicht können: in Altbestände eingreifen. Gärten, die unter dem Einfluss rechtsgültiger Bebauungspläne entstanden sind, genießen Bestandsschutz. Nur wenn sie neu angelegt würden, müssten Bauherrn auf geänderte Regelungen reagieren. Allerdings sieht die Bauamtsleiterin neben dem Trend zu Kiesgärten noch eine andere Entwicklung: „Die Grundstücke werden kleiner. Da sind Steinschüttungen nicht so das Thema, vor allem nicht im ländlich geprägten Raum.“

In Iphofen will Bürgermeister Lenzer das Thema nun von der Verwaltung „prüfen“ lassen. Eine Tendenz, ob Stein- oder Schottergärten in Neubaugebieten künftig generell verboten werden, ließ sich im Bauausschuss nicht ausmachen. Das oft gehörte Argument, sie seien pflegeleichter, kann Petra Krist jedenfalls nicht nachvollziehen. „Ich tue mir doch leichter, einmal in der Woche den Rasen zu mähen, als ständig das Unkraut zwischen den Steinen herauszuziehen.“