Eine kleine Schatzruhe mit verborgenen Talenten, die es zu entdecken gilt, war das symbolische Abschiedsgeschenk für Renate Jüstel. Die Leiterin des Dettelbacher Kindergartens Sankt Maria wurde am Freitag nach 44 Jahren in einer Feierstunde im Garten der Einrichtung in den Ruhestand verabschiedet. Der Caritasverband zeichnete sie aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes für Familien mit dem Ehrenzeichen in Gold aus.

Die Urkunde überreichten der Vorsitzende des Kindergartenvereins Dominik Bergner und seine Stellvertreterin Marion Deinzer. Die Abschiedsfeier eröffneten Jüstels Kolleginnen und Kollegen. Sie überreichten der angehenden Ruheständlerin symbolische Gegenstände, die sie während ihrer Dienstzeit mit ihr verbanden. So erfuhren die Gäste, dass Jüstel immer offen für Anliegen war und täglich Klein und Groß neue Chancen verteilte. "Du warst meistens früh die Erste und abends die Letzte, die den Kindergarten verließ", lobte eine Kollegin. Der "Fels in der Brandung sei für die Kinder wie eine Mutter gewesen.

Eine Herzensangelegenheit

Es wurde emotional, Tränen flossen. Die langjährige Kindergartenchefin habe immer den Schlüssel für die Herzen getragen, betonte ihre Nachfolgerin Katja Renz. Vom Caritasverband dankten Peter Greubel und Marlene Engel der Kita-Ikone mit dem Appell: "Gönne Dich Dir selbst." Engel erinnerte an die Anfangsjahre, als Sicherheits- und Datenschutzbeauftragte im Kindergarten noch Fremdworte waren. "Die Arbeit im Kindergarten war für Sie nicht nur Beruf, sondern eine Herzensangelegenheit", betonte die Fachberaterin für Kitas. Sie überreichte Jüstel einen Brief von Domkapitular Clemens Bieber, der ihren Einsatz über Jahrzehnte würdigte. Sie habe die ihr anvertrauten Kinder auf der Grundlage des christlichen Welt- und Menschenbildes in ihrer Entwicklung gefördert und das Miteinander in der Gesellschaft eingeübt. In ihrem Bestreben, ihre Kinder trotz manchmal schwieriger Lebensumstände gut zu erziehen, habe sie die Eltern immer unterstützt und entlastet.

Bürgermeister Matthias Bielek erinnerte an seine eigene Kindheit, als er selbst von Renate Jüstel im Kindergarten betreut wurde. "Die letzte verbliebene Säule geht nun in den Ruhestand", so das Stadtoberhaupt. 44 Jahre im Dienst der Familien seien ein großartiges Lebenswerk. Dass Jüstel "viele gute Wege ebnete", betonte Diakon Lorenz Kleinschnitz. Zusammen mit Kirchenpfleger Roland Gast überreichte er eine Orchidee der Katholischen Kirchenstiftung. Das melancholische Geigenstück von Selin Hürriyetoglu sorgte für Gänsehautgefühle.

1977 begonnen

Kindergartenvereinsvorsitzender Bergner ließ die Dienstzeit Jüstels Revue passieren, für die der Startschuss 1977 als staatlich anerkannte Sozialerzieherin im Kindergarten Sankt Maria fiel. "Sie haben große Herausforderungen gemeistert und Ihrem Kindergarten ein unverwechselbares Profil gegeben." Turbulent seien ihre letzten Amtsmonate gewesen, weil "Corona uns allen sehr viel abverlangt hat." Erfolge schaffe man nicht alleine, dankte die Ruheständlerin einem "tollen Team. "Wir waren immer gut vernetzt."