In Westheim sollen im Bereich des Lindelbacher Tores fünf neue Bauplätze entstehen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag mehrheitlich die Variante mit einer Stichstraße für die Erschließung der hinteren beiden Grundstücke. Tags zuvor hatte sich der Gemeinderat bereits nicht öffentlich bei einer Informationsveranstaltung mit der Thematik befasst, um sich auch über den 2007 für ungültig erklärten Bebauungsplan "Am Lindelbacher Tor" informieren zu lassen.

Bürgermeister Roland Hoh nutzte den Tagesordnungspunkt für eine Erklärung vorab. Er habe entschieden, die Ausweisung von Bauplätzen und Gewerbeflächen im Ortsteil Westheim zunächst zurückzustellen. Als Gründe nannte Hoh die Vielzahl geplanter Projekte in Biebelried, die Kommunalwahlen in diesem Jahr, die Umstellungen in der Verwaltungsgemeinschaft Kitzingen sowie die Unterbesetzung im Bauamt. Gemeinderätin Andrea Czech bedauerte, dass diese Erklärung erst jetzt komme. Durch mehr Transparenz hätte man sich viele Nachfragen im Gemeinderat ersparen können.

Gutachten soll klären, ob Wohnen und Landwirtschaft möglich ist

Mittlerweile ist ein Ingenieurbüro beauftragt, die Landwirtschafts- und Gewerbelärmimmissionen und die Geruchsimmissionen im Plangebiet zu ermitteln. Ein Gutachten soll klären, ob ein verträgliches Nebeneinander von Wohnen und Landwirtschaft möglich ist.

Dieses Gutachten hat eine gewisse Bedeutung. Der Ursprung reicht bis Ende der 90er Jahre zurück. Auf der Fläche gegenüber dem Kindergarten bis zum jetzt geplanten Baugebiet hätte schon vor 20 Jahren ein Baugebiet entstehen können, was der damalige Bürgermeister Wilhelm Kreuzer und sein Gemeinderat gerne gewollt hätten. Rund 20 Bauplätze mit Grundstücksgrößen zwischen 600 und 800 Quadratmetern sollten geschaffen werden, genügend Platz für bauwillige junge Leute, um diese im Ort zu halten. Mit dem Vorhaben wollte die Gemeinde im kleinsten der drei Ortsteile zum ersten Mal überhaupt neue Bauflächen schaffen.

Doch Ende 2004 unterlag die Gemeinde in einem erbittert geführten Rechtsstreit mit einem Landwirt. Dieser hatte damals angegeben, in einer Entfernung von 120 Metern vom geplanten Baugebiet einen Stall für 700 Mastschweine bauen zu wollen.  

Gemeinde verlor 2007 vor dem VGH in München

Danach plante die Gemeinde mit geänderten Voraussetzungen. Doch 2007 brachte ein Bescheid des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) das Ende. Das Würzburger Verwaltungsgericht hatte ja bereits dem Landwirt Recht gegeben und ferner die Ausweisung des Baugebietes als "Mischgebiet Dorf" eine "Scheinausweisung" genannt, da es sich bei den 20 Bauplätzen in Wahrheit um ein reines Wohngebiet handle. Gegen den Würzburger Richterspruch hatte die Gemeinde beim VGH in München Berufung eingelegt und 2007 verloren. "Mit der Entscheidung ist das Baugebiet gestorben", zitierte diese Zeitung den damaligen Bürgermeister Kreuzer.

Der heutige Bürgermeister Roland Hoh sieht diese Entscheidung ähnlich fatal für Westheim wie sein Vorvorgänger. "Uns fehlt in Westheim eine ganze Generation", bedauert er. Denn die jungen Leute hätten sich woanders Bauplätze gesucht. Noch der Vollständigkeit halber: Der Mastschweinestall ist bis heute nicht gebaut.