Kies, Unkrautvlies, Mähroboter und Laubsauger sind in einem zertifizierten Naturgarten sicher nicht zu finden. Doch was ist ein Naturgarten eigentlich genau? Und welche Kriterien muss er erfüllen? Fünf Gärten aus Stadt und Landkreis Kitzingen haben für ihr Gartenparadies die Auszeichnung "Naturgarten Bayern blüht" erhalten, informiert eine Pressemitteilung der Abteilung Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen.

Die Auszeichnung verleiht das Bayerische Landwirtschaftsministerium mit der Landesvereinigung Gartenbau Bayern. Mit der Zertifizierung würdigen die Verbände eine boden- und wasserschonende Bewirtschaftung sowie den Erhalt der Artenvielfalt im Haus- und Kleingarten – und regen damit zur Nachahmung an. Wer mit der Gartenplakette ausgezeichnet wird, leistet einen Beitrag für die Vielfalt der Umwelt. Allerdings müssen einige Hürden genommen werden. Die Beurteilung und das Prozedere sind bayernweit einheitlich geregelt. Es werden vier "Kern"- und 14 "Kann"-Kriterien bewertet.

Um die Plakette "Naturgarten Bayern blüht" zu erhalten, müssen sich Gartenbesitzer verpflichten, nur organische Dünger und biologische Pflanzenschutzmittel einzusetzen, auf Torf und "Stein- bzw. Schottergärten" zu verzichten und durch Obstbäume, Sträucher, Hecken, Blühflächen, Blumen, Gemüse und Kräuter artgerechte Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere zu schaffen.

Anneliese Max, Evelyn Hatzung und Christine Bender sind ausgebildet für die Zertifizierung und übernahmen die Prüfung in den Kitzinger Gärten. Mit der Auszeichnung werden die besonders umweltschonende Bewirtschaftung und die Anstrengungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt gewürdigt, so die Mitteilung.

Alter Doktorgarten der Familie Braun, Markt Einersheim

Hinter dem alten Doktorhaus der Familie Braun in Markt Einersheim liegt im Verborgenen ein Naturparadies. Von der großzügigen Terrasse, die von vielen Topfpflanzen, Rosen und zahlreichen Stauden eingebunden wird, eröffnet sich der Blick auf einen klassischen Bauerngarten mit Gemüse und Blumen. Eine alte Muschelkalktreppe führt von dort den, mit einer Vielzahl von Obstbäumen bestandenen, Hang hinunter.

Auf den Wiesenflächen unter dem mächtigen Hühnerstall an der Rückseite der Scheune liegen versteckte kleine Ruheplätze, von denen man aus ganz verschiedenen, Perspektiven den Garten erleben und die Seele baumeln lassen kann. Wer möchte, kann den Gartenbesuch bei Kaffee und Kuchen im eigenen kleinen Wohnzimmer Cafe ausklingen lassen.

Garten Familie Posorski-Schilling, Wiesenbronn

Die Familie Posorski-Schilling hat sich Wiesenbronn als Altersruhesitz auserkoren und lässt nun auf ihrem 1200 Quadratmeter großen Grundstück ihren Ideen freien Lauf. Es sind schon viele kleinteilige Bereiche entstanden. Muschellkalktrockenmauern geben die Grundstrukturen vor und teilen den Garten ein. So entstanden ein Senkgarten als Freisitz für die Einliegerwohnung und Wiesenbereiche mit einzelnen Sträuchern prägen den Vorgarten.

Im hinteren Gartenteil entstanden der Gemüsegarten und eine großzügige Terrasse. Die Bauherren haben ein Faible für Minzen und so findet man unzählige Arten in Töpfen entlang des Hauses. Insektenhotels und Nistkästen bieten zahlreiche Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten an. Das neueste Projekt der Hausherrin ist ein kleines Alpinum direkt oberhalb der Terrasse. Noch ist Platz im Garten .es können also auch noch in Zukunft neue Ideen verwirklicht werden.

Familie Patzwahl, Sulzfeld a. Main

Ein richtiger Naschgarten mit einer Vielfalt an Früchten wie beispielsweise Maulbeeren ist der Garten von Familie Patzwahl in Sulzfeld. Das Wohnhaus mit den Sitzplätzen mit besonderen Kübelpflanzen wird eingerahmt vom Vorgarten, einer richtigen Wiese rund um das Haus mit vielen Kräutern, Rosen, verschiedenen Obstbäumen und heimischen Sträuchern sowie einem Nutzgarten.

Sehr umweltfreundlich geht Familie Patzwahl mit dem Wasser um. Eine Zisterne liefert das Wasser für die automatische Bewässerung in den Gemüsebeeten. Neben Erdbeeren versorgt der Nutzgarten die Familie das ganze Jahr über mit Salat, Bohnen, Erbsen, Mangold, Fenchel, Zuchini und Tomaten. Auf Anti-Schnecken-Bleche "da schwören wir drauf seit Jahrzehnten", so die Gartenbesitzer. Sie seien sind eine nützliche Erfindung zur ökologischen Schneckenabwehr, auch wenn sie nicht gut aussehen.

Der Erhalt und die Förderung der heimischen Tierwelt im Garten sind heute, in Zeiten des Artensterbens, von unschätzbarem Wert, so die Pressemitteilung. Vielmehr noch, der Garten biete einen wunderbaren Erlebnisraum für das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen, für das Verstehen von Naturzusammenhängen und Stoffkreisläufen. Hier werde nach dem Rhythmus der Jahreszeiten und mit den Gesetzen der Natur gelebt.

Wer mit der Gartenplakette "Bayern blüht – Naturgarten" ausgezeichnet wird, leiste einen wertvollen Beitrag für die Vielfalt in unserer Umwelt, so Christine Bender, Landwirtschaftsrätin und Geschäftsführerin des Bezirksverbands der Obst- und Gartenbauvereine in Unterfranken.

Beatrix Freihöfer, Kitzingen

Im Garten von Beatrix Freihöfer in Kitzingen fanden die Juroren blühende Ringelblumen neben Salat und Kräutern. Schmetterlinge, Taubenschwänzchen und Bienen besuchen die Vielzahl der Blüten und holen sich Nektar und Nahrung. Mit viel Aufwand und noch mehr Freude bewirtschaftet die Gartenbesitzerin die verschiedenen Gartenräume und Anlage aus den siebziger Jahren naturnah und umweltschonend. "Entspannung pur und Abschalten als Ausgleich zu Beruf und Alltag können kaum mehr sein", so Beatrix Freihöfer.

Anita Wagenhäuser, Volkach

Ein richtiges Gartenparadies mit viel Wissen und Herzblut hat Anita Wagenhäuser in Volkach geschaffen. Blühflächen, Rosen, Stauden-und Kräutervielfalt, besondere Zweinutzungshühnerrassen, eine Vielfalt an Kartoffel- und samenfesten Tomatensorten, wassersparende Anbauweise und  Bewässerung mit Zisternenwasser, Mischkultur, heimische Sträucher, Obst- und Laubbäume finden sich im Nutz- und Wohngarten. Gekonnt angelegte Gartenräume und romantische Sitzplätze im Wohngarten geben reichlich Platz zum Sitzen und Genießen, zum  Träumen und Entspannen.

Von natürlichen Lebenkreisläufen lernen

Auch ein Naturgarten will gepflegt sein, so die Pressemitteilung des AELF Kitzingen. Naturgarten bedeute nicht, der Wildnis freien Lauf zu lassen, sondern meine das bewusste Gestalten im Einklang mit der Natur. In der Gartenbewirtschaftung heiße das, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie anzukämpfen. Von natürlichen Lebenskreisläufen lernen, heiße für den Gartenbesitzer Kompostwirtschaft zu betreiben, Nützlinge zu fördern, Mischkultur und Fruchtfolge im Gemüsebeet zu planen, auf richtige Bodenpflege zu achten und Regenwasser zu nutzen. Ein stabiles ökologisches Gleichgewicht solle das Ziel des Gärtners sein. Naturnah zu gärtnern sei auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Jeder ist aufgerufen in seinem Garten etwas zu unternehmen.
Informationen zur Zertifizierung und zur Anmeldung "Naturgarten Bayern blüht" erhalten sie bei der Bayerischen Gartenakademie in Veitshöchheim unter https://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/veranstaltungen/215964/index.php
Quelle: AELF Kitzingen