Eine freudige Überraschung erlebte Hermann Diedrich Ende April in Amsterdam bei der Eröffnung der „World-Press-Photo-Ausstellung“ mit den weltbesten Pressefotos des Jahres 2016: „Es war ja schon überragend, wie die preisgekrönten Aufnahmen in der Nieuwe Kerk, einer spätgotischen Basilika, präsentiert wurden. Aber dass die ausgezeichneten Fotografen direkt bei ihren Werken standen und man mit ihnen über Entstehung und Wirkung ihrer Bilder sprechen konnte, war das beste Erlebnis überhaupt.“

Die Reise hatte Diedrich, der aus Reichenberg bei Würzburg kommt, beim Publikums-Wettbewerb der 11. World-Press-Ausstellung in Kitzingen gewonnen. Diedrich hatte das Thema „Brücken bauen“ mit seiner Collage aus Banknoten, syrischer Landkarte und Playmobil-Figuren laut Urteil der Jury am überzeugendsten umgesetzt.

Kulturbrücken

Angelehnt war die Aufgabenstellung „Brücken bauen“ an die Unterfränkischen Kulturtage im Juli in Kitzingen unter dem Motto „Kultur-Brücken“, wie Bürgermeister Stefan Güntner bei der Preisverleihung am Montagabend im Rathaus erklärte.

Eingeladen waren die zehn Gewinner des Hauptwettbewerbs und der Sonderpreise für Jugend sowie Vereine und Gruppen. Güntner lobte die Qualität und die Botschaften der 152 Bilder, die 85 Teilnehmer eingereicht hatten. „Kreativität und Fantasie waren keine Grenzen gesetzt“, so der Bürgermeister. Egal, ob es um tatsächliche Brücken, Beziehungen von Menschen, von Jung und Alt, von Tieren und Natur oder von Religionen gegangen sei.

Fester Bestandteil der Ausstellung

Der Publikumspreis sei fester Bestandteil der World-Press-Ausstellung in der kleinsten Teilnehmerstadt. „Toll ist: Wir stehen da in einer Reihe mit Rio oder London.“ Und im Verhältnis zur Einwohnerzahl Kitzingens seien 26 300 Besucher wie 2017 einsame Spitze. „Deshalb wird uns das World-Press-Komitee die Ausstellung wohl auch kaum wegnehmen“, ist Güntner überzeugt.

Hermann Diedrich hat in Amsterdam auch das internationale Flair beim Kongress mit den Fotografen gefallen. „Es gab bewegende Schilderungen. Und bisweilen auch die bittere Erkenntnis, dass die Bilder nicht immer etwas bewirkt haben.“

Das erste Mal

Diedrich war mit seiner Frau eingeladen und hatte seine beiden Kinder auf eigene Kosten mit nach Holland genommen. „Wir waren das erste Mal da und fanden es richtig schön“. Nur in einem Punkt sei Tochter Daria ein wenig enttäuscht gewesen. „Sie hatte sich so auf das Anne-Frank-Haus gefreut, extra das Buch gelesen. Und dann war die Warteschlange so lange, dass wir es letztlich aufgeben mussten.“

Daria hatte bei dem Publikumswettbewerb übrigens den Jugend-Sonderpreis gewonnen mit einem Foto, das zwei Kakteen-Blüten zeigt, die sich zugeneigt sind. Dafür gibt es Cineworld-Gutscheine für die ganze Familie, „allein würde es ja keinen Spaß machen“, so Stefan Güntner.

Den Sonderpreis für Vereine und Gruppen holte sich die Klasse Ü12 der Kitzinger D.-Paul-Eber-Schule. „Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken“ lautete das Statement zu Bildern die zeigten, wie es sein sollte. Besonders groß ist jetzt die Freude auf den nächsten Schulausflug: Dann gibt es als Preis eine Einladung zum Pizzaessen, und ganz nebenbei wird eine weitere Brücke – nach Italien – geschlagen. Bemerkenswert: Trotz relativ weiter Anreise haben Helmut Konrad aus Kulmbach (ca.

140 Kilometer) und Ruth Kronau-Neef aus Heilsbronn (knapp 100 Kilometer) ihre Preise persönlich in Empfang genommen. Gefehlt hat der erkrankte Volkmar Röhrig. Beifall für den „Vater der Kitzinger Ausstellung“ gab es trotzdem.

Die weiteren Preisträger

2. Eric Colditz (Kitzingen), 3. Karin Heim (Triefenstein), 4. Ruth Kronau-Neef (Heilsbronn), 5. Monika Hofmann (Ochsenfurt), 6. Bernd Heller (Ochsenfurt), 7. Edwin Fuchs (Kolitzheim), 8. Helmut Konrad (Kulmbach), 9. Markus Hiltscher (Kitzingen), 10. Silvia Weikert (Kitzingen).