Mit der Politik kommt ein bisschen Hoffnung zu Kamal Abdullah Ali. Der Asylbewerber aus dem Irak und seine Mitbewohner wissen gar nicht, wie ihnen geschieht – offizielle Anzugträger im Haus in der Schwanenstraße Nummer 7 in Kleinlangheim: Ortstermin mit Günther Felbinger von den Freien Wählern. Der Landtagsabgeordnete besucht die Gemeinschaftunterkunft (GU) für Asylbewerber, will sich auf den neuesten Stand bringen vor den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2013/2014 – spätestens seit den Würzburger Hungerstreiks steht das Thema nahezu auf jeder Politikeragenda in Unterfranken.

„Ohne Ehrenamtliche geht es aktuell nicht.“

Abgeordneter Günther Felbinger zur Betreuung von Asylbewerbern

Kamal Abdullah Ali lebt in einem Dreierzimmer. Die Wände sind kahl und werden es wohl auch bleiben. Angekommen ist der 25-jährige Iraker auch nach neun Monaten nicht. Seine Freundin lebt nahe der deutschen Grenze in Holland. Auf dem Weg zu ihr ist er in München festgenommen worden: Obligatorische drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung folgten, dann der Umzug nach Kleinlangheim.

Durch das offene Fenster weht schwüler Sommerwind in den gut 20 Quadratmeter großen Raum. Jeder Asylbewerber hat gesetzlichen Anspruch auf sieben Quadratmeter. Warum dann nur zwei Betten zu sehen seien, fragt Günther Felbinger. Der Dritte schlafe auf dem Boden. Abdullah Ali antwortet auf Englisch. Der Deutschkurs einmal die Woche im Gemeinschaftsraum trägt nur langsam Früchte. Dabei ist er der einzige im Haus, der sich aktiv unter die Kleinlangheimer Nachbarschaft mischt: Fußball und Tischtennis spielt er regelmäßig im Verein. Zu Freundschaften reiche das aber nicht. Selbst im Haus halten sich intensive Gespräche zwischen Essen, Warten, Essen und wieder Warten in Grenzen: „Wir reden nicht über zu Hause“, sagt der Iraner Amin Sharifi. Doch einig sind sie sich: So vorgestellt hat sich keiner das Leben in Deutschland. „Frei sind wir auch hier nicht.“

Arbeiten würden sie alle gerne und sich so Möglichkeiten eröffnen. Die Hälfte der 40 Euro Taschengeld im Monat zahlt Sharifi allein an seinen Anwalt. Der Internetkontakt per Surfstick frisst weitere 15 Euro.

Als „Mädchen für alles“ sieht sich Maruschka Hofmann-Sircelj: Arztbesuche, Hygienekurse, mütterlich-mahnende Worte – gemeinsam mit Helmut Römpp vom Arbeitskreis Asyl ist sie für alles zuständig. „Ohne Ehrenamtliche geht es aktuell wohl nicht“, so Felbinger. Das will er ändern in der bayerischen Asylpolitik. Wie Landrätin Tamara Bischof hält er nach diesem Tag eines für unerlässlich: Mehr Asylbewerber brauchen auch mehr betreuendes Personal.

GU Kleinlangheim

Asylbewerber im Kreis Kitzingen: Seit 2009 steigen die Antragszahlen. Jedes Jahr suchen rund zwölf Prozent mehr Menschen Unterschlupf in Deutschland, das Budget jedoch hat sich nicht angepasst. Im Kreis Kitzingen wohnen zurzeit 120 Asylbewerber – 46 in der Kitzinger Unterkunft, 74 in der Kleinlangheimer. Damit hat der Landkreis sein Soll erfüllt, das sich anteilig zur Bevölkerungszahl festsetzt.

Kleinlangheim: 1993 eröffnete die Regierung in den vier Sechsfamilienhäusern eine Außenstelle der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Kitzingen. Ab 2006 wurde die Unterkunft wegen rückläufiger Asylbewerberzahlen geschlossen. Mit dem gegenläufigen Trend wurden die Eigentumswohnungen im Mai 2011 wieder angemietet und im Oktober neu bezogen. Die GU wird derzeit von Würzburg aus mitverwaltet. JHA