"Wir haben gezeigt, wie vielfältig und lebendig Franken ist und auf die Bedeutung des Weines für den ländlichen Raum hingewiesen. Ich glaube, unsere Botschaft ist angekommen." Mit diesem Fazit fuhr der Fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann am Donnerstag müde, aber zufrieden von Brüssel zurück nach Hause. Er hatte dort gemeinsam mit Vertretern der unterfränkischen Regierung an einem Fachgespräch zum Thema "Weinbau und ländliche Entwicklung" teilgenommen. Gesprächspartner waren Vertreter des Europäischen Parlaments, der Europäischen Kommission und des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, weshalb Steinmann die Anliegen der fränkischen Winzer direkt bei den Mulitplikatoren vorbringen konnte. Aber er hatte auch Musik, Trachten, Tänze, Weinprinzessinnen und natürlich Wein im Gepäck, um in der bayerischen Vertretung des Europäischen Parlaments ein ausgelassenes Frankenweinfest zu feiern. Beide Projekte verliefen ausgesprochen erfolgreich.
Zunächst erläuterte Steinmann den Politikern die Bedeutung der fränkischen Kulturlandschaft für den Tourismus und die Gefahr, die die Liberalisierung der Pflanzrechte für diese Landschaft darstellt. Er erinnerte an den "fränkischen Weinsee" in den 2000er Jahren und berichtete, was sich seitdem in Franken auf dem Gebiet Weinbau und Weintourismus getan hat. "Franken steht hier beispielhaft für die vielen kleinen Weinbauregionen Europas: Burgund, Südtirol, Bordeaux - auch sie können Wein nicht zu Discount-Preisen produzieren, wie die großen Hersteller in den USA oder Australien." Darum sei es unerlässlich, die europäischen Winzer und ihre Regionen zu unterstützen - durch die Verlängerung des Pflanzrechteregimes und eine Förderpolitik, die den ländlichen Raum stärkt.
Der Weinbaupräsident bekam für seine Ausführungen breite Zustimmung unter den anwesenden Europaabgeordneten. Alle - ob aus Sachsen, Südtirol, Luxemburg oder Österreich - waren der Meinung, dass der Weinbau ein Kulturgut ist, das es zu schützen gilt. "Pflanzrechte sind viel mehr als die simple Frage, wer wo Wein anbauen darf. Sie sind eng verknüpft mit der Steillagenbewirtschaftung und dem Erhalt unserer Kulturlandschaft, der Biodiversität und der kleinen Familienbetriebe", betonte die unterfränkische CSU-Europaabgeordneten Anja Weisgerber - Initiatorin des Festes und des Fachgesprächs.

Ein erster Erfolg


Die Abgeordneten aus den Weinbaugebieten haben auch schon einen ersten Erfolg zu verzeichnen: Das Europäische Parlament hat sich in einer vom Oberpfälzer CSU-Agrarpolitiker Albert Deß initiierten Resolution mit überwältigender Mehrheit für eine Verlängerung der Pflanzrechte über 2018 hinaus ausgesprochen. Als Reaktion darauf hat die Europäische Kommission eine Experten-Gruppe ins Leben gerufen, die bis zum Ende des Jahres Empfehlungen über die Zukunft der Pflanzrechteregelung erarbeiten soll. "Ich bin recht zuversichtlich, dass wir Mehrheiten im Interesse der Winzer zusammen bekommen", sagte Deß.

Immer noch zu viel Wein


Mit dieser Meinung stand er nicht alleine. Aly Leonardy aus Luxemburg, Vizepräsidenten der Versammlung der 75 Weinbauregionen Europas, betonte, dass die Vereinigung einstimmig für die Beibehaltung der Pflanzrechte sei. "Und das wird so der Kommission übermittelt." Eine Liberalisierung gehe auch nicht mit einem immer noch herrschenden Weinüberschuss zusammen, der sich in EU-geförderten Rodungen von Weinanbauflächen niederschlage.
Steinmann zeigte sich nach dem Gespräch erleichtert über so viel Zuversicht und Unterstützung. "Die EU-Abgeordneten sind für den ländlichen Raum sensibilisiert - Gespräche wie dieses sind nötig, damit den Worten auch Taten folgen." So konnte die Region ganz persönlich Druck ausüben, der am Ende die Kommission erreichen soll, damit die Liberalisierung noch einmal zur Debatte gestellt wird.
Zu dieser Bewusstseinsbildung beigetragen hat sicher auch das Weinfest, von dem die über 500 Gäste mehr als angetan waren. "Sie haben unseren Weinen gut zugesprochen", berichtet die Albertshöfer Weinprinzessin Regina Ehrlich schmunzelnd. Sie hatte mit ihren Kolleginnen aus ganuz Franken die Bewirtung übernommen. Nicht nur der Wein, auch die Trachtengruppe und nicht zuletzt "häisd'n'däisd vomm mee" sorgten für gute Stimmung im Innenhof der Bayerischen Vertretung.
"Wir haben den Spagat von Tradition über Selbstironie bis zur Modernität geschafft", freute sich Steinmann. Und mit ihm freute sich das internationale Publikum, das bis nach 2 Uhr tanzte, sang und feierte und den Einblick in Brauchtum, Lebensart und Humor aus Franken so schnell sicher nicht vergessen wird.