Über 90 Prozent der bayerischen Zwetschgen werden in Franken produziert. Das mit Abstand bedeutendste Anbaugebiet für Zwetschgen in Bayern ist die Gegend um die Mainschleife bei Volkach (Lkr. Kitzingen) mit den Gemeinden Fahr, Astheim, Stammheim und Lindach. Nirgendwo sonst findet man auf einem eng begrenzten Raum soviele Zwetschgenbäume.

"In diesem Jahr gibt es europaweit zu wenig Zwetschgen", sagt Dieter Barthelme aus Fahr (Lkr. Kitzingen). Er ist Steinobstanbauer in der dritten Generation. Schon sein Großvater hat Kirschen und Zwetschgen auf den guten Böden rund um die Mainschleife angebaut. "Wegen des turbulenten Frühjahrs mit Frostperioden erwarten wir zwar weniger Ernteertrag als in den vergangenen Jahren, bleiben aber weiterhin zuversichtlich", sagt der 65-Jährige. "Es gibt jedes Jahr eine neue Herausforderung." So machen auch der Wassermangel und die Trockenheit den Obstbauern zu schaffen. "Ohne Bewässerung geht gar nichts mehr." 

Anbauflächen werden weniger

In Bayern werden auf circa 450 Hektar Zwetschgen angebaut, 253 Hektar davon umfassen die Anbaugebiete in Unterfranken, 130 Hektar in Oberfranken und rund 15 Hektar in Mittelfranken. "Obwohl die Anbauflächen in den letzten Jahren rückläufig sind, ist die Zwetschge aber immer noch für viele Betriebe eine wichtige Einkommensquelle", sagt Thomas Riehl, er ist Obstfachberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Er schätzt, dass 200 Betriebe in der Region das Steinobst anbauen – meist zusätzlich zum Weinbau.

Obstbauer Barthelme hat die ersten Früh-Zwetschgen bereits Mitte Juli geerntet. Was viele nicht wissen, fränkische Zwetschgen sind in der Regel von Juli bis Mitte Oktober in den Supermärkten erhältlich. Die blau-violetten Früchte werden ausschließlich mit der Hand geerntet. "Bei uns leben derzeit vier Erntehelfer aus Rumänien", sagt Barthelme. Mit  Hilfe von Pflückschlitten oder Bockleitern klauben sie das Steinobst direkt vom Baum. "Wir müssen dabei sehr vorsichtig sein, denn die Zwetschgen dürfen nicht beschädigt werden. Die Verbraucher kaufen nur makellose Früchte."

Über 50 verschiedene Zwetschgensorten in Franken

Während die meisten Verbraucher problemlos die Namen einiger Apfelsorten aufzählen können, sind Sortennamen von Zwetschgen relativ unbekannt. Doch die Vielfalt an Zwetschgensorten riesig. "Nimmt man alle im Anbau befindlichen Sorten in Franken zusammen, kommt man auf eine Anzahl von ungefähr 50 verschiedener Zwetschgensorten", sagt Obstfachberater Riehl. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Reifezeit, Geschmack, Fruchtgröße, Steinlöslichkeit und Backfähigkeit. 

Zwetschgen oder Pflaumen - was ist eigentlich der Unterschied? "Die Übergänge sind fließend", sagt Thomas Riehl. "Grundsätzlich sind Pflaumen aber eher rundlich, Zwetschgen länglich. Zwetschgen sind in der Regel auch festfleischiger als Pflaumen und besitzen eine bessere Steinlöslichkeit." Überhaupt werde die Zwetschge, im Unterschied zu anderen Ländern, in Deutschland traditionell überwiegend als Backfrucht verwendet: Über 80 Prozent der Ware landet auf dem Kuchen.

In der Küche gibt es für die blauen Früchte viele Verwertungsmöglichkeiten, beispielsweise als Kompott, Marmelade oder Mus, im Knödel, als Bratenfüllung, als Sauce oder im Rumtopf. Dieter Barthelme liebt Rotwein-Zwetschgen ganz besonders. Halbiert und entsteint eignen sich Zwetschgen bestens zum Einfrieren. "Durch Trocknen also Dörren können die Früchte ebenfalls über längere Zeit haltbar gemacht werden", sagt Riehl. In Franken, mit seinen zahlreichen Brennereien, spiele natürlich auch die Herstellung von Zwetschgenbrand eine wichtige Rolle.

Da die Früchte reif am besten schmecken, rät der Steinobstbauer den Verbrauchern beim Einkauf darauf achten, dass die Zwetschgen gut ausgefärbt und nicht zu hart sind. "Reife Zwetschgen müssen bei Druck zwischen Daumen und Zeigefinger leicht nachgeben", sagt Barthelme. 

Zwetschgen-Anbau in Franken

Der Obstanbau an der Mainschleife wird bereits 1690 urkundlich erwähnt. Die Anfänge eines bescheidenen wirtschaftlichen Obstbaus beginnen dort etwa um 1800. Etwa um 1900 erfuhr der mainfränkische Zwetschgenanbau seine größte Flächenausweitung und entwickelte sich zum einem wichtigen Frühanbaugebiet. Derzeit bauen etwa 200 Betriebe in Unterfranken auf einer Fläche von 253 Hektar Zwetschgen an. 
Quelle: Thomas Riehl, Destatis