Sattes Grün leuchtet dem Spaziergänger durch Sulzfelds Weinberge im Maustal entgegen. Wer genauer in die Zeilen schaut, stellt fest, dass nicht alles in Ordnung ist: Es mangelt an Trauben. Die Folgen der Frostnacht auf den 12. Mai 2020 sind deutlich sichtbar. Jetzt haben sich Experten der Vereinigten Hagel zusammen mit den Schätzern zur Gemeinschaftstaxe in Sulzfeld am Main (Landkreis Kitzingen) getroffen. Doch nicht einmal zehn Prozent der fränkischen Rebfläche von 6250 Hektar ist gegen Frostschäden versichert, knapp die Hälfte davon bei der Vereinigten Hagel.

Weniger wegen des nahenden Gewitters als wegen der Frostschäden vom Mai blickt der Sulzfelder Winzer Ulrich Luckert hoch in die Weinberge. Er wird den Sachverständigen der Vereinigten Hagel, darunter Philipp Schönbach (Bezirksdirektor Bayern) und Christian Kaiser (stellvertretender Bezirksdirektor Alzey), gleich Weinberge zeigen, in denen es so gut wie keinen Schaden, einen mittleren Schaden und einen Totalausfall gibt.

140 von 160 Hektar kaputt

"Die Gemarkung Sulzfeld ist stark geschädigt worden", sagt Ulrich Luckert. Von den 160 Hektar dürften 140 mehr oder weniger kaputt sein. Von seinen 18 Hektar seien es knapp 16. Einzelne Parzellen hätten den Frost überstanden.

Kurz nach der ersten Besichtigung der Frostschäden waren Experten noch optimistisch, dass sich die Reben noch regenerieren könnten. Doch außer Blättern sei nichts gekommen, musste Luckert feststellen. Sein Produktionsziel seien 65 Hektoliter pro Hektar. In diesem Jahr werde er wohl nicht mehr als acht Hektoliter bekommen. "Da lernt man wieder Demut", meint Luckert. "Ein gutes Jahr ist ein Geschenk und nicht selbstverständlich."

Finanziell entschädigt die Versicherung. Doch die Hauptarbeit in nächster Zeit wird nach den Worten des Sulzfelder Winzers sein, das große Kundenpotenzial wieder zurückzugewinnen.

Spätfrost-Gefahr nimmt zu

Wie hoch die Entschädigung pro Hektar sein wird, das legt der Winzer mit seinen Parametern selbst fest. In Franken beträgt laut Philipp Schönbach die durchschnittliche Summe pro Hektar 11 000 Euro, deutschlandweit 10 000 Euro. Damit die Frostversicherung finanzierbar bleibt, gibt es einen Selbstbehalt von 20 Prozent. Bei der Frostversicherung will Bayern nun Winzer unterstützen und einen Anteil bezahlen. Wann dies aber spruchreif wird, kann Schönbach noch nicht sagen, Er vermutet, dass es Oktober oder November wird. Dann muss aber das Finanzministerium das Geld noch zur Verfügung stellen. Kommt die Förderung, rechnet Schönbach mit einem Anstieg bei den Frostversicherungen. Denn die Gefahr von Spätfrösten habe trotz der Erwärmung in den vergangenen Jahren zugenommen.

Alle bei der Vereinigten Hagel versicherten Betriebe hätten Frostschäden gemeldet: von geringen Schäden bis zum Totalausfall. Der Durchschnittswert beträgt 40 Prozent. "Das ist sehr, sehr hoch", weiß Schönbach. Damit, so schätzt er, sei in Franken über die Hälfte der Fläche frostgeschädigt. Auf der Grundlage seiner Daten vermutet Schönbach einen Gesamtschaden zwischen zwölf und 16 Millionen Euro.

Besonders betroffen waren die Bad Kissingen/Ramsthal und die Region von Sulzfeld bis zur Mainschleife. Ebenso schwere Schäden gab es bei Oberscharzach/Prichsenstadt. Von heftigen Schäden weiß Schönbach auch aus der Region Sommerhausen. Schäden gab es auch in Mittelfranken. Heftige bei Ippesheim, während der Ortsteil Bullenheim, Mittelfrankens größte Weinbaugemeinde, glimpflicher davonkam. Wie auch die Weinberge, in denen Nebel vor Frost schützte. So zum Beispiel die sonst frostgeschädigten Lagen bei Miltenberg/Bürgstadt.

Die großen Weinbau-Probleme

Christian Kaiser erläutere bei der Gemeinschaftstaxe in Sulzfeld die genaue Vorgehensweise. Die Schätzer, von den Mitgliedern gewählt und in der Regel selbst Winzer, werden sich nun die Weinberge vor der Lese genau betrachten und das Schadensausmaß bestimmen. Wogegen es aber noch keine Versicherung gibt und wohl auch nie geben wird, ist die Trockenheit. Neben Frost eine weiteres großes Problem im Weinbau.