Das Haus der evangelischen Landjugend in Wiesenbronn wird ab März 2015 eine Wohngruppe von etwa zehn unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aufnehmen – es erhält somit eine neue Bestimmung. Das teilte die Landesstelle der evangelischen Landjugend (ELJ) in Pappenheim mit. „Die Bedeutung überregionaler Zentren hat in der Arbeit der ELJ in den vergangenen Jahren zugunsten der Arbeit in den Dörfern abgenommen“, lautet die Begründung für diesen Schritt in der Pressemitteilung.

Die Landesstelle in Pappenheim gab zudem bekannt, dass die Bezirksstelle der ELJ sowie der Gruppenraum der ELJ Wiesenbronn im Haus erhalten bleiben „und auch die evangelische Wiesenbronner Kirchengemeinde möchte einen Teil der Räume nutzen“, weshalb die politische und die kirchliche Gemeinde in die Planungen einbezogen seien. Den Gruppen, die im Haus Übernachtungen ab Februar 2015 gebucht hätten, werden Ausweichquartiere angeboten.

Die weitere Information durch die Landesstelle besagt, dass die minderjährigen Flüchtlinge zunächst für zwei bis drei Monate in einer sogenannten „Clearingstelle“ untergebracht sind, „wo der konkrete Hilfsbedarf jedes einzelnen geprüft wird“.

Bürgermeisterin Doris Paul verwies darauf, dass der Verkauf des Hauses nach wie vor im Raum stehe. Dabei habe die evangelische Kirchengemeinde ein Vorrecht, auch wenn sie derzeit nur zu einem Viertel Besitzer sei, „die übrigen drei Viertel gehören der ELJ“.

Sie bestätigte, dass es schon Gespräche mit Vertretern der verschiedenen Gremien gegeben habe, bei denen die Einrichtung einer Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge ein Thema war. Die Tendenz gehe dahin, dass die obere Etage für die Flüchtlinge genutzt werden soll, „und auch den Wintergarten einzubeziehen“. Die Bezirksstelle der ELJ und die Nutzung von Räumlichkeiten durch die Kirchengemeinde bleibe bestehen, sagte die Bürgermeisterin.

Sie äußerte sich zudem sehr positiv zum bisherigen Zusammenleben von Flüchtlingen und Dorfbewohnern in Wiesenbronn. Seit Juni sind Flüchtlinge aus Syrien in der Kobold- und Spülseestraße untergebracht, insgesamt 42 Menschen.

Man kommt gut miteinander aus und wenn es mal kleinere Differenzen aufgrund der verschiedenen Lebensrhythmen gebe, könnten die ausgeräumt werden: „Man muss halt miteinander reden.“ Es gebe Gelegenheit, Deutsch zu lernen und Begegnungen zwischen den Leuten aus Syrien und den Wiesenbonnern sorgten für gute Stimmung: „Da gibt es Gutscheine von den Landfrauen für die Hilfesuchenden, schon mal eine gemeinsame Weihnachtsfeier oder ein gemeinsames Essen im Rathaus, bei dem syrische Küche angeboten wird.“ Bedauert werde von den Flüchtlingen, dass sie nicht arbeiten dürften, weiß die Bürgermeisterin zu berichten.

Dass bei der ganzen Problematik nicht nur eitel Sonnenschein ist, liegt auf der Hand. So ist eine Klasse eines Würzburger Gymnasiums derzeit doch arg enttäuscht, dass das im Oktober 2015 geplante Wochenende im Wiesenbronner ELJ-Haus nicht zustande kommt, da alle Buchungen storniert wurden. Schüler und Lehrer finden das nicht in Ordnung, da man schon die Zusage hatte und sich jetzt auf die Suche nach einem neuen Quartier begeben muss. Was nicht leicht fallen dürfte, da nach Angaben eines Lehrers dieser Klasse alle anderen Unterkünfte schon ausgebucht waren.