Festivalatmosphäre in Kitzingen, Filmfestival genauer gesagt. Am Rosenberg, vor dem Roxy am Samstagabend kurz nach 18 Uhr: Buntes Stimmengewirr, französisch, deutsch, Gelächter, gute Stimmung. Die setzt sich im Foyer fort. Ein wenig Spannung ist zu merken, die Türe zum Kinosaal selber ist verschlossen, die Jury tagt.

Seit zwei Tagen ist das Kitzinger Traditionskino, seit 2007 geschlossen, aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Jufinale steht wieder an, der Bayerische Jugendfilmpreis, am Wochenende der Bezirksentscheid Unterfranken. Und den gibt es seit 28 Jahren, seit 24 Jahren findet er zusammen mit dem Partner-Departement Calvados statt – es werden also im Wettbewerb am Freitag und Samstag Filme aus beiden Ländern gezeigt.

Große Vielfalt

Die Vielfalt ist so bunt wie die Teilnehmer: Das geht vom Handyfilm bis hin zum Spielfilm mit professioneller Ausrüstung, Dokumentationen sind ebenso zu sehen wie Animationen. Und man merkt auch ein wenig die unterschiedlichen Themen, die in den beiden Gesellschaften gerade aktuell sind. Rassismus, Asyl, Flüchtlinge, damit beschäftigen sich etliche Filme deutscher Jugendlicher. Alkohol, Drogen, Liebe sind Themen, mit denen sich die Franzosen auseinander setzen.

Und bei beiden geht es natürlich auch um typisch jugendspezifische Themen, die Auseinandersetzung mit dem Erwachsen werden, Verstanden werden, in die Welt wachsen.

Filme satt gibt es am Freitag- und Samstagnachmittag, dazu Workshops, etwa Schminken, Filmen aus der Luft, Schauspiel oder auch Kamera und Licht und ein Smartphoneprojekt, das die beiden Tage dokumentiert und unter jufinale-online.eu zu sehen ist.

Kurz nach 18.30 Uhr öffnet dann der Kinosaal wieder, füllt sich schnell. Die Spannung ist nun ganz da, die Erwartung hoch - die Preisverleihung steht an. Und es entsteht ein guter Eindruck, wie schwer es die Jury bei der Auswahl der Preisträger sicher hatte. Denn alle ausgezeichneten Filme werden kurz angespielt, eh der Preis übergeben wird. Und jedes Mal brandet Beifall für die Preisträger auf, egal, ob es sich um die Kita an der Löwenbrücke handelt, bei der die Kinder selber Regie und Kamera führten, oder fast professionelle Filmprojekte aufgeführt werden.

Da zeigt sich auch, was für ein Glücksgriff das Roxy für die Veranstalter des Bezirksjugendrings ist. Das Haus hat Atmosphäre, hat Kinogeschichte und auch die richtige Intimität für ein solches Projekt, liegt in der Stadt und nicht irgendwo im Nirgendwo. Besitzer Wolfram Kamm ist auch da, freut sich, dass wieder mal Leben in sein Haus eingezogen ist. Und hofft auch auf eine Initialzündung durch das Festival, erste Ansätze für eine Nutzung des Hauses gibt es ja bereits (wir berichteten).

Rund um das Festival, das Filme-gucken und die Workshops gab es natürlich auch ein breites Programm für die über 80 Gäste aus Frankreich. Kultur, Wirtschaft und natürlich auch Feiern, Unterkunft auf dem Schwanberg und die Versorgung durch das Partnerschaftskomitee und den Jugendstadtrat im Kino selber. Alle Filme waren mit Untertitel in die jeweils andere Sprache übersetzt, dazu gab es ein umfangreiches Programmheft und eh die Franzosen am Samstagabend wieder zurück nach Hause fuhren noch ein großes Buffet im Dekanatszentrum.

Die Preisträger des Jufinale: Preis des Landkreises Kitzingen: „High“ der Gruppe Hight. Preis der Stadt Kitzingen: „Die Integrationsexperten“ von BSZ Alfons Goppel Schweinfurt. Sonderpreis „Anders ist nicht giftig“: „Second Chance“ vom Filmkurs des Johann-Schöner Gymnasiums Karlstadt. Preis des Kreisjugendrings Kitzingen: „Ich bin kein Nazi, aber wir sind das Folck. . . “ von JUST LUCA. Unterfränkischer Kinderfilmpreis: „Le menhir des la Roche Piquee“ von Ecole primaire Jean Moulin. Unterfränkischer Jugendfilmpreis: „Raum 307“ von Röntgenfilm Würzburg. Prix de Departement Calvados: „Rache Süßer“ von Minzfilm Bad Brückenau. Preis des Bezirks Unterfranken und Publikumspreis: „Goldenfish“ von Le Blanc. „Second Chance“, „Ich bin kein Nazi, aber wir sind das Folck . . .“ und „Rache Süßer“ wurden zudem für die Bayerische Jufinale nominiert.