Wahrscheinlich kann der 49-Jährige selbst am wenigsten verstehen, warum er im November vergangenen Jahres nicht einfach stehen geblieben ist. Warum er nicht dafür geradestand, dass er mit dem Aufleger seines Sattelzuges einen am Straßenrand geparkten VW beschädigte. Warum er weiter fuhr, obwohl ein Passant ihn auf den Schaden – stolze 1123 Euro – aufmerksam gemacht hatte. Unfallflucht trotz Zeuge – darauf muss man auch erst einmal kommen.

Eine Erklärung für das seltsame Verhalten hat der Mann, der seit 2001 Berufskraftfahrer ist, jedenfalls nicht. Dafür hat er jetzt jede Menge Probleme am Hals: Die 1123 Euro muss er selber zahlen, weil seine Versicherung dankend ablehnte, nachdem sie von der Fahrerflucht erfahren hatte.

Schlimmer noch: Zur Strafe soll es ein einmonatiges Fahrverbot geben. Wenn das passiert, so hat sein Arbeitgeber schon knallhart und ohne mit der Wimper zu zucken angekündigt, würde das automatisch den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten. Der 49-Jährige könnte das Fahrverbot nicht mal in den Urlaub legen – weil er nur noch eine freie Woche hat.

Offene Ohren

Keine schöne Geschichte, die Strafrichter Bernhard Böhm da zu hören bekam. Der Kraftfahrer hatte Einspruch gegen das vierwöchige Fahrverbot eingelegt – und traf aufgrund seiner Notlage auf offene Ohren.

Was für den Mann spricht: Er hat sich bisher noch nichts zu schulden kommen lassen. Ein Ersttäter also, der wohl einen Blackout hatte. Nicht zuletzt, weil er für den Schaden bereits geradegestanden hat, ließ das Gericht Milde walten, das Fahrverbot wurde vom Tisch gewischt, der Mann kann seinen Job behalten. Allerdings muss er finanziell ein weiteres Mal bluten: Als Geldstrafe verhängte das Gericht 625 Euro (25 Tagessätze zu je 25 Euro).