Was ist wichtiger, Energie oder Nahrungsmittel? Um diese Frage drehte sich eine Diskussion im Kleinlangheimer Marktgemeinderat. Auslöser für die Debatte, bei der es analog zu den Tagestemperaturen auch mal etwas "heißer" zuging, war eine Bauvoranfrage zur Errichtung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage in Richtung Feuerbach.

Bürgermeisterin Gerlinde Stier erklärte, dass man über dieses Vorhaben schon im nichtöffentlichen Teil einer Sitzung gesprochen habe. Die vorgesehene Fläche sei zwar als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen, aber nach dem Ratsbeschluss aus dem Jahr 2013 wären PV-Anlage in einer 110-Meter-Zone neben der Autobahn möglich und die Anlage würde an eine schon bestehende anschließen. "In Zeiten der Energiekrise ist sie umso wichtiger", sagte sie.

"Wir sollten diesen Beschluss noch einmal überdenken", schlug Willi hingegen Köhler vor. Dieter Brunner und Hans Braun gaben zu bedenken, dass schon mehr als 2 Prozent der Flur mit PV-Anlagen belegt sei. "Wir müssen auch auf die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln achten, nicht nur auf die Energie und andere Gemeinden sollten mehr zur Energieversorgung beitragen", fügte Brunner an.

Auch über Ausgleichs- und Brachflächen wurde diskutiert

Diskutiert wurde auch über Ausgleichs- und Brachflächen, die nach Meinung einiger Ratsmitglieder für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen sollten. Die Bürgermeisterin zitierte dazu Kreistagsmitglied Otto Hünnerkopf, der in einer Sitzung vorgeschlagen hatte, für PV-Anlagen keine Ausgleichsflächen zu fordern. Gemeinderat und Landwirt Norbert Heß konnte nicht verstehen, "dass wir auch im kommenden Jahr vier Prozent unserer Felder stilllegen müssen". Olaf Gärtner argumentierte, dass es wichtiger sei, Energie zu sparen, als neue Anlagen zu bauen.

Die Bürgermeisterin berichtete aus einer Sitzung des regionalen Planungsverbandes, in der den Vertretern der Kommunen ans Herz gelegt worden sei, Flächen für PV-Analgen zur Verfügung zu stellen, "und wir sind in der Pflicht, unseren Beitrag zur Energieversorgung zu leisten". Einig war sich das Ratsgremium darin, dass ein Konzept zu den Flächen erstellt werden soll, auf solche Anlagen installiert werden könnten. Die Bauvoranfrage wurde schließlich mit neun gegen drei Stimmen befürwortet.

Passend zu diesem Thema war auch ein kurzer Bericht der Bürgermeisterin zu einer Info-Veranstaltung des "ENERGIE"-Konzerns, bei der deutlich geworden sei, dass der Gaspreis wesentlich teurer werde. "Aa kommt einiges auf die Bevölkerung zu, umso wichtiger ist es, Strom und Gas zu sparen", betonte sie. Zur Sprache seien bei dieser Veranstaltung auch der Klimawandel und die Tatsache gekommen, dass CO₂ in der Atmosphäre bleibe und sich massiv bemerkbar mache. "Es wird eine deutliche Steigerung der Tage über 30 Grad geben", ist sich die Bürgermeisterin sicher. Um den Klimawandel sei es auch in der Kreistagssitzung gegangen, in der es Informationen zu Photovoltaik-Modulen gegeben habe, "die man sich auf den Balkon stellen kann und die bezuschusst werden".

Ersten Bauanträge im neuen Baugebiet "Am Graben" genehmigt

Die ersten Bauanträge im neuen Baugebiet "Am Graben" wurden in der Ratssitzung für die Hausnummern neun, elf, 15 und 21 samt und sonders einstimmig im Genehmigungsfreistellungsverfahren befürwortet. Keine Einwände gab es zur dritten Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Wiesenbronn, da Kleinlangheimer Belange nicht berührt sind.

Ebenfalls einstimmig wurde der Antrag der Telekom zur Kabelumlegung im Zuge des Autobahnausbaus der A3 befürwortet. Die Gemeinde macht dabei zur Bedingung, dass die Flächen nach dem Bau wieder hergestellt werden müssen und die Telekom sich um die Drainagepläne kümmert. Aus dem Jahresabschluss 2020 des bayrischen kommunalen Prüfungsverbandes ging hervor, dass die Gemeinde durch die PV-Anlagen auf Schule und Feuerwehrhaus einen Gewinn von 7462 Euro erzielt hat.