Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht Sabine Pfeiffer noch am Horizont. "Wenn wir alle zusammenlangen und die Arbeit wieder auf mehrere Schultern verteilen, dann könnte die Lumpazia wieder auferstehen", sagt die Trainerin der Narrengilde, die 28 Jahre lang die Gardemädchen auf ihre Auftritte vorbereitete. Vorerst jedoch gehört das "Dreifach Aschdorf helau!" in der fünften Jahreszeit erst einmal der Vergangenheit an.
Wie jetzt in der Jahreshauptversammlung der DJK Escherndorf bekannt wurde, hat sich die närrische Traditionsabteilung "DJK Lumpazia" bereits im vergangenen Sommer aufgelöst. Zwei Gründe hat das "Aus" der karnevalistischen Streitmacht, die in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren humorvollen Prunksitzungen das närrische Treiben an der Mainschleife bereicherte: die stetige Abnahme der Besucherzahlen bei den Faschingssitzungen und die Tatsache, dass die Abteilung auch nach zwei Jahren keinen Gesellschaftspräsidenten mehr gefunden hat. So erläuterte es der 3. Vorsitzende Klaus Pfrang.
Die Entscheidung, die Narrengilde endgültig aufzulösen, fiel den Verantwortlichen nicht gerade leicht. Lange Zeit habe man in den Vorstandsreihen überlegt und über Monate nach Lösungsvorschlägen gesucht. "Wir haben viele Leute angesprochen, ob sie die Abteilungsleitung übernehmen würden - vergeblich", schildert Thomas Schlier die Situation. "Wir haben das immer und immer wieder probiert." Schließlich führten die Lumpazia-Funktionäre eine Abstimmung herbei, die nicht knapper hätte ausfallen können. Mit 6:5 Stimmen beschloss die Abteilung DJK Lumpazia ihre Auflösung. "Das tut schon richtig weh, weil am Fasching viel Herzblut hing", erklärt Schlier, der zwei Jahrzehnte die Faschingssitzungen als Sitzungspräsident mitorganisierte und leitete.
Zwar hat die DJK Escherndorf 170 Mitglieder, doch die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen sinkt seit Jahren. "Und auch bei den Aktiven werden es immer weniger", erinnert Schlier an die jährlichen "Kämpfe". 1988 lenkte er erstmals das Narrenschiff auf der Bühne, während Robert Winter die Fäden als Gesellschaftspräsident gesponnen hat. Unvergesslich sind für Schlier die letzten Jubiläen der 1972 gegründeten Lumpazia. Vor allem das 33-jährige Bestehen war im Jahr 2005 von gewaltigen Stimmungsraketen begleitet.
Auch Sabine Pfeiffer hat die närrischen "runden" Geburtstage miterlebt und sie möchte am liebsten auch den "44." in vier Jahren groß feiern. Mit ihren Garden trainiert sie derweil munter weiter, auch wenn die Lumpazia aufgelöst ist. Ihre Motivationsgrundlage: Das Vorstandsteam der DJK um den Vorsitzenden Stefan Ringelmann und seine Stellvertreterin Franka Sauer hatte beschlossen, zumindest den Kinderfasching in der Winzergemeinde weiterleben zu lassen - unter der Federführung der DJK. "So haben wir wenigstens eine Plattform, auf der wir unsere Tänze zeigen können", sagt Übungsleiterin Pfeiffer. Bei den erwachsenen Tänzerinnen musste sie in den letzten Jahren aufgrund von Personalmangel immer wieder Tiefschläge hinnehmen.
Dabei stehen die Zeichen für die Zukunft eigentlich gut. Sie trainiert momentan eine putzige Bambini-Truppe mit immerhin zehn Kindern und auch eine "Mini"-Formation mit acht Tänzerinnen übt regelmäßig. Beim letzten Kinderfasching in der Winzerhalle trat auch eine "Große Garde" auf, in der die fünf ältesten Gardemädchen ihrem Lieblingssport nachgehen. Nachdem vor Jahren bereits bei der aktiven Fußballabteilung das Licht ausging, bedauert Pfeiffer jetzt auch das Ende der Lumpazia: "Damit geht es mir gar nicht gut."
Dass das gesellige Miteinander und die Gemeinschaft in einem kleinen Ort wie Escherndorf wichtig sind, zeigen die erfolgreichen Veranstaltungen der DJK im letzten Vereinsjahr wie Kesselfleischessen, Preisschafkopf, Sommerfest mit Johannisfeuer oder Dorfmeisterschaft im Fußball. Auf dem Sportgelände und im Sportheim ist dabei mächtig was los. Auch bei den Fußballübertragungen im Clubhaus sitzt man gerne zusammen. Sehr gut angenommen wurde der Verkauf der Christbäume auf dem Sportgelände. Pfrang und seine Vorstandskollegen wollen neben dem Kinderfasching auch das traditionelle Spanferkelessen, das bisher von der Lumpazia organisiert wurde, fortführen.
Auch Sabine Pfeiffer will so schnell nicht aufgeben. Dafür hängt ihr Herz zu sehr an der Lumpazia und am Gardetanz. Verständnis hat sie für die Entscheidung der Verantwortlichen: "Die haben alles versucht". Sie weiß, dass ohne das notwendige Personal nichts geht. Ihre Hoffnung auf eine Wiedergeburt der Lumpazia stirbt aber trotzdem zuletzt.