Vor sechs Jahren haben die drei Höhn-Geschwister Alfred, Ursula und Alexandra das Geschäft Uhren, Optik, Foto, Schmuck und Dekoration Konrad in der Volkacher Altstadt von ihrem verstorbenen Vater Josef Höhn übernommen. 156 Jahre nach der Gründung schließt das Geschäft nun seine Türen. Mit großen Buchstaben weist ein Plakat am Eingang des Geschäfts in der Hauptstraße 18 auf den Totalausverkauf und die bevorstehende Schließung hin.

"In den vergangenen Tagen standen Kunden mit Tränen in den Augen in unserem Geschäft", erzählt Alexandra Molitor. Wehmütig sind sie alle: die drei Geschäftsführer, ihre sieben Mitarbeiter und die vielen treuen Kunden, für die das Geschäft über Jahrzehnte eine beliebte Fachadresse an der Mainschleife war. Geschlossen wird auch das zweite Geschäfte des Geschwister-Trios in der Spitalstraße 2, ebenfalls in der Altstadt.

Geschwister teilten sich die Aufgaben

Gegründet wurde das Geschäft im Jahr 1863 von Franz Konrad. In die Hände der Familie Höhn kam es 1985 nach dem Tod des kinderlosen Inhaber-Ehepaars Joseph und Eleonore Konrad. Josef Höhn war ein Neffe der Konrads. Als die Höhn-Kinder im Jahr 2013 das Geschäft übernahmen, war Augenoptiker "Fred" nach wie vor für den Bereich Brillen zuständig, Ursula für die Foto- und Deko-Abteilung und Alexandra für den Uhren- und Schmucksektor.

Mit einem Geschäft im Zentrum einer Kleinstadt finanziell zu überleben, ist grundsätzlich nicht einfach. Und es wurde in den vergangenen Jahren immer schwieriger, ziehen die Höhns Bilanz. Die übermächtige Konkurrenz im Internet, die Einkaufsmärkte außerhalb der Stadt und die immer größer werdende Anzahl der Mitbewerber machen den Höhns das Leben schwer. "Gekauft wird online und wir sind dann nur noch Dienstleister für Reparaturen oder Fachfragen", sagt Alfred Höhn frustriert.

Wie geht es mit den Geschäftsflächen weiter?

Mit 65 Jahren ist es für ihn nun an der Zeit, sich in den Ruhestand zu begeben. Seine beiden jüngeren Schwestern wollen neue berufliche Wege gehen, wenn die beiden kleinen Geschäfte in der Innenstadt der Vergangenheit angehören. "Sobald das Lager leer ist, schließen wir", sagt Alexandra Molitor. Einen exakten Schließungstermin gibt es nicht. Die Höhn-Geschwister verspüren auch keinen Druck. Schließlich sind sie Eigentümer der Gebäude. Die Folgenutzung der Geschäftsflächen ist noch völlig offen, erklärt Ursula Höhn.

"Früher waren die Samstage in unserem Geschäft Großkampftage", erinnert sie sich an ihre Kindheit. Schon im Kindesalter stand das Geschäftsleben im Mittelpunkt, ihre Hausaufgaben machte sie im Laden. "Heute ist Samstag unser Putz- und Aufräumtag", sagt ihre Schwester. Dass es kleine Geschäfte in Volkach immer schwerer haben, hat nach ihrer Ansicht weitere Gründe: "Es fallen immer mehr Parkplätze in der Innenstadt weg", bedauert sie. "Samstags sind so viele Veranstaltungen auf dem Marktplatz, dass die einheimischen Kunden den Weg in die Stadt meiden, da sie vor lauter Touristen nicht durch kommen", ergänzt Alfred Höhn.

"Außerdem müssten wir viel Geld in die Hand nehmen und modernisieren", erklärt Alexandra Molitor zum Stand der Dinge. Das mache in Anbetracht der immer schwierigeren Einkaufssituation keinen Sinn mehr. Folglich macht ein Fachgeschäft mit langer Tradition schweren Herzens seine Türen zu.